TV-Debatte
Schlager? Nein danke! ARD-Chef rechnet mit Silbereisen-Format ab
Florian Silbereisen ist ein Quotengarant. Mit seinen Schlager-Showformaten begeistert er ein Millionenpublikum und liefert der ARD Samstagabend für Samstagabend glänzende Einschaltquoten. Umso überraschender ist nun eine Aussage von ARD-Vorsitzendem Florian Hager, die in der Branche für Stirnrunzeln sorgt: Ausgerechnet der Chef des Senderverbunds gesteht öffentlich, mit Silbereisens Shows persönlich nicht viel anfangen zu können.
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„Nicht mein Musikgeschmack“ – Senderboss äußert sich offen
In einem Interview mit Die Zeit sagte Hager auf die Frage, wie er zu den populären Schlagersendungen steht: „Das ist auch nicht unbedingt mein Musikgeschmack, aber da schalten sehr, sehr viele Menschen ein, und für die ist es auch ganz wichtig, dass es diese Sendungen gibt.“ Ein diplomatischer Zusatz – und dennoch ein klarer Hinweis darauf, dass die größte Unterhaltungsmarke im Ersten nicht unbedingt im Herzen der Führungsetage liegt.
Zwischen Anspruch und Quote: Die ARD auf Gratwanderung
Hagers Kommentar fällt nicht zufällig. Seit Monaten steht die ARD unter verstärkter öffentlicher Beobachtung. Kritiker hinterfragen die Programmstruktur, die Relevanz einzelner Formate und den Umgang mit dem Rundfunkbeitrag. Hager selbst versucht, den Spagat zwischen klassischer Unterhaltung und gesellschaftlichem Auftrag zu erklären – und räumt dabei auch Defizite ein: „Es bereitet mir Sorgen, dass wir Teile der Bevölkerung gar nicht mehr erreichen.“
Gemeint seien nicht nur politische Ränder, sondern auch Menschen mit Migrationsgeschichte oder junge Zielgruppen, die das öffentlich-rechtliche Angebot als nicht ausreichend repräsentativ empfinden.
Silbereisen bleibt – auch ohne Chefbonus
Auch wenn der ARD-Vorsitzende mit Florian Silbereisens Show-Welt persönlich nicht warm wird, steht die Relevanz der Sendungen im Senderverbund außer Frage. Die Formate holen regelmäßig Marktanteile im zweistelligen Bereich, binden ein treues Publikum und leisten damit genau das, was derzeit oft als öffentlich-rechtliches Defizit beklagt wird: Reichweite.
Showbusiness trifft auf Senderpolitik
Hagers Äußerung ist weniger ein Angriff auf Silbereisen als vielmehr ein Spiegel für die tiefgreifende Identitätssuche, in der sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen derzeit befindet. Zwischen „Tatort“ und TikTok, Schlager und Streaming, sucht die ARD Wege, möglichst viele Menschen in einer immer fragmentierteren Medienlandschaft zu erreichen. Florian Silbereisen mag nicht auf Hagers Playlist stehen – auf dem Sendeplan bleibt er gesetzt.
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