31. Juli 2010 09:25
Knalleffekt im Zuge der Kontenöffnungen in Zusammenhang mit Hypo Alpe-Adria
und Buwog: Der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat zu
Lebzeiten ein erhebliches Vermögen bei zwölf Liechtensteiner
Briefkastengesellschaften angehäuft. Konkreter: 45 Millionen Euro! Aktuell
sollen noch fünf Millionen Euro auf den zugeordneten Konten liegen,
berichtet das Nachrichtenmagazin "profil".
Woher kam das Geld?
Sonderermittler aus Österreich, Deutschland
und Liechtenstein seien auf 46 von Treuhändern eingerichtete Finanzvehikel
gestoßen, von denen ein Dutzend Haider zugerechnet werden konnte. Woher das
Geld kam, wohin es wanderte und wer in letzter Konsequenz davon profitierte,
ist Gegenstand von Ermittlungen.
Viel Geld verspekuliert?
Ein erheblicher Teil des Geldes soll
bereits vor Jahren verspekuliert worden sein. Die Behörden haben die
Ermittlungsergebnisse zur Verschlusssache erklärt. "Es wurden
zahlreiche Unterlagen von Gesellschaften beschlagnahmt", so der Vaduzer
Staatsanwalt Robert Wallner. Namen will er keine nennen. Auch die
Staatsanwaltschaft Klagenfurt gibt sich bedeckt: "Es handelt sich um
inhaltliche Fragen zu Ermittlungsergebnissen, die wir nicht kommentieren."
Petzner: "Schilling mit Euro verwechselt"
Aus dem
Haider-Umfeld wurde schon länger berichtet, dass der Landeshauptmann Geld in
Liechtenstein angelegt hatte und dass nur ein sehr kleiner Personenkreis
davon wusste. "Dazu gebe ich keinen Kommentar ab", sagte sein
ehemaliger Pressesprecher und nunmehriger BZÖ-Nationalrat Stefan Petzner.
"Ich kann mir die genannte Größenordnung nicht vorstellen. Ich glaube,
dass eventuell Schilling mit Euro verwechselt wurden", meinte Petzner.
Über die Herkunft oder den Verbleib des Geldes könne er nichts sagen. "Wenn
es stimmt ist es nicht per se illegal."
Claudia Haider weiß von nichts
Claudia Haider, Witwe des
verstorbenen Landeshauptmanns, erklärte, nichts von der Angelegenheit zu
wissen: "Ich kann dazu nichts sagen". Die Frage, ob sie im Zuge
des Erbschaftsverfahrens auf in Liechtenstein angelegtes Geld gestoßen sei,
verneinte sie. Haider: "Es wurde bei der Erbschaft nichts angezeigt."
SPÖ, ÖVP und Grüne empört
"Vollkommene
Klarheit und komplette Aufklärung der Tatbestände muss oberste Priorität
haben", sagte SPÖ-Parteichef Peter Kaiser. Schließlich handle es sich um
einen horrenden Geldbetrag. "Es wird immer sichtbarer, welch ein Sumpf sich
um Haider gebildet hat", meinte ÖVP-Klubchef Stephan Tauschitz. Und dieser
Sumpf gehört seiner Ansicht nach nun rasch trockengelegt. "Verdachtsmomente
hat es immer schon gegeben, ich bin froh, dass die Justiz endlich
durchgreift", erklärte Grünen-Landessprecher Rolf Holub. Nachsatz: "Ich
nehme an, dass das erst der Anfang ist."
FPK-Parteichef Uwe Scheuch erklärte: "Ich garantiere, dass dieses Geld in
keinem Zusammenhang mit meiner Partei steht." Persönlich habe er von Konten
in Liechtenstein auch nichts gewusst. Es sei ja durchaus denkbar, dass es
sich um Privatvermögen Haiders handle, so Scheuch.