ÖSTERREICH-Umfrage

Wirtschaftskrise betrifft 61 Prozent persönlich

25.11.2008

53 Prozent der Österreicher werden sich laut ÖSTERREICH aufgrund der Krise heuer bei Weihnachtsgeschenken einschränken.

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Jetzt ist es amtlich: Österreich befindet sich in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit Kriegs­ende und schlittert 2009 erstmals seit Jahrzehnten in eine tiefe Rezessionsphase. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gab es das nur zur Zeit der Ölkrise. Für heuer gehen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent aus. 2009 stürzt dieser entscheidende Wert in den Minusbereich.

Arbeitslosigkeit steigt
Die Folgen der Rezession mit minus 0,1 Prozent Wachstum sind dramatisch:

  • Laut OECD steigt bei uns die Arbeitslosigkeit von heuer 4,9 auf 5,7% im Jahr 2009 – und noch einmal auf 6 Prozent im Jahr 2010. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht in einer Berechnung von 77.000 Arbeitslosen mehr aus.
  • Auch der Staat kommt unter Druck. So soll sich die Budgetsituation in Österreich deutlich verschlechtern. Das Defizit könnte bis 2010 über die 3-Prozent-Maastricht-Grenze auf 3,5 Prozent ansteigen.
  • Hinzu kommt eine schwächere Exporttätigkeit heimischer Betriebe (soll von heuer 3,8 dramatisch auf 1 Prozent einbrechen). Auch die Investitionsbereitschaft geht nun massiv zurück.
  • Gleichzeitig sinken die Preise vor allem im Energie- und Nahrungsmittelbereich. Die Inflationsrate soll laut OECD von heuer 3,3 Prozent spürbar auf 1,1 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. 2010 wird die Teuerungsrate gar nur 0,8 Prozent betragen.

„Düsteres Jahr“
Finanzexperte Ulrich Schuh vom Institut für Höhere Studien (IHS) erläutert im Gespräch mit ÖSTERREICH: "Alle Forscher sind sich einig, dass das kommende Jahr ein ziemlich düsteres sein wird, ein außerordentlich schlechtes. Dass alle Wirtschaftsregionen gleichzeitig von einem derartigen Wirtschaftseinbruch betroffen sind, hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben.“ Vor allem die Finanzkrise verschärfte die negative Entwicklung am gesamten Globus.

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Globale Krise
Die gesamte Weltwirtschaft befindet sich derzeit Experten zufolge in einem Abwärtssog. Beinahe im Stundentakt werden neue Hiobsbotschaften verkündet. Gestern Vormittag verkündete die OECD ihr Negativszenario für die westliche Welt. Am Nachmittag wurde bekannt, dass die US-Wirtschaft zwischen Juli und September dieses Jahres ebenfalls geschrumpft ist – mit minus 0,5 Prozent.

Auch Deutschland wird von der Rezession heftig getroffen. Bis 2010 gehen die OECD-Finanzexperten von 700.000 zusätzlichen Arbeitslosen aus. Dort sprechen alle Beteiligten von der "schlimmsten Rezession seit 40 Jahren“.

Krisen-Feuerwehr
Die EU-Kommission will nun mit einem Paket von Maßnahmen gegen die Rezession in Europa ankämpfen. Unter den Vorschlägen für die nächsten zwei Jahre finden sich vorgezogene Investitionen in Infrastruktur, aber auch ein Aufruf für eine Senkung der Mehrwertsteuer sowie der Zinsen zur Nachfragesteigerung.

Und in Österreich steht die neue Bundesregierung mit ihren Konjunkturpaketen bereits in der Startposition. Mit aller Kraft wird derzeit weltweit versucht, dass sich eine Krise wie in den 1930er Jahren nicht wiederholt.

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