Konjunktur

Alarmstufe Rot für Autozulieferer in Deutschland

04.02.2009

Die Wirtschaftskrise erschüttert die Autozuliefer-Branche in Deutschland. Es gibt zehntausende Kurzarbeiter und tausende Jobs wackeln.

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Es herrscht Alarmstufe Rot. Die Lage der Autozulieferer ist dramatisch. Die Finanz- und Absatzkrise hat die Autohersteller und mit ihnen die Zulieferer mit voller Wucht erwischt, sie leiden unter massiven Auftragseinbrüchen. Immer mehr Firmen gehen pleite, tausende von Jobs sind in Gefahr. Zehntausende Beschäftigte nicht nur bei den Großen der Branche wie Bosch, Continental und Schaeffler sind in Kurzarbeit geschickt worden. Die Unternehmen setzen den Rotstift an und wollen mit drastischen Kostensenkungen in der Branchentalfahrt gegensteuern.

Hilfe von Bund
Auch der Staat ist längst mit im Spiel, Bund und Länder prüfen mögliche Hilfen - nicht nur im Fall der schwer angeschlagenen und hoch verschuldeten Schaeffler-Gruppe, die sich aus Sicht von Experten bei der Conti-Übernahme verhoben hat. Hinter den Kulissen werden auch die Hersteller zunehmend nervös. Sie setzten alles daran, die Lieferkette stabil zu halten, hieß es in der Branche. Mit mehr als 330.000 Beschäftigten alleine in Deutschland ist die Autozulieferer-Industrie ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die Lage sei "sehr brisant", sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen am Mittwoch. "Die Krise steht erst am Anfang." Dudenhöffer sieht in den kommenden sechs Monaten 150 der rund 1.300 Automobilzulieferer in Deutschland als "akut gefährdet" an. Eine wichtige Hilfe könnte der im zweiten Konjunkturpaket der deutschen Regierung vorgesehene 100-Mrd.-Euro-Topf für die Industrie sein, mit dem Zulieferer mit Krediten und Bürgschaften unterstützt werden könnten.

Von Rekordergebnissen in die Krise
Für Wirbel sorgte zuletzt der Insolvenzantrag des Traditionsunternehmens Edscha mit Stammsitz in Remscheid. Der Cabrioverdeck- und Türscharnierhersteller ist ein wichtiger Lieferant für viele namhafte Hersteller, der Insolvenzantrag trifft europaweit 4.200 Beschäftigte. Die Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen kündigten an, dem zahlungsunfähigen Unternehmen helfen zu wollen. Die Bedeutung der Zulieferer für die gesamte Automobilindustrie ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Rund drei Viertel der Wertschöpfung beim Auto entfallen nach Branchenangaben inzwischen auf die Zulieferer, die wie die Autohersteller vor dem Ausbruch der Krise zum Teil Rekordergebnisse einfuhren. Die Zulieferer liefern Teile von komplizierter Elektronik bis zum Autositz. Seit Jahren gilt ein knallharter Preiskampf, die Hersteller versuchen, ihre Kosten zu drücken - aus Branchensicht oft zulasten der Zulieferer, für die Innovationen immer wichtiger werden.

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