Neues Luxushotel

Ein GeWynn für Las Vegas

14.10.2006

Der Milliardär und Hotelguru Steve Wynn hat ein neues Luxushotel in Las Vegas eröffnet und vergleicht sich deshalb selbst gerne mit Michelangelo.

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Superlative lassen sich am besten anhand von Zahlen dokumentieren: Das " Wynn"-Resort in Las Vegas hat 2,7 Milliarden Dollar gekostet. Der 50-stöckige Glaspalast ist von einem künstlich angelegten Berg mit einem zehn Meter hohen Wasserfall und dem bislang größten Golfplatz von Vegas umgeben. 2.176 Suiten liegen im Wüstenpalast, 18 Restaurants sind darin untergebracht. Dazu kommen ein 40 Millionen Dollar teures Musicaltheater, ein Luxuseinkaufszentrum, ein Ferrari- und ein Maseratihändler sowie drei Bungalows, die man für kein Geld der Welt mieten kann, weil sie " besonderen Gästen vorbehalten sind".

So weit, so gut. Dahinter steht Steve Wynn, ein Mann, der nicht gerne in der zweiten Reihe steht: "Michelangelo hat vier Jahre für die Erschaffung der Sixtinischen Kapelle benötigt. Ihr Zimmer benötigte fünf Jahre ", prahlt Mr. Las Vegas bei der Eröffnung.

Der Hotel-Milliardär
Steve Wynn ist Sohn eines Bingoladen-Besitzers. In den 60er Jahren erwarb er Anteile des heruntergekommenen Casino Golden Nuggets, das er komplett sanierte und zu einem der profitabelsten Spielcasinos aufpeppelte. Wynn ist der Erfinder des modernen Las Vegas. Als in den Achtzigerjahren die Spielermetropole in der Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte, steckte er 630 Millionen Dollar in ein Hotel, von dem er sagte: "So würde Gott bauen, wenn er Geld hätte. " Er sprach vom Bellagio. 1989 baute er dann das berühmte " Mirage Hotel" und kam auf die Idee, den Gästen nicht nur Spieltische, sondern auch weiße Tiger und zwei deutsche Zauberer, Siegried und Roy, zu zeigen. Vor dem Hotel ließ er einen Vulkan errichten, der noch heute alle 15 Minuten ausbricht.

Hotel als Rückzugsgebiet
Zurück zum teuersten Hotel: Das Geheimnis des "Wynn" ist nicht das Design, das zwar edel ist, auch nicht die Restaurants, die in Armani gekleideten Pagen. Es sind auch nicht die Mega-Betten. Nein: Das "Wynn" lässt seine Gäste zwar spürbar Teil an der verrücktesten, kränkesten Stadt der Welt sein - etwa mit dem eigenen Kunstmuseum mit Sammlerstücken wie Pablo Picassos "Le Reve" oder der hoteleigenen exklusiven Show "Le Reve", in der mehr als 70 Künstler des Cirque du Soleil das Publikum in einer Wasserschau verzaubern. Das Geheimnis liegt in der Abgrenzung: Das "Wynn" isoliert die Gäste von allem billigen Übel, das man anderswo in der Stadt in Kauf nehmen muss. Vor allem von Pauschaltouristen, die von täglich 800 Maschinen in die Stadt geflogen werden.

Wynn hat seinen Traum zum exklusivsten Platz der Stadt gemacht: Anders als die meisten Hotels hat das "Wynn" weder ein Thema noch einen Vorplatz für die Öffentlichkeit. Alle 18 Restaurants haben Terrassen, aber von denen aus schaut man nicht, wie sonst überall, auf den Strip, die Prachtstraße Las Vegas, sondern auf den Berg vor dem Hotel mit dem imposanten Wasserfall. "Ich hab all die Jahre falsch gelegen", sagt Wynn im Interview im deutschen Magazin "Max". "Früher baute ich Piratenschiffe vor die Hotels, Vulkane oder gewaltige Wasserspiele, und all dies konnten Leute am besten bestaunen, die gar nicht meine Gäste waren. Jetzt habe ich das Prinzip um 180 Grad gedreht."

Das "Wynn" ist daher auch ein Platz, den man in Las Vegas durchaus nüchtern ertragen kann: eine Art vergoldeter Hochstand, den man eigentlich nicht verlassen möchte. Sogar Tageslicht gibt es im Kasino, eine radikale Abkehr von allen bisher gültigen Regeln. Aber wenn Wynn die Regeln vorgibt, dann gelten sie. Vor allem in Vegas, seinem Reich.