Arbeiterkammer-Test

Nachhilfe fast 20% teurer als im Vorjahr

25.05.2009

Eine private Nachhilfe-Stunde kostet im Schnitt 22 Euro - Arbeiterkammerpräsident Tumpel fordert daher den Ausbau der Ganztagsschule.

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© dpa
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Die Kosten für Nachhilfe explodieren: Für eine Stunde durch Privatpersonen müssen durchschnittlich 22,06 Euro bezahlt werden. Das sind um 18,4 Prozent mehr als im Vorjahr bzw. um 52 Prozent mehr als noch 1996. Das ergibt die jährliche Erhebung der Arbeiterkammer.

Hohe Nachfrage
Als Grund für den großen Preisanstieg nennt AK-Konsumentenschützerin Manuela Delapina den offensichtlich hohen Bedarf: "Jeder Preis wird von Angebot und Nachfrage bestimmt, offensichtlich ist die Nachfrage entsprechend hoch", meint sie.

Bis zu 33 Euro pro Stunde
Für den Test hat die AK die Preise von 77 privaten Anbietern und 27 Lerninstituten in Wien erhoben. Demnach kostet private Nachhilfe im Schnitt zwischen 12 und 33 Euro pro Stunde. Unterstützung in den Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) ist dabei mit zwölf bis 33 Euro (plus 20,1 Prozent teurer als 2008) etwas günstiger als Nachhilfe in Mathematik und Rechnungswesen mit 14 bis 33 Euro (plus 13,3 Prozent).

Privat versus Institut
Teurer ist die Nachhilfe in Lerninstituten: Der Einzelunterricht kostet dort zwischen 12 und 49 Euro bzw. im Schnitt 30 Euro, wobei der Preis gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben ist. Auch im Langzeitvergleich fällt die Preissteigerung deutlich moderater aus als im privaten Bereich: gegenüber 1996 sind die Preise an Lerninstituten nur um 17 Prozent gestiegen. In Kleingruppen kostet die Nachhilfe im Schnitt 18 Euro (zwischen 6 und 28 Euro), das ist um 14,4 Prozent mehr als 2008. Die großen Preisunterschiede bei den Lerninstituten erklären die Konsumentenschützer zum Teil durch die Zahl der gebuchten Unterrichtseinheiten bzw. Bindungsfristen: "Je mehr Nachhilfe-Stunden gekauft werden, desto billiger wird meist der Preis pro Stunde."

Für die Konsumenten rät die AK, Freunde oder Bekannte nach guten Erfahrungen mit Nachhilfelehrern zu fragen und sich nach deren Qualifikationen zu erkundigen. Bei Nachhilfe-Instituten sollte man herausfinden, ob es eine Bindungsfrist gibt. Kurse mit einer größeren Anzahl an Unterrichtseinheiten seien meist günstiger. Beim Preisvergleich sollte man auf die Dauer der Unterrichtseinheiten achten, diese sind nicht immer 60 Minuten lang. Beim Gruppenunterricht sollte man nach der Anzahl der Schüler in der Gruppe und deren Alter fragen. Bevor man sein Kind längere Zeit in einen Kurs anmeldet, sollten Probestunden vereinbart werden.

"Gehört abgestellt"
"Dass die Eltern Jahr für Jahr mehr für private Nachhilfe ausgeben müssen, gehört abgestellt", findet AK-Präsident Herbert Tumpel. Bei steigenden Kosten brauche bereits jeder fünfte Schüler unter 14 Jahren private Nachhilfe, zusätzlich müsse bereits mehr als die Hälfte der Eltern täglich ihren Kindern bei den Hausübungen helfen, wie eine weitere Umfrage für die AK gezeigt hat. Alarmierend ist für die Arbeiterkammer, dass sogar schon in der Volksschule sechs Prozent der befragten Eltern für Nachhilfe zahlen müssen. In der Hauptschule sind es 15 Prozent, in der AHS-Unterstufe 28 Prozent. Zusätzlich sind immer mehr Eltern unfreiwillige Nachhilfelehrer: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) muss täglich ihren Kindern bei den Hausübungen helfen.

Als Hauptgrund für diese Entwicklung ortet die AK das Halbtagsschulsystem in Österreich. So gebe es nur für ein Viertel der Volksschulkinder Nachmittagsbetreuung. Aus diesem Grund fordert Tumpel "Investitionen in Schulplätze, die allen Kindern mehr Chancen bieten". Wichtig sei der Ausbau der ganztägigen Schulen in Österreich - bis zum Schuljahr 2010/11 sollte es in jedem politischen Bezirk zumindest eine davon geben.

Bildungsministerium sieht Bestätigung
Im Unterrichtsministerium sieht man eine Bestätigung für den Reformkurs von SPÖ-Ressortchefin Claudia Schmied. Wer sagt, das öffentliche Schulwesen funktioniere eh bestens und wir können uns Stillstand leisten, werde durch diese Zahlen eines Besseren belehrt, so Schmieds Sprecher. Es könne nicht sein, dass Eltern für die Bildung ihrer Kinder doppelt zahlen müssen - einmal über die Steuern und zusätzlich für Nachhilfeunterricht. Daher soll die Nachmittagsbetreuung weiter ausgebaut werden. Kleinere Klassen und Kleingruppenunterricht sollen ermöglichen, dass Fragen bereits während der Schulzeit durch die Lehrer beantwortet werden.

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