Jackson-Papa sah Tod voraus

1. Interview

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Jackson-Papa sah Tod voraus

Joseph „Joe“ Jackson (81) ist auf Kurzbesuch in Deutschland. Bild am Sonntag gab er ein ausführliches Interview.

Das Interview mit dem Vater im Wortlaut:

Frage: Wie geht es Ihnen drei Monate nach dem Tod Ihres Sohnes?
Joseph Jackson: Mein Herz weint. Kurz nach Michaels Tod saß die ganze Familie zusammen, und alle haben geweint wie die Schlosshunde. Nur ich nicht. Es kam keine Träne. Ich weinte auch nicht, als mein Vater starb. Ich weine innerlich. Nur wenn ich Michael singen höre, kommen Tränen.

Frage: Wo hat Sie die Nachricht erreicht?
Jackson: Vor allen anderen. Ich war in Las Vegas, als mich einer seiner Sicherheitsleute anrief und sagte, mit Michael stimme etwas nicht. Ich fragte: Was ist los? Er meinte, Michael sei kollabiert und bewege sich nicht mehr. Da schrie ich ins Telefon: Beweg deinen Arsch und ruf den Notarzt, sofort, sofort! Wenig später kam der Anruf, dass Michael tot sei.

Frage: Sie sind sofort nach Los Angeles geflogen?
Jackson: Nein, ich wollte Michael nicht tot sehen. Ich habe ihn mir auch später im Sarg nicht angesehen, obwohl ihn Randy und Janet schön hergerichtet haben, angezogen und geschminkt. Ich wollte ihn lebend in Erinnerung behalten – tanzend und singend. Ich kann und will Menschen, die ich kannte und mochte, nicht im Sarg liegen sehen. Das war auch bei meinem Vater so.

Frage: Was ist die zärtlichste Erinnerung an ihn?
Jackson: In den späten Sechzigern stellte eine Zeitung die Mutmaßung auf, Michael sei nicht 9 Jahre alt, sondern in Wirklichkeit ein 42-jähriger Zwerg. Das ging ihm sehr nah und er weinte bitterlich. Da ging ich vor ihm auf die Knie und sagte: Schau, ich bin der 42-jährige Zwerg. Da fiel er mir um den Hals und sein Weinen ging in Lachen über.

Frage: Michael hatte nicht nur glückliche Erinnerungen an seine Kindheit – ganz im Gegenteil.
Jackson: Ich weiß! Er behauptete ja, er habe überhaupt keine Kindheit gehabt. Das stimmt aber nicht. Wahr ist, dass ich meine Kinder nicht mit den Kindern aus der Nachbarschaft spielen ließ. Es war keine gute Nachbarschaft, in der wir wohnten. Aus den Kindern von damals sind Drogenabhängige geworden oder sie landeten im Gefängnis. Davor habe ich meine Kinder schützen wollen. Michael hatte acht Geschwister, mit denen er spielen konnte. Sie sind herumgetollt, haben Basketball gespielt.

Frage: Michael klagte, Sie hätten ihn und die anderen zum Erfolg geprügelt.
Jackson: Ich habe die Jungs hart rangenommen, versprach ihnen aber auch: Ich mache aus euch die größten Stars der Welt. Das war der Plan. Und sie waren einverstanden. Ich habe ihnen mal eine gewischt, aber nicht ständig. Heute sind die Erziehungsmethoden anders, und ich würde es auch anders machen.

Frage: Wussten Sie denn von seiner Medikamentenabhängigkeit?
Jackson: Ich wusste, dass er starke Schmerztabletten nahm. Die nahm er schon lange – seit dem Unfall vor 25 Jahren, als er beim Dreh eines Werbespots so schwere Verbrennungen erlitten hatte. Dass er sich auch richtig harte Sachen spritzen ließ, ahnte ich bloß.

Frage: Wie kamen Sie darauf?
Jackson: Prince, sein ältester Sohn, erzählte mir am Telefon, dass Michael in beiden Ellbogenkehlen Einstiche habe.

Frage: Warum haben Sie Michael nicht selbst darauf angesprochen, um Schlimmeres zu verhindern?
Jackson: Ich habe es ja versucht. Aber in den letzten Wochen vor seinem Tod hat man mich nicht mehr zu ihm gelassen. Ich stand vor seinem Haus, und die Security (des Konzertveranstalters, Red.) versperrte mir den Weg. Ich verständigte sogar die Polizei. Ich tat alles. Ich war schon so weit, dass ich dachte: Ich geh jetzt nach Hause, hol meine Knarren und schieß mir den Weg zu Michael frei. Ich sagte zu meiner Frau: Katherine, wir müssen den Jungen da rausholen oder er ist in einer Woche tot. Eine Woche später war er tot.

Frage: Sie meinen, Sie hätten ihn retten können?
Jackson: Mein Gott, ja.

Frage: Gibt es etwas, was sie ihm hätten sagen wollen und jetzt nicht mehr können?
Jackson: Ja, tritt ihnen in den Arsch und merk dir ihre Namen.

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