So schön ist die neue Anna Netrebko So schön ist die neue Anna Netrebko

Nach der Geburt

© Deutsche Grammophon

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So schön ist die neue Anna Netrebko

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In einen Monat ist ihre Babypause vorbei. Vorab erscheint ihre neue Weihnachts-CD Souvenirs mit 20 Appetithäppchen von Kalman, Lehar bis Andrew Lloyd Webber. Netrebko versucht sich in neun verschiedenen Sprachen.

Im Interview mit der Welt zeigt sich der Opernstar erstaunlich offen, redet über Musik, Karriere, ihren Lebenspartner Erwin Schrott.

FRAGE: Frau Netrebko, auf Ihrer neuen CD „Souvenirs“ singen Sie Volkslieder und huldigen der Operette. Der erste Titel ist aus Kálmáns „Csárdásfürstin“ und heißt „Heia in den Bergen“. Haben Sie schon Angst vor den Reaktionen?
Anna Netrebko: Aber nein, warum sollte ich auch. Wenn es meine erste Solo-Veröffentlichung wäre, gut. Aber ich habe ja bereits einige CDs aufgenommen und die waren alle sehr ernsthaft. Jetzt hatte ich mal Lust auf etwas Leichtes. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich aus einer kleinen Stadt in der russischen Provinz komme. Es gab bei uns nur ein Theater, in dem auch Operetten gegeben wurden. Die Csárdásfürstin war die erste Operette, die ich gesehen habe – das war ein Ereignis für ein kleines Mädchen.

FRAGE: Die Operette war Ihre erste Erfahrung mit dem Musiktheater?
Netrebko: So ist es. Die Csárdásfürstin war der Grund, warum ich auf die Bühne wollte. Ich habe die Sängerin angehimmelt. Sie trug glamouröse Kleider, sang so schön.

FRAGE: Und jetzt haben Sie sich auf Ihre Erinnerungen besonnen?
Netrebko: Nein. Einzelne Stücke sind mit meinen Erinnerungen verbunden. Andere haben einen persönlichen Wert für mich – wie die beiden russischen Lieder. Aber insgesamt ist Souvenirs ein bunter Strauß aus Liedern und Operettenarien, auf Russisch, Deutsch, Jiddisch, Tschechisch.

FRAGE: Sie stecken gerade in der Babypause. Wie haben Sie die Schwangerschaft erlebt?
Netrebko: Ich war schrecklich gerne schwanger. Ich hatte keine Übelkeit, keine Heißhungerattacken, gar nichts. Ständig hat mich jemand gefragt, wie es mir geht, ob er etwas für mich tun kann, was ich haben möchte. Ich habe es geliebt!

FRAGE: Hat die Geburt Sie verändert?
Netrebko: Als Person, als Frau bestimmt: Ich bin ja jetzt Mutter. Als Sängerin – das wird man sehen. Man sagt ja, dass die Stimme nach einer Schwangerschaft besser wird. Ich darf also hoffen.

FRAGE: Haben Sie die Bühne vermisst?
Netrebko: Überhaupt nicht.

FRAGE: Keine Angst, von anderen Sängerinnen überholt zu werden?
Netrebko: Nein, nein. Allerdings muss man wissen: Ich bin überhaupt nicht neidisch auf den Erfolg anderer. Künstler sind ja zuweilen schrecklich eifersüchtig und missgünstig. Und dann erst Sänger und Sängerinnen – glauben Sie mir: es ist die Hölle. Bei mir ist das etwas anders. Ich kann mich über die Leistung anderer freuen. Ich will mich dafür nicht loben. Es ist ein Geschenk, das mir zugefallen ist.

FRAGE: Im Sommer hätten Sie bei den Salzburger Festspielen in „Romeo et Juliette“ auf der Bühne stehen sollen. An Ihrer Stelle feierte die Sopranistin Nino Machaidze den Erfolg.
Netrebko: Ich kann verstehen, wenn Leute denken, dass mich das stören könnte, aber das tut es nicht. Ich habe hochschwanger eine der Proben besucht und das Erste, was ich gefragt werde, von irgendeinem Mann, war: Ist es nicht schrecklich für Sie, hier zu sein, wo Sie doch selbst auf der Bühne stehen sollten? Ich dachte: Nein, ich bin eigentlich gerne schwanger.

FRAGE: Meinte der Unbekannte, ein Kind zu bekommen, sei ein Unglück, das Ihnen zugestoßen ist und Sie von Ihren Aufgaben abhält?
Netrebko: Offenbar. Erwin, mein Verlobter, sah ihn völlig entgeistert an. Ich musste Erwin beruhigend die Schulter tätscheln.

FRAGE: Mit Erwin meinen Sie Erwin Schrott, den Vater Ihres Kindes und selbst ein aufstrebender Bassbariton. Wie hat man sich so eine Partnerschaft vorzustellen?
Netrebko: Wir sprechen über alles. Nicht nur über Musik, sondern auch über Literatur, Film, Psychologie. Dinge, die uns bewegen.

FRAGE: Das klingt sehr allgemein.
Netrebko: Das tut mir leid. Früher habe ich einfach drauflos geredet. Seit der Schwangerschaft habe ich manchmal den Eindruck, mein Kopf sei leer, glücklich und wahrscheinlich noch hormonumnebelt.

FRAGE: Im Januar werden Sie Ihr Leben als Opern-Diva wieder aufnehmen, an Londons Royal Opera House.
Netrebko: Solange mein Sohn klein ist, wird sich in meinem Leben eigentlich nicht viel ändern. Was ich versuchen werde, ist, die Zahl meiner Auftritte zu reduzieren. Nur fünf statt acht Abende pro Saison. Außerdem gibt es Kindermädchen. In Ausnahmefällen ist das o.k. Ein größeres Problem sehe ich erst, wenn unser Sohn in die Schule muss. Dann müssen wir uns für einen Hauptwohnsitz entscheiden.

FRAGE: Haben Sie denn im Moment keinen?
Netrebko: Ich habe drei: Wien, St. Petersburg und New York.

FRAGE: Und wohin tendieren Sie?
Netrebko: Ich nach Wien. Aber Erwin würde gerne in einem spanischsprachigen Land wohnen.

Foto: (c) Deutsche Grammophon

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