Ex-Finanzminister

Grasser glaubt an viele Bankenpleiten

06.10.2008

Der Ex-Finanzminister sieht Europa in einer sehr ernsten Krise.

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© Pauty
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ÖSTERREICH: Herr Grasser, wie lange hält diese Krise noch an?
Karl-Heinz Grasser: In Europa stehen wir erst an ihrem Anfang, so viel ist klar. Es werden noch viele Banken pleite gehen. In der Folge wird es eine Rezession geben, das ist auch klar, und die wiederum wird sich negativ auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt auswirken.
ÖSTERREICH: Ungewohnte Worte aus dem Mund ­eines Optimisten …
Grasser: Ich war immer dafür, dass man offen ausspricht, was Sache ist, und ich bin auch nach wie vor Optimist. Nach dem, was man derzeit weiß, nehme ich an, dass das Schlimmste bis Ende 2009 überwunden ist. Danach kann es wieder aufwärts gehen.
ÖSTERREICH: Ein schwacher Trost.
Grasser: Man muss auch bedenken, dass es fünf Jahre lang aufwärts gegangen ist, die Wirtschaft blühte. Jetzt kommt wieder einmal eine schwierigere Phase. Damit müssen wir leben.
ÖSTERREICH: Haben Sie den Eindruck, dass die Politik das Richtige tut?
Grasser: Ich bin nicht ­ für einen gesamteuropäischen Rettungsplan, sondern für Maßnahmen ­jeweils in den einzelnen EU-Staaten. Österreich muss da seine Eigenständigkeit bewahren.
ÖSTERREICH:
Der Staat haftet für Spareinlagen – aber könnte er im Ernstfall überhaupt zahlen?
Grasser: Das ist nicht die Frage. Jetzt geht es darum, Panik zu verhindern und zu beruhigen. Dafür ist diese Maßnahme hervorragend geeignet.
ÖSTERREICH:
Macht es Sinn, wenn der Staat kaputte Banken rettet?
Grasser: Das muss man sich im Einzelfall ansehen. Wenn die Pleite Relevanz für das System hätte, wenn also andere Banken mitgerissen würden, ist so eine Rettungsaktion auf jeden Fall sinnvoll.
ÖSTERREICH: Unter welchen Bedingungen wäre sie nicht sinnvoll?
Grasser: Wenn ein Institut seine Arbeit schlecht gemacht hat, wenn Manager versagt und ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen haben, dann muss es sehr wohl möglich sein, so eine Bank auch in die Pleite zu schicken. Das wäre den Steuerzahlern nicht zumutbar.

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