15. Juni 2010 08:57
Wie bereits in den Jahren zuvor hat Microsoft am Abend vor dem Beginn der
weltgrößten Spielemesse
E3 seine offizielle Pressekonferenz abgehalten. Im Mittelpunkt standen
dabei die neue Version der Spielkonsole Xbox 360 und das Bewegungs- und
Sprachsteuerungssystem "Kinect" (wir
berichteten).
Neue Xbox: kompakt und leise
Der Senior Vice President von
Microsofts Abteilung für interaktive Unterhaltung, Don Mattrik, stellte die
neue Konsole persönlich vor und er war sichtlich angetan von seinem neuen
Baby. Ab sofort verfügt die überarbeitete Xbox 360 über einen integrierten
WLAN-Adapter (n-Standard) und eine um 130 GB größere Festplatte (250 GB).
Mit diesen Änderungen schließt Microsoft also zu seinen Hauptkonkurrenten
Sony PS3 (250 GB) und Nintendo Wii (von Anfang an mit WLAN) auf. Optisch
fallen vor allem die schlanke Linie und das in hochglänzendem Schwarz
lackierte Gehäuse auf. Letzteres wirkt mit seinen Ecken und Kanten auch
maskuliner als bisher (siehe Bild). Weitere Highlights sind die insgesamt
fünf USB-Anschlüsse und der neue Lüfter. Dieser sitzt nun seitlich im
Gehäuse und soll deutlich leiser arbeiten als bisher. Erste kurze
Probeversuche zeigten dann auch tatsächlich, dass die neue Xbox nahezu
geräuschlos arbeitet. Eine HDMI-Schnittstelle ist ebenfalls mit an Bord.
Bild: (c) Microsoft
Am Ende der Präsentation hatte Mattrik noch eine weitere Überraschung zu
verkünden. Denn in den USA kommt die neue Konsole bereits in diesen Tagen in
den Handel. Der Einstiegspreis bleibt mit 299 Dollar auf Vorgängerniveau. Ab
sofort ist im Lieferumfang ein original Microsoft-Headset enthalten. In
Europa startet die "Xbox 360-2" am 16. Juli.
Bewegungs-
und Sprachsteuerung: intuitiv und einfach
Wie berichtet kommt das
lange erwartete Project
Natal im November (4.11.2010) unter der Bezeichnung Kinect
auf den Markt. Im Gegensatz zu Sonys
"Move" und Nintendo verzichtet Microsoft bei der Steuerung auf
zusätzliche Controller. Das System funktioniert nur in Kombination mit einer
neuen 3D-Kamera. Diese Spezial-Kamera ist auch mit der aktuellen Konsole
kompatibel, benötigt bei dieser jedoch ein eigenes Netzteil. Bei der neuen
Xbox liefert der USB-Slot ausreichend Strom, um die Kamera mit Energie zu
versorgen. Die Spieler steuern "Kinect" nur über Bewegungen oder
Sprachbefehle und wie die Vorführung zeigte, funktioniert das Ganze noch
besser als angenommen.
Video: So funktioniert Kinect
Neben den Spielen (siehe unten) kann auch das Xbox-Menü über Kinect
gesteuert werden. Außerdem kann die Konsole auch nur durch Bewegungen
eingeschaltet werden, ein kurzer Schwenker mit dem Arm in Richtung Kamera
genügt. Dank Gesichtserkennung wird gleich das passende Spielerprofil
geladen. Natürlich können mehrere Personen ein Profil erstellen. Die Kamera
scannt dann einmal das passende Gesicht ein, und je nachdem wer die Konsole
startet, wird das passende Spieler-Profil geladen. Des Weiteren können die
Profile mit anderen Social Networks wie Facebook und Last.fm synchronisiert
werden. So bleiben die Xbox-User auch in diesem Bereich stets auf dem
neuesten Stand. Auf Wunsch werden die Spielergebnisse auch gleich auf das
Facebook-Konto hochgeladen und für die Freunde gepostet.
Video: Alle Highlights der E3
Kompatible Games
Nach dem Hochfahren der Konsole erscheint im
Menü ein Zeiger (ähnlich der Computermaus). Dieser lässt sich durch gezielte
Handbewegungen problemlos steuern. Das wichtigste sind jedoch eindeutig die
kompatiblen Spiele. Bis 4. November sollen laut Microsoft insgesamt 15
passende Spiele fertig sein. Zu den bekannten externen Publishern zählen
Disney Interactive, Lucas Arts, Ubisoft, Electronic Arts, Hudson, Majesco
und THQ. Bei der Pressekonferenz wurden sechs von ihnen näher vorgestellt.
Da Microsoft mit Kinect neue Käuferschichten (vor allem Frauen und Kinder)
erreichen will, wurden auch die Spiele dieser Zielgruppe angepasst. Im
Zentrum der Entwicklung standen Sport/Fitness, Spiel und Spaß.
