Wirtschaftsdaten

Deutschland stürzt in tiefe Rezession

23.04.2009

Die deutsche Wirtschaft wird laut jüngster Prognosen in diesem Jahr um 6 Prozent einbrechen. Soziale Unruhen infolge der Krise werden befürchtet. Auch auf Österreich könnten die düsteren Zukunftsaussichten Auswirkungen haben.

Zur Vollversion des Artikels
 
Zur Vollversion des Artikels

Deutschland muss sich nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute auf ein zweites Rezessionsjahr gefasst machen. Die Experten erwarten nach einem Minus des Bruttoinlandsprodukts von 6,0 Prozent in diesem Jahr für 2010 einen Rückgang um 0,5 Prozent. Dies geht aus dem am Donnerstag offiziell veröffentlichten Frühjahrsgutachten der Forscher hervor. Die Arbeitslosigkeit könnte demnach im Herbst auf über vier Millionen emporschnellen. Für das Jahr erwarten die Institute im Schnitt 3,7 Mio. Arbeitslose, für 2010 knapp 4,7 Millionen.

Studie mit düsterer Prognose
"Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr 2009 in der tiefsten Rezession seit der Gründung der Bundesrepublik", heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose mit dem Titel "Im Sog der Weltrezession". Sie wurde im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums von fünf deutschen, zwei österreichischen und einem Schweizer Institut erarbeitet. Die Weltwirtschaft sehen die Institute sogar in der tiefsten Rezession seit der Großen Depression Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Export als Krisenträger
Wegen ihrer starken Exportorientierung sei die deutsche Wirtschaft davon besondern betroffen. Die Abwärtsbewegung habe sich mittlerweile auf die gesamte deutsche Wirtschaft ausgebreitet. Im ersten Quartal 2009 ist es nach Einschätzung der Institute zu einem weiteren Einbruch der Produktion gekommen. "Die Geschäftslage der gewerblichen Wirtschaft wurde zunehmend schlechter beurteilt."

Verheerende Arbeitslosenzahlen
Einen kleinen Lichtblick stellen in diesem Jahr die Bauinvestitionen dar, die aus Sicht der Institute dank staatlicher Konjunkturprogramme zulegen dürften. Die Konsumneigung der Bundesbürger werde sich mit zunehmendem Arbeitsplatzrisiko dagegen verschlechtern. Eine um sechs Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung wird den Instituten zufolge im Jahresverlauf zu einem Verlust von einer Million Arbeitsplätzen führen. Die Arbeitslosenquote wird für 2009 mit 8,6 Prozent und für das kommende Jahr mit 10,8 Prozent angegeben.

2010 noch schlimmer
"Für 2010 erwarten die Institute keine durchgreifende Erholung. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 0,5 Prozent sinken, zum Jahresende ist mit knapp unter 5 Mio. Arbeitslosen zu rechnen". Die Institute weisen darauf hin, dass ihre Prognose auf der Annahme basiert, dass es mit staatlicher Hilfe zu einer langsamen Gesundung des internationalen Bankensystems kommt. "Diese Annahme ist mit großer Unsicherheit behaftet". Es sei keineswegs auszuschließen, dass es zu einer neuen Vertrauenskrise komme, mit weiteren Einbrüchen in der Industrieproduktion. "Dann wäre ein Abgleiten in eine weltweite deflationäre Abwärtsspirale nicht unwahrscheinlich".

Druck auf Banken
Eindringlich appellieren sie an die deutsche Regierung, auf eine Lösung der Probleme des Bankensystems zu drängen. Durch Zuwarten könne sich die Situation weiter zuspitzen. "Es besteht das Risiko, dass es zu einer regelrechten Kreditklemme kommt". Es scheine unumgänglich, den politischen Druck auf die Banken zu erhöhen und sie notfalls zur Annahme staatlicher Hilfe zu zwingen. "Selbst eine Verstaatlichung stellt ein geringeres Übel dar als ein Andauern der Schwierigkeiten". Ein drittes Konjunkturprogramm in Deutschland lehnen die Institute ab.

Immerhin sehen sie auch "Aufwärtsrisiken" für die deutsche Konjunktur. Falls die internationale Bankenkrise rasch gelöst werde und die Kreditvergabe wieder funktioniere, würde die expansive Geldpolitik rasch wirken. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit könnte erheblich gemildert werden.

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel