Obama sagt Ja

Bernanke bleibt Fed-Chef

25.08.2009

Obama nominierte den 55-Jährigen für eine zweite Amtszeit.

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© Reuters
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Ben Bernanke bleibt für weitere vier Jahre Chef der US-Notenbank Federal Reserve. US-Präsident Barack Obama nominierte den 55-jährigen am Dienstag für eine zweite Amtszeit ab Februar kommenden Jahres. Bernanke habe dazu beigetragen, dass eine neuerliche Große Depression wie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermieden worden sei, sagte Obama am Dienstag im Beisein Bernankes an seinem Urlaubsort Martha's Vineyard an der US-Ostküste. Am Finanzmarkt wurde die Entscheidung für Bernanke positiv aufgenommen. Aus Europa war der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, einer der ersten Gratulanten.

Lob vom US-Präsidenten
Obama sparte nicht mit Lob für Bernanke: "Ich bin mir sicher, dass Ben als Experte für die Ursachen der Großen Depression nicht im Traum daran gedacht hat, dass er einmal einem Team angehören wird, dass dafür verantwortlich ist, eine weitere zu verhindern", sagte Obama. "Aber wegen seines Hintergrundes, seines Temperamentes, seines Mutes und seiner Kreativität, hat er exakt dazu beigetragen und das ist der Grund, weshalb ich ihn für eine weitere Amtszeit als Gouverneur der Federal Reserve nominiere."

Bernanke musste zuletzt um seine Wiederernennung bangen. Grund war seine umstrittene Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America. Auch sein Handeln bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist nicht völlig unumstritten: Kritiker werfen ihm vor, er habe sie nicht verhindert, obwohl die weltweiten Schockwellen absehbar gewesen seien. Es hatten sich zudem zuletzt Stimmen gemehrt, wonach Obama seinem Wirtschaftsberater Lawrence Summers den wichtigen Posten an der Spitze der Notenbank übertragen könnte. Bernanke war noch von Obamas Vorgänger George W. Bush ernannt worden. Seine erste Amtszeit endet Ende Jänner 2010.

Senat nun am Zug
Eine Wiederernennung muss vom Senat bestätigt werden. Der demokratische Vorsitzende des Bankenausschusses, Christopher Dodd, erklärte nach Bekanntwerden der abermaligen Nominierung Bernankes: "Obwohl ich in den vergangenen Jahren einige ernste Differenzen mit der Federal Reserve gehabt habe, denke ich, dass eine Wiederernennung von Ben Bernanke wahrscheinlich die richtige Wahl ist." Die Demokraten verfügen im Senat über die Mehrheit der Stimmen.

Bernanke hat von Zentralbankern und Ökonomen in aller Welt viel Lob für sein Krisenmanagement in den vergangenen Monaten bekommen. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und andere bekannte Experten hatten sich zuletzt vehement für eine zweite Amtszeit des Fed-Chefs stark gemacht. Bernanke gilt als einer der besten Kenner der Geldpolitik der Fed während der Krise der 30er Jahre. Damals führten eklatante Fehler von Notenbank und Regierung dazu, dass die USA jahrelang wirtschaftlich nicht wieder auf die Beine kamen.

Greenspan-Erbe
Bernanke hatte 2006 das schwere Erbe seines legendären Vorgängers Alan Greenspan angetreten. Dessen Mythos verblasst mittlerweile immer mehr, weil seine Politik des billigen Geldes in den vergangenen Jahren als eine der Hauptursachen für die gegenwärtige Krise gilt, die aus einer Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt entstand. Im Kampf gegen die Krise senkte Bernanke in beispielloser Weise den Leitzins auf null Prozent. Zudem versorgt die Fed die US-Wirtschaft und das Bankensystem mit Liquidität in ungeheurem Ausmaß - ihre Bilanz ist inzwischen auf mehr als zwei Bill. Dollar (1.396 Mrd. Euro) angewachsen, weil sie unter anderem Staatsanleihen und andere Papiere am Markt aufkauft.

An den Finanzmärkten wird Bernanke zugetraut, dass er diese Krisenpolitik in den kommenden Jahren Schritt für Schritt wieder zurückführen kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Dabei wird es darauf ankommen, das bereitgestellte Geld genau zum richtigen Zeitpunkt wieder einzusammeln, damit keine Inflation entsteht. Wegen des ausufernden Staatsdefizits könnte die Fed dabei unter den politischen Druck geraten, eine etwas höhere Teuerungsrate zuzulassen um den Schuldendienst des Staates zu erleichtern.

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