Orbiting
Was hinter dem gemeinen Dating Trend steckt
20.04.2026Mode, Ernährung, Sport – Fast alle Lebensbereiche sind Trends unterworfen. Während das Phänomen des Ghostings, bei dem der Kontakt einseitig und unvermittelt komplett abgebrochen wird, nun bereits hinlänglich bekannt ist, macht etwas anderes die Runde: Orbiting.
Was ist Casual Orbiting?
Orbiting ist dem Ghosting nicht ganz unähnlich. In beiden Fällen wird der direkte Kontakt abgebrochen. Beim Ghosting verschwindet eine Partei wie vom Erdboden, beim Orbiting hingegen bleibt sie in der Social-Media-Umlaufbahn. Auf Anrufe, WhatsApp oder E-Mails wird nicht reagiert, dennoch sieht sich der Orbiter zum Beispiel Stories auf Instagram an und hinterlässt Spuren in Form von Likes oder Emojis. Er kreist also weiterhin um einen herum, ohne in direkten Kontakt zu treten.
Warum ist Orbiting so fies?
Bei den Opfern von Orbiting löst dieses Verhalten unterschiedliche Gefühle aus. "Es ist irgendwie beklemmend. Man fühlt sich beobachtet, weiß aber nicht so richtig, woher das oberflächlich Interesse kommt", berichtet Katja F. Die 32-jährige Niederösterreicherin lernte online einen Mann kennen, den sie interessant fand. Es kam zu einem Date, das eigentlich ganz gut verlief. "Wir trafen uns daraufhin noch mehrmals und verbrachten eine Nacht miteinander", sagt die Anwältin. Von heute auf morgen antwortete er allerdings nicht mehr auf Nachrichten. Doch anstatt sie zu blockieren oder ihr einfach zu sagen, dass er keinen Kontakt mehr möchte, las er jede einzelne Message.
Mehr noch: Er schaute ihre Status-Updates auf WhatsApp an und hinterließ auf ihren Instagram-Stories sogar Emojis. "Natürlich wollte ich ihn fragen, was das soll. Er hob nicht ab und ließ auch meine Nachricht dahingehend unbeantwortet." Anfangs waren die Aufmerksamkeiten für Katja F. Grund zur Hoffnung, sie deutete diese als Interesse an ihrer Person. Doch mit fortwährendem Schweigen seinerseits wurde daraus eine psychische Belastung. "Man fühlt sich wie unter dem Mikroskop", beschreibt sie das beklemmende Gefühl. "Du weißt nie, was der vorhat und was seine Absichten sind."
Was steckt hinter dem Dating Trend?
Weshalb ein Mensch aus dem direkten Einflusskreis in die Social-Media-Stratosphäre verschwindet, kann viele Gründe haben. Einer davon ist, dass der Orbiter vielleicht selbst (noch) gar nicht so richtig weiß, was er eigentlich möchte. Statt den Mut zu haben, das deutlich zu kommunizieren oder offen und ehrlich gezielt von Anfang sich erst einmal klar zu Casual Dating zu positionieren, eiert er konfliktscheu herum.
Ein weiterer Grund könnten narzisstische Persönlichkeitszüge sein. Denn manche Orbiter haben nicht nur eine Person als Social Media Referenzpunkt auserkoren, sondern gleich mehrere. Sie fühlen sich dadurch vermeintlich wichtig, üben eine Art Kontrolle aus und wollen sicher gehen, nicht vergessen zu werden. Sie ziehen aus der Tatsache, gesehen worden zu sein, einen emotionalen Gewinn. Oft handelt es sich bei Orbiting auch einfach um eine "Warmhalte-Strategie".
Wie reagiert man auf Orbiting am besten?
Wichtig ist, dass es keinen Grund gibt, reagieren zu müssen, solange es für beide Parteien okay ist, nur auf diese Weise Kontakt zu haben. Fühlt sich das Umkreist-Werden allerdings verwirrend, nervig oder belastend an, gibt es nur eine sinnvolle Strategie: Dem Satelliten auch die Social-Media-Landeerlaubnis entziehen, also entweder das Profil auf "privat" stellen oder den Orbiter blockieren. Denn eines ist gewiss: Echtes Interesse hat er wohl nicht und auch nicht plötzlich entwickeln. Erst, wenn der Orbiter aus dem Sichtfeld verschwindet, kann man echten emotionalen Abstand gewinnen und mit der Situation abschließen.
Orbiter sind übrigens nicht nur Männer. Sowohl Männer als auch Frauen legen dieses Verhalten an den Tag. Wer sich selbst dabei erwischt, sich in einen Orbiter zu verwandeln, sollte seine Dating-Absichten ernsthaft hinterfragen. Denn wer nichts Fixes möchte, sondern lieber unverbindlich daten will, findet dank Casual Dating Apps viele andere Menschen, denen es ebenso geht. So ist unverbindliche Nähe möglich, ohne sich zum Dating-Freak entwickeln zu müssen.