Zu der Kategorie Spielesammlung passen die Titel "Kinect Sports"
und "Kinect Adventures", welche ziemlich stark an ähnliche Spiele
für die Nintendo Wii (Fitness, Sports Ressort, etc.) erinnern. Sie sollen
vor allem Spieler, welche nur gelegentlich vor der Konsole hocken,
begeistern. Zu den Angeboten zählen u. a. Speerwerfen, Boxen, Volleyball,
Tischtennis, Bowling und Fußball. Bei "Adventures" geht es
etwas härter zur Sache. Hier konnte die Outdoor-Sportart Rafting bei der
Präsentation überzeugen. "Kinect Joy Ride" ist eine
gelungene Kart-Simulation, bei der die fehlenden Steuerknöpfe einfach durch
Sprachbefehle ersetzt werden. So führt etwa der Ausruf von "Boost"
oder "Slide" dazu, dass der gewünschte Befehl ausgeführt wird. Das
Kart-Spiel wird übrigens kostenlos im Live-Market angeboten.
Ubisoft präsentierte mit dem Titel "Your Shape Fitness Evolve"
ein ziemlich ambitioniertes Fitnessgame. Vor dem Start wird der Körper des
Probanden von der Kamera genau erfasst und vermessen. Im Anschluss daran
kalibriert sich das System genau auf die Maße. Darüber hinaus wird der
Spieler ständig von einem achtsamen Fitnesscoach beobachtet. Dieser gibt
passende Tipps und Ratschläge. Auf Wunsch wird ein Vorturner eingeblendet,
der die richtigen Bewegungsabläufe zeigt.
Ein weiterer Verkaufsschlager dürfte das Choreografiespiel "Dance
Central" werden. Dieses wurde von MTV Games produziert und funktioniert
nach dem Schema diverser Casting-Shows. Unzählige Songs werden um 90
vollständige Vorchoreografien und mehr als 500 Einzelbewegungen ergänzt. Je
nach Ausgangsniveau (guter oder schlechter Tänzer) lassen sich die
Tanzübungen den indiviuellen Fähigkeiten anpassen.
Bei der Zielgruppe Kinder dürfte das Tierspiel "Kinectimals"
zum Publikumsliebling avancieren. Die Kleinen können aus 30 Tieren und 40
unterschiedlichen Spielversionen ihre Favoriten heraussuchen. Die
unglaublich realistisch wirkenden Tiere reagieren auf Bewegungen und Zurufe.
Die Bewegungssteuerung dieses Games ist selbst für ganz kleine Kinder
geeignet. Eine Handbewegung nach links sorgt dafür, dass das Haustier nach
links läuft. Winkt man es zu sich, kommt es näher. Zusätzlich gibt es einen
Versteckspielmodus. Hierbei muss der Spieler das Kamerafeld verlassen.
Danach kommt das Tier ganz nahe dem Bildschirm und sucht nach seinem
Herrchen oder Frauchen. Bei der Vorführung lief natürlich die englische
Version. Als das kleine Mädchen auf der Microsoft-Bühne das Sprachkommando "toy"
rief, holte der kleine Tiger ein Spielzeug. Für Kinder scheint das Spiel
also wirklich perfekt geeignet.
Im nächsten Jahr werden dann auch immer mehr konventionelle Spiele "Kinect"
unterstützen. So bringt beispielsweise Lucas Arts 2011 das
Lichtschwert-Spiel Star Wars auf den Markt. Außerdem kommt eine spezielle
Variante des bewährten Rennspiels Forza Motorsport. Dieses lässt sich
dann nur mit den Händen und Füßen steuern. Hält der Spieler seine Hände in
der Cockpitansicht so, als hätte er ein Lenkrad in der Hand, kann er sogar
die Knöpfe im Wageninneren bedienen. Des Weiteren soll es einen
Ansichtsmodus geben. Bei diesem kann der Spieler sein gewähltes Fahrzeug von
außen in Augenschein nehmen und Dinge an ihm verändern.
Fazit
Alles in allem scheint Microsoft mit der neuen Xbox 360
und der Spielsteuerung Kinect ein wirklich gutes Paket gelungen zu sein. Das
könnte sich - falls Microsoft den Preis für das System nicht zu hoch ansetzt
- auf die Verkaufszahlen durchaus positiv auswirken. Da die Xbox 360 mit
Kinect eindeutig auch Kundengruppen anspricht, die bisher eher von Nintendo
bedient wurden.
Hardcore-Gamer werden auf die Zusatzkamera jedoch eher verzichten und sich
auf Blockbuster wie etwa das am 14. September erscheinende "Halo: Reach"
freuen. Diese dürften sich am Spiel "Metal Gear Solid: Rising"
(kommt auch noch vor Weihnachten) ebenfalls erfreuen.