17. September 2009 07:39
Der Arzt ist für abnehmwillige Österreicher kein Ansprechpartner - das ist
das Ergebnis einer in Wien präsentierten Studie. Lediglich 7,6 Prozent der
von Marketagent.com zu den Themen Abnehmen und Selbstmedikation Befragten
würden bei Übergewicht einen Mediziner aufsuchen. Sie trauen ihm offenbar
keine effektive Behandlung zu, für den Arzt wiederum ist Dicksein oft keine
Krankheit. "Hier muss ein Umdenken von beiden Seiten stattfinden",
forderte Bernhard Ludvik, Vorstand der Adipositas Gesellschaft.
Berechnen
Sie hier Ihren BMI!
900.000 Österreicher fettleibig
Warum sind 900.000
Österreicher überhaupt fettleibig (adipös)? Für den Sozialmediziner Michael
Kunze ist es die Kombination von mangelnder Bewegung, gigantischem Überfluss
und einer atavistischen Einstellung zum Essen: "Das sieht man bei der
Schlacht am kalten Buffet. Wer weiß, ob es morgen etwas gibt... , aber am
nächsten Tag gibt es wieder so viel."
BMI über 25
Der durchschnittliche Österreicher wiegt 76 kg
bei 1,73 Meter - und weist damit einen BMI von über 25 auf, was ihn/sie als
übergewichtig ausweist. Und dies ist nicht nur ein ästhetisches, sondern
auch ein gesundheitliches Problem. Zwar fühlen sich auch wirklich adipöse
oft (medizinisch) pudelwohl, doch gibt es eine deutliche Korrelation
zwischen Übergewicht und gefühltem Gesundheitszustand.
Folgeerkrankungen
Dabei gibt es eine Vielzahl von
Folgeerkrankungen, die nicht nur den Einzelnen belasten, sondern auch die
Volkswirtschaft. Nicht zuletzt deswegen setzt man beim Hauptverband der
Sozialversicherungsträger verstärkt auf Vorsorge, wie Generaldirektor Josef
Kandlhofer berichtete. Unter dem Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt
Hans nimmermehr" gibt es eigene Programme für Schwangere und
Kleinstkinder. Aber auch an Schulen und in Betrieben wird Aufklärung
betrieben.
Angst vor Nebenwirkungen
Noch mehr Einsparungspotenzial ortet
Kandlhofer im Bereich Medikamente: Neun Prozent der Patienten entsorgen laut
einer Untersuchung gleich nach dem Lesen des Beipackzettels etwa aus Angst
vor Nebenwirkungen die verschriebene Arznei. "Wäre das nicht so, dann
hätten wir kein Finanzierungsproblem." Die entsprechenden
Medikamenten-Informationen lassen sich über die AGES herunterladen - noch
vor dem teuren Gang in die Apotheke.
Selbstmedikation
Wenig überraschend steigt mit zunehmendem Alter
und BMI der Medikamentenkonsum. Aber lediglich jeder Vierte geht bein
Krankheitssymptomen zum Arzt, 35 Prozent setzen eher bzw. ausschließlich auf
Selbstmedikation. Nur 14 Prozent der Österreicher haben Erfahrung mit dem
Bezug rezeptfreier Arznei aus dem Internet - eine überwältigende Mehrheit
befürchtet nämlich Produktfälschungen und Wirkungslosigkeit der so
erworbenen Medikamente.