Sonderthema:
Falco - Seine letzten Stunden

10. Todestag

Falco - Seine letzten Stunden

Na, mei Freund“, sagt er und hebt die Flasche hoch, um dem Etikett ins Auge zu sehen. Viel ist nicht mehr drin, die Freundschaft mit Jack Daniels hält nie länger als ein paar Stunden. (...) Träge, wie durch einen Nebel, lässt Hans Hölzel den Blick durch seine halbgeöffneten Lider über den staubigen Parkplatz schweifen. „Eine grindige Gegend“, denkt er und sein Blick bleibt an dem Gebäude links von ihm hängen Turist Disco steht in großen Lettern über dem Eingang. Hier hat er sich immer mit Freund Jack getroffen, wenn er sonst keine Gesellschaft mehr ertragen konnte. Jack war immer da. Vermutlich wartet er auch jetzt auf ihn.

Wie ein Puff bei Tag
Allein der Anblick des Lokals im gleißenden Licht des Nachmittags erregt Abscheu in Hans. Wie ein Puff bei Tag, denkt er. Die Vorstellung verbreitet genau den Nachgeschmack in seinem Mund, den solche Nächte zurücklassen: Ekel, Reue, den Vorsatz: nie wieder, und das tiefe Wissen.(...)

Die Einsamkeit kommt
Erneut greift er zur Flasche neben sich, wie im Reflex, bis ihm klar wird, dass von Jack Daniels heute kein Trost zu erwarten ist. Die Einsamkeit kommt wie ein Platzregen. „Na also, is wieder einmal so weit“, meldet sich eine innere Stimme, die immer da ist, wenn er sich selbst nichts, aber schon gar nichts vormachen kann.„Du weißt, was jetzt kommt, Alter,“ fährt die Stimme fort, „du hast es schon so oft erlebt. Die Widerwertigkeit von dem Gefühl, dass d’ wieder a Schlacht verloren hast. Booze fucks you. Wiss ma eh. Und Lady C is auch net mehr als a Schlampen, die dir vorgaukelt, wie gut du bist und dass du eh alles schaffst.“

Falco – das bin nicht ich
„Falco sagen die Leut zu mir. Aber das bin i net. Das is der, der mit mir in mein Kopf wohnt. Aber der hört beim Hals auf und dort hängt er mir schon seit Jahren raus. Ja damals, als wir noch gemeinsam was auf d’ Fiaß g’stellt haben, da hamma noch was g’habt miteinander. Er war Nummer eins in Amerika mit sein Amadeus. Schon damals war er mir suspekt. Aber dann hat er mich ganz hängen lassen.“ (...)

Muss ich den sterben...
Geistesabwesend greift Hans zu der Kassette und schiebt sie ins Autoradio: „Hörst du die Stimme, die dir sagt“, plärrt er sich selbst aus den Lautsprechern entgegen. „Was willst du mir noch sagen, Alter?“ ...Die Worte umarmen sich, verschmelzen miteinander wie bei einem grandiosen Liebesakt, werden eins. „Muss ich denn sterben, um zu leben?“, hört er Falco fragen.

Und plötzlich ist ihm, als wäre damit alles gesagt. „Das weiße Licht kommt näher, Stück für Stück. Ja, und warum denn net? Dann wär endlich Ruhe. Auf das wart i doch schon fast zwanzig Jahr. Was hätt i denn zum Verlieren? A Oide? Die hat sich grad vertschüsst. A Karriere? Die is eh schon seit Jahren im Arsch. A Leben? Was für ein Leben? Was is des Leben gegen an starken Abgang? 10.000 Fans am Zentralfriedhof. Der Zilk hält a Rede. Alle rotzen. Wunderbar: Des is a G’schicht. Halb acht, Zeit im Bild, Showtime zur Primetime.(...)

Das Ende
Und das weiße Licht kommt näher. Stück für Stück. Die Kassette ist fertig, der letzte Ton verklungen. Die Stille undurchdringlich wie eine undurchsichtige Wand. Vielleicht ist auch gar nichts dahinter. Aber diese Nacht ist so friedlich. Ein sicherer Ort. Scheinbar. Hans startet das Auto. Er hat die Augen offen, aber er schaut nicht auf die Straße. Sieht nicht den Bus, der mit Höchstgeschwindigkeit näher kommt. Er blickt in die Zukunft. Und fährt los. Mitten hinein. In dieses weiße Licht.

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