22. Juli 2010 08:06
Dienstag um 20.17 Uhr sah ein Autofahrer auf der B 10 bei Nickelsdorf dichte
Rauchschwaden über einem Maisfeld. Der Mann alarmierte die Feuerwehr im Ort
– und vier Minuten später erlebte Kommandant Rudolf Lebmann den Schock
seines Lebens: „Als wir zum Einsatzort kamen, lag dort eine verkohlte
weibliche Leiche. Die Frau hat noch ein bisschen gebrannt. Ich habe sie
sofort mit dem Feuerlöscher besprüht.“
Massive Kopfverletzungen
Auf den zweiten Blick zeigte sich: Das
Opfer war bis auf einen BH und eine Bluse nackt – und hatte massive
Kopfverletzungen. Damit war der Leichenfund ein Fall für die Mordermittler
des Landeskriminalamts. Und Mittwoch bestätigte Kripo-Chef Norbert Janitsch
den sofortigen Verdacht: „Die Frau, von der wir noch nicht wissen, wer sie
ist, wurde laut Obduktion mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen, dann mit
einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet.“

Das sind die Schmuckstücke der Frau. Erkennt sie jemand wieder? / Foto:
SID Burgenland
Mordlust des Phantoms wird größer
Die Handschrift des
Killers hat die Fahnder elektrisiert. Denn sie ist ihnen durch eine
ungeklärte Mordserie an Prostituierten bekannt: Seit 2005 wurden in drei
Bundesländern vier Frauen getötet und verbrannt. Alle stammen aus dem Osten,
alle gingen in Österreich auf den Strich. Und die Mordlust des Täters wird
immer größer. Denn zwischen dem ersten und zweiten Fall lagen zwei Jahre.
Der letzte – das Gewaltverbrechen an der Bulgarin Petya Filkova (24) – liegt
aber erst sieben Wochen zurück. Gerät da ein Monster in Blutrausch?
Gründung einer Soko überlegt
Für Kripochef Janitsch
keine übertriebene Sorge: „Wir ermitteln jetzt in ganz Österreich im
Rotlichtmilieu und haben auch die Nachbarländer Ungarn und Slowakei um
Mitfahndung ersucht.“ Auch die Gründung einer Soko im Bundeskriminalamt wird
überlegt, um das Phantom zu jagen. Allerdings so Janitsch: Die Frauenleiche "passt
nicht in ein idealtypisches Bild einer Prostituierten. Deshalb ist ein
Zusammenhang mit ähnlich scheinenden Fällen zu hinterfragen."
Um die 50 und vermutlich blond
Wie schon bei den anderen
Prostituierten-Morden hoffen auch die Ermittler im Burgenland vorerst auf
Hinweise aus der Bevölkerung und dem Rotlicht (falls das Opfer im
Sex-Gewerbe war): Die Getötete war etwa 50 Jahre alt, 1,60 Meter groß,
schlank und hatte vermutlich blonde Haare. Die Frau trug weiße Sandaletten,
um den Hals hatte sie ein Kettchen mit einem goldfarbenen, etwa drei
Zentimeter großen Anhänger in Form eines Delfins. Der Killer ließ ihr auch
ihre silberne Armbanduhr, wodurch Raub als Motiv wegfallen dürfte. Die
Ermordete trug eine Zahnprothese. Neben der Leiche lag ihre Brille.
Die Vorstellung, dass ein psychopathischer Frauenmörder durch Österreich
geistert, macht allerorts Angst – vor allem aber am Straßenstrich. Die
Polizei verstärkt jetzt die Streifen.