Industrie droht

Standort-Verlagerung bei Eurofighter-Ausstieg

13.10.2006

Unternehmer machen sich für die Eurofighter stark: Bei Storno drohe der Verlust von Milliarden-Gegengeschäften.

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In der Diskussion um einen möglichen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag meldet sich jetzt die Wirtschaft lauter zu Wort. Die Industrie - vertreten durch den Lkw-Hersteller MAN und die Flugzeugtechnologie-Hersteller FACC und TestFuchs sowie Böhler Schmiedetechnik - betonen unisono, dass durch eine Kündigung des Eurofighter-Vertrages Standorte in Österreich gefährdet seien. Die bereits unterzeichneten Aufträge seien aber nicht gefährdet. Auch räumte die Luftfahrtindustrie ein, dass die Hoffnungsmärkte der Zukunft ohnehin in Asien liegen würden. Wolle man Aufträge von dort, müssten dort auch Werke errichtet oder von der Region zumindest Teile bezogen werden.

Gegengeschäfte
Wesentlicher Bestandteil des Eurofighter-Vertrags ist die Vereinbarung über Gegengeschäfte, in der die Eurofighter-Mutter EADS heimischen Firmen Aufträge über insgesamt vier Milliarden Euro (das Doppelte des Kaufpreises für die 18 Abfangjäger) zusichert.

Drohender Auftragsverlust?
Bis Ende 2005 wurden laut Wirtschaftsministerium Aufträge im Wert von 800 bis 900 Millionen Euro erfüllt (siehe Infobox). Für weitere 1,5 Milliarden seien die Verträge unter Dach und Fach, meint Rudolf Lohberger von der Wirtschaftskammer: "Es wäre blauäugig zu glauben, dass unsere Firmen diese Aufträge bei einer Stornierung der Eurofighter behalten würden."

Türöffner
Bei FACC rechnet man mit EADS-Aufträgen über knapp 800 Millionen Euro für die nächsten Jahre. "Die Gegengeschäfte waren ein Türöffner. Wir würden Aufträge künftig vielleicht auch bekommen - aber stünden unter stärkerem Preisdruck", so FACC-Vorstand Walter Stephan: "Subaufträge könnten wir nicht mehr in Österreich vergeben, sondern müssten Partner in Asien suchen." Leiden würden kleine und mittlere Firmen hierzulande, meint er.

Kritik der SPÖ
Allerdings sind die Gegengeschäfte auch umstritten. Eurofighter-Kritiker wie SPÖ-Klubobmann Josef Cap sagen, " Firmen wie FACC oder MAN hätten ihre Lieferverträge ohnehin in der Tasche gehabt".

Außerdem ist EADS den Verpflichtungen bisher unzureichend nachgekommen. Etliche Firmen, darunter Siemens und Kapsch, denen 2003 Aufträge zugesichert wurden, gingen bisher leer aus. Laut SPÖ fehlt zirka eine Milliarde Euro.

Viele Manager sehen das anders. MAN liefert im Rahmen der Gegengeschäfte 7216 Allrad-Transporter ans britische Militär. Auftragsvolumen: 900 Mio. Euro. Ebenso wie bei FACC und Böhler Schmiedetechnik sind die Gegengeschäfte hier nicht Basis der Existenz, aber "ein wichtiger Motor".

Bei Stopp keine Folgeaufträge
Wolfgang Plasser, Finanzvorstand bei Pankl, hat bisher zwei Aufträge mit einem Volumen von je 3,5 Mio. Euro abgeschlossen. Wird der Eurofighter-Kauf gestoppt, sieht Plasser im Gespräch mit ÖSTERREICH schwarz für Folgeaufträge. "Damit wäre unsere Division Luftfahrt gefährdet.“ Einen schweren Dämpfer für die ganze Flugzeug-Branche befürchtet FACC-Chef Stephan. " Wir würden unseren internationalen Status schnell verlieren."

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