28. Jänner 2010 08:38
Rauchen tötet laut Ärzteangaben nicht nur via Krebs-und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Aktiv- und Passivrauchen verursacht - so Sprecher der Österreichischen
Diabetes Gesellschaft (ÖDG) - auch Diabetes.
Im Lichte der Erkenntnisse "unzulässig" sei es von
Gesundheitsminister Alois Stöger (S) auf neue Studienergebnisse zu warten,
was die Umsetzung einer strikteren Anti-Rauch-Gesetzgebung betreffe, hieß es
am 27. Jänner 2010 bei einer Pressekonferenz in Wien.
Zusammenhang zwischen Rauchen und Zuckerkrankheit
Bernhard
Ludvik, Diabetologe am Wiener AKH und ehemaliger Präsident der ÖDG, fasste
die wissenschaftlichen Studien bezüglich eines Zusammenhanges zwischen
Rauchen und Zuckerkrankheit zusammen:
- Die Physician's Health Study mit 21.068 US-Ärzten, die jahrelang
beobachtet wurden, hat ergeben, dass ab einem Konsum von 20 Zigaretten pro
Tag die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes um 60 bis 70 Prozent zunimmt.
- Eine Studie mit rund 5.000 jungen Erwachsenen (18 bis 35 Jahre alt)
zeigte, dass es bei Aktiv-Rauchern zu einer Verdopplung der Häufigkeit des
Auftretens einer Glukose-Intoleranz als Vorstufe des Diabetes kommt.
- Bei Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren bedeutet Rauchen -
so eine bereits im Jahr 2005 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung
- das neunfache Risiko für ein metabolisches Syndrom - ebenfalls eine
Vorstufe des Typ-2-Diabetes.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Katastrophal ist es, wenn
Zuckerkranke weiter rauchen: Dann potenziert sich das Risiko. Kaum ein
Diabetiker stirbt an der Zuckerkrankheit selbst, die meisten an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil bei ihnen die Atherosklerose an sich schon
schneller abläuft.
Altersdiabetes
Der Grazer Diabetologe Hermann Toplak: "Das
Hauptrisiko des Altersdiabetikers (Typ-2-Diabetes, Anm.) sind Blutdruck,
Cholesterin und Rauchen. Leider lässt man in den österreichischen
Restaurants das Rauchen noch immer zu. Das ist eine Frechheit." Die
österreichische Tabak-Gesetzgebung sei "nicht verständlich".
Die ÖDG wird sich verstärkt dafür einsetzen, dass das Thema Rauchen in jede
Betreuungssituation aufgenommen wird, in der es um Diabetes geht.
Ludvik: "Ich finde es unzulässig, dass der Minister
(Gesundheitsminister Alois Stöger, Anm.) auf neue Studienergebnisse warten
will." Dies sei fahrlässig.
Entzündungsreaktion
Laut wissenschaftlichen Studien dürfte
das Rauchen sowohl über die Vermehrung des Bauchfetts als auch über das
Anheizen der Stressreaktionen im Körper zu dem erhöhten Diabetes-Risiko
beitragen. Hinzu kommt eine unterschwellige Entzündungsreaktion, die
möglicherweise auch auf eingeatmeten Feinstaub zurückgeht. Experimente haben
ergeben, dass drei Zigaretten, die in einer leeren Garage verglühen, die
Feinstaubbelastung extrem erhöhen - auf das Zehnfache des Wertes, den ein 30
Minuten lang laufender Dieselmotor verursacht.