11. Oktober 2008 08:29
Haider (58) war mit seinem Dienstwagen unterwegs ins heimatliche Bärental
gewesen, als er mit dem Fahrzeug in Klagenfurt von der Straße abkam. Er
starb noch an der Unfallstelle. Damit ist eine der schillerndsten
Politkarrieren der Zweiten Republik abrupt zu Ende gegangen.
Haider wurde am 26. Jänner 1950 im oberösterreichischen Bad Goisen geboren.
Seine Eltern waren überzeugte Nationalsozialisten, sein Vater Robert Haider
war vor dem "Anschluss" illegales Mitglied der NSDAP. Haider
besuchte das Gymnasium in Bad Ischl, nach der Matura studierte er Jus an der
Universität Wien. Nach dem Abschluss war er bis 1976 als
Universitätsassistent am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der
Uni Wien tätig.
Mit 20 Jahren wandte er sich der Politik zu, 1970 wurde er RFJ-Bundesobmann,
1976 übersiedelte er nach Kärnten. 1979 zog er für die FPÖ in den
Nationalrat ein. 1983 übernahm er die Leitung der Kärntner Freiheitlichen,
drei Jahre später stürzte er den damaligen Bundesparteiobmann Norbert Steger
beim Parteitag in Innsbruck. Daraufhin kündigte SPÖ-Bundeskanzler Franz
Vranitzky die bestehende rot-blaue Koalition auf. Haider sollte insgesamt 14
Jahre FPÖ-Bundesparteiobmann bleiben.
1989 gelang es Haider, bei der Landtagswahl in Kärnten die absolute Mehrheit
der SPÖ zu brechen. Er wurde mit Hilfe der ÖVP zum Landeshauptmann gewählt.
Zwei Jahre später stolperte er über einen Ausspruch im Landtag, als er die "ordentliche
Beschäftigungspolitik" während der Nazi-Diktatur lobte. SPÖ und
ÖVP wählten ihn daraufhin aus dem Amt.
1999 wurde die FPÖ bei der Landtagswahl in Kärnten stimmenstärkste Partei
und Haider - erneut mit Hilfe der ÖVP - wieder Landeshauptmann. Bei der
Nationalratswahl 1999 schaffte mit der FPÖ ein historisches Ergebnis, die
Freiheitlichen verdrängten mit 26,9 Prozent die ÖVP von Platz zwei. Mit
deren Obmann Wolfgang Schüssel zimmerte er gemeinsam eine schwarz-blaue
Koalition, der er selbst jedoch nicht angehörte. Vizekanzlerin für die FPÖ
wurde Susanne Riess-Passer.
Als diese sich gemeinsam mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dem
damaligen Klubobmann Peter Westenthaler immer mehr von Haider abnabelte, kam
es zum Krach. Dem Wirbel in Knittelfeld 2002 folgte der Bruch mit
Riess-Passer, Westenthaler und Grasser. Die folgende Nationalratswahl ging
verloren, die FPÖ stürzte auf 10,0 Prozent ab. In Kärnten reichte es aber,
um 2004 die Landtagswahl erneut mit 42 Prozent zu gewinnen und den
Landeshauptmannsessel zu verteidigen.
Im April 2005 gründete Haider nach ständigen Querelen mit der Wiener FPÖ
rund um Heinz-Christian Strache schließlich das BZÖ. Die neue Partei konnte
vorerst nur in Kärnten reüssieren, bei der Nationalratswahl 2006 schafften
die Orangen mit dem zurückgekehrten Westenthaler als Parteichef und
Spitzenkandidat hauchdünn, mit nur 4,11 Prozent, den Sprung ins Parlament -
nur wegen dem guten Abschneiden im südlichsten Bundesland. Bei der Wahl im
September 2008 entschloss sich Haider schließlich, selbst anzutreten - mit
Erfolg: Die Wähler bescherten dem BZÖ 10,70 Prozent und den vierten Rang,
noch vor den Grünen.
Haider wollte vor allem eine Neuauflage der rot-schwarzen Koalition
verhindern, zuletzt versuchte er deshalb auch, den Bruch mit der FPÖ zu
kitten und eine Annäherung mit Strache zuwege zu bringen. Ob es ihm gelungen
wäre, bleibt nun unbeantwortet. Wie es mit dem BZÖ ohne Haider weitergeht,
steht derzeit in den Sternen. Sein politisches Ziel formulierte er einmal
damit, dass er die politische Wirklichkeit Österreichs verändern wolle. Das
ist ihm zweifelsohne gelungen.