Frühlingsgefühle
Mythos Frühlingsgefühle: Gibt es sie wirklich?
20.04.2026Wenn nach einem langen und trüben Winter die Natur erwacht, Bäume und Pflanzen erblühen und sich die Tierwelt emsig um die Sicherung ihres Fortbestandes kümmert, vermeinen viele Menschen, sich ebenfalls irgendwie anders zu fühlen. Oft ist dann von "Frühlingsgefühlen" die Rede.
Macht der Hormone?
Tatsächlich ist ein Großteil der Menschen im Frühling energiegeladener, zuversichtlicher und weniger missmutig. Es scheint, als habe selbst der typische "Wiener Grant" jetzt erst einmal Sendepause. Das liegt vor allem daran, dass sich während der warmen Jahreszeit die Zusammensetzung der Hormone ändert. Ist es nämlich länger hell, produziert der Körper weniger Melatonin, also weniger des Schlafhormones. Stattdessen steigt der Anteil von Serotonin, dem Glückshormon, und von Sexualhormonen, etwa Testosteron und Östradiol. Das Ergebnis ist klar: weniger Müdigkeit, mehr Energie und bessere Stimmung sind die Folgen. Im Alltag führt das dazu, dass einem unbekannte Menschen plötzlich ein Lächeln schenken, Sorgen plötzlich weniger schwerwiegend wirken und sich die Lust auf den ein oder anderen Flirt regt.
Nicht nur!
Im Tierreich ist der Frühling die Hauptpaarungszeit, vor allem, weil die nächsten Monate klima- und futtertechnisch die besten Voraussetzungen für die Aufzucht von Nachkommen herrschen. Bei Menschen ist der Frühling nicht das direkte Signal, Nachkommen zu zeugen, wie Geburtenstatistiken belegen. Sie zeigen keinen Anstieg von im Frühling gezeugten Babys. Doch nur, weil es jetzt nicht zu vermehrten Schwangerschaften kommt, heißt das nicht, dass Sonne, Wärme und Leichtigkeit keinen Effekt auf die menschliche Lust haben.
Im Gegenteil! Dating-Portale verzeichnen im Frühling einen teilweise sprunghaften Anstieg von Neuregistrierungen. Vor allem die Lust auf unverbindliche Nähe, wie sie beim Casual Dating möglich ist, steigt jetzt. Das hat einerseits mit biologischen Signalen, also dem erwähnten Hormon-Cocktail, zu tun. So gilt als gesichert, dass bei Männern der Anstieg von Testosteron im Frühling in direkter Verbindung mit gesteigerter Lust ist. Vor allem bei Frauen sind Frühlingsgefühle aber eher das Resultat veränderter Lebensumstände.
Mythos Frühlingsgefühle: Warum die Lust im Frühling wirklich steigt
Wenn es draußen wieder länger hell ist, verlegt sich nämlich auch ein Teil der Freizeitgestaltung wieder in die Natur. Wir möchten nicht nach der Arbeit einfach nur schnell heim und auf die Couch, sondern sind bereit, Neues zu erleben. Auch sexuelle Abenteuer stehen da an vorderster Front. Schließlich regt der ein oder andere Blick auf nackte Haut die Fantasie viel eher an, als ein bis zum Boden reichender Wintermantel. Und wenn es draußen schön warm ist, steigt die Motivation, sich drinnen auszuziehen auch viel eher.
Der Einfluss von Hormonen auf die menschliche Lust wirkt also je nach Geschlechtern unterschiedlich stark und auch nicht allein, bei beiden scheint es aber so zu sein, dass die Jahreszeit sich als durchaus förderlich erweist.