Spendable Regierung

Jeder Steuerzahler bekommt 523 Euro

14.01.2009

Die Steuerreform ist in der Zielgeraden. Im Februar gibt's das OK der Regierung, im März vom Parlament. Und im April ist so mehr Geld am Konto...

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Die Entlastungsoffensive der neuen Regierung kommt in Fahrt. Doch die Harmonie wurde dabei am Mittwoch auf eine harte Probe gestellt: VP-Finanzminister Josef Pröll präsentierte auf der ÖVP-Regierungsklausur im burgenländischen Pamhagen den Entwurf für die Steuerreform – ohne der SPÖ. SP-Geschäftsführerin

Laura Rudas gibt sich gegenüber ÖSTERREICH gelassen: „Wir habe es gemeinsam präsentiert. Mich freut, dass der Termin 1. Jänner 2009 feststeht, so wie das immer von Werner Faymann gefordert worden ist.“

Krisenmanager
Im Burgenland gab sich die ÖVP offensiv. „Wir stehen 2009 vor der gewaltigen Herausforderung die Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen, wo wir auch alle Kompetenzen bei unserer Regierungsmannschaft konzentriert haben“, tönte der ÖVP-Chef bei der Präsentation der Eckpunkte der Tarifreform. Die Botschaft ist klar: Die ÖVP-Minister positionieren sich bewusst als Krisenmanager.

Insgesamt wird die Tarifreform um die 3,2 Milliarden Euro betragen. Im Schnitt bringt das den 6,1 Millionen Steuerzahlern 523 Euro im Jahr. Ab April soll das Geld fließen.

Die Details der Reform
15. Gehalt für Familien bringt 3.000 Euro mehr

Vor allem Familien sollen besonders stark von der Entlastung profitieren. Ihnen verspricht man 2.000 bis 3.000 Euro pro Jahr. Pröll spricht im Interview mit ÖSTERREICH von einem „15. Gehalt für Familien“.

-Die Kinderabsetzbeträge (KAB) werden für alle Kinder von 610 auf 700 Euro erhöht. Statt bisher 50,90 Euro werden dann monatlich 58,40 Euro pro Kind gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausbezahlt. Im September gibt's dazu noch eine 13. Familienbeihilfe für Kinder.

-Angehoben wird auch der Unterhaltsabsetzbetrag, der nach der Zahl der Kinder gestaffelt ist: Für ein Kind beträgt er künftig monatlich 29,20 € (derzeit 25,50), für zwei 43,80 (38,20), für jedes weitere Kind 58,40 (50,90).

-Pro Kind stehen Eltern künftig 220 Euro Kinderfreibetrag zu bzw. jeweils 132 Euro, wenn beide arbeiten.

-Zudem werden bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes Betreuungskosten in Höhe von bis zu 2.300 Euro pro Jahr von der Steuer absetzbar sein. Singles sparen bis zu 1.350 Euro. Doch auch Singles und kinderlose Paare können mit der Steuerreform kräftig profitieren:

-Wer 1.100 Euro brutto pro Monat verdient, erspart sich ab sofort 8,74 Euro pro Monat. Das Geld fließt rückwirkend erstmals im April – danach jedes Monat.

-Wer 2.000 Euro verdient, spart 44,89 Euro im Monat.

-Wer 3.000 Euro verdient, spart 54,70 Euro im Monat.

-Spitzenverdiener von 6.000 Euro kassieren den Maximalbetrag von 112,50 € pro Monat (1.350 €/Jahr).

Spenden
Auch die Spendenabsetzbarkeit wird nun mit der Steuerreform fixiert. Nur Zuwendungen an Organisationen, die mildtätige Zwecke erbringen oder in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, werden begünstigt - nicht aber an Tier- oder Umweltschutzorganisationen. Für eine 100-Euro-Spende erhält man je nach Steuerklasse zwischen 36,50 und 50 € zurück.

Pröll im ÖSTERREICH-Interview: "Familien erhalten kräftiges Ostergeld"
Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) erläutert im Interview mit ÖSTERREICH die Eckpfeiler der neuen Steuerreform.

ÖSTERREICH: Welcher Punkt war Ihnen bei der Steuerreform am wichtigsten?

Josef Pröll: Ziel der ÖVP war, dass es mit der Steuersenkung und mit der Einführung von neuen Instrumenten bei Familien zu einer spürbaren Entlastung kommt. Und es ist uns gelungen ein 15. Gehalt auszulösen.

ÖSTERREICH: Es gibt die Kritik, die Reform entlaste nur Gutverdiener …

Pröll: Das ist glatt falsch. Eine allein erziehende Mutter mit 1.500 Euro monatlich mit zwei Kindern wird eine Entlastung haben von circa 1.800 Euro pro Jahr. Wir entlasten alle, die Steuern zahlen. Für jene, die keine Steuer zahlen haben wir schon Schritte gesetzt, etwa die 13. Familienbeihilfe.

ÖSTERREICH: Welche Formen der Kinderbetreuung sollen steuerlich absetzbar sein?

Pröll: Alle Kosten, die entstehen, wenn Kinderbetreuung qualitativ erbracht wird. Also etwa bei Kindergarten, Hort, Betreuung während der Sommermonate oder auch zu Hause.

ÖSTERREICH: Auch Pfadfinderlager?

Pröll: Wo Kinderbetreuung qualitativ funktioniert, ja. Nicht der Schulskikurs. Das ist klar, weil ja das in der normalen Schulzeit erledigt wird.

ÖSTERREICH: Von welchen Punkten hat sich die SP besonders schwer überzeugen lassen?

Pröll: Wir haben in der Frage, wie man Familien mit Kindern entlastet, zum Beispiel durch die Absetzbarkeit von Kinderbetreuung, Diskussionsbedarf gehabt.

ÖSTERREICH: Werden Sie die Forderung der SPÖ nach einer Volksabstimmung über Änderungen des EU-Vertrags zum Wahlkampfthema bei den EU-Parlamentswahlen machen?

Pröll: Ich sehe diese Frage nicht als grundlegend für einen Wahlkampf zum europäischen Parlament, wo entschieden wird, welche Partei Österreich in Brüssel stark vertreten soll. Das kann eigentlich nur jemand wie wir, die Europa positiv gegenüberstehen und etwas bewegen wollen.

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