29. Juli 2010 18:24
Angst. Das war tagelang das vorherrschende Gefühl in Graz-Liebenau.
„Amanda“, eine Boa Constrictor (drei Meter, 20 Kilo) war abgängig. Klaus
Löschnig, 52, Zahnlaborant und Besitzer der Würgeschlange, hatte am Sonntag
bei der Polizei Alarm geschlagen: „Meine Schlange ist durch eine Spalt im
gekippten Fenster aus der Wohnung entwischt“, zeigte er aufgeregt an.
Angst im Kindergarten
Damit löste Löschnig eine Massenpanik aus.
Feuerwehr und 50 Polizeischüler, die meisten davon weiblich, rückten aus.
Suchten ganz Liebenau nach Würgeschlange „Amanda“ ab. Wärmebild-Kameras
wurden eingesetzt. Mülltonnen, Regenrinnen, Wasserkanäle durchsucht, jedes
Gebüsch durchkämmt - erfolglos. „Amanda“, das dreieinhalb Meter lange Tier,
blieb spurlos verschwunden. Ein Rätsel. Für alle.
Im benachbarten Kindergarten wurde Ausgeh-Verbot ausgerufen. Eltern nahmen
aus Angst vor „Amanda“ ihre Kleinen überhaupt aus dem Hort. Die Suche nach
„Amanda“ wurde zum Medienspektakel: „Zuletzt waren alle stinksauer auf
mich“, schämt sich heute Boa-Vater Klaus Löschnig: „Am allermeisten die
Nachbarn, weil sie nicht wußten, dass ich seit zehn Jahren eine Schlange in
der Wohnung halte“.
Gewaltige Kosten und riesige Blamage
Mehrmals durchsuchte
Löschnig - behauptet er - auch seine bloss 40 Quadratmeter kleine Wohnung.
Küche. Bad. Wohnzimmder. Nichts. Auf die Idee, dass die 20-Kilo-Schlange
durch ein schmalen Spalt hinter eine nur sieben Zentimeter hohe Blende unter
ein 50 mal 50 Zentimeter kleines Küchenkastl gekrochen sein könnte, kam
keiner. Bis Donnerstag: „Schlangen-Experte Werner Stangl und ich, wir
suchten nochmals alles ab“, sagt Löschnig zu ÖSTERREICH.
Kurz vor 13 Uhr entdeckte der Schlangenexperte die Boa unter dem kleinen
Kästchen. Die Blende wurde abgeschraubt. „Amanda“ herausgezogen und in ein
neues, versperrbares Terrarium gegeben. Wie hoch die Kosten für die
tagelange Suchaktion sind, weiß der Boa-Vater noch nicht: „Es werden wohl
einige tausend Euro sein“. Fest steht bloss: „Ich schenke Amanda jetzt einem
Tierpark“.
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ÖSTERREICH: Ganz Graz war in heller Aufruhr wegen ihrer
Schlange - dabei liegt Amanda entspannt unterm Küchenkastl.. Klaus
Löschnig: ...ja, irgendwie ist mir das auch peinlich. Sie
war unterm Küchenkastl, 50 mal 50 Zentimeter. Amanda hat sich hinter
der sieben Zentimeter hohen Blende im doppelten Boden eingerollt.
Nie hätt‘ ich geglaubt, dass sie da reinkriechen kann.
ÖSTERREICH: Wie groß ist ihre Wohnung eigentlich? Löchnig:
40 Quadratmeter, ein Balkon und sechs Quadratmeter Küche.
ÖSTERREICH: Auf die Idee, die Wohnung abzusuchen, hätte
man auch schon früher kommen können? Löschnig: Wir
haben ja gesucht - ich, die Polizei, der Schlangenexperte Werner
Stangel. Alle haben wir gesucht. Aber keiner ist auf die Idee
gekommen, die Blende runterzunehmen.
ÖSTERREICH: Jetzt haben sie nochmals gesucht? Löschnig:
Ja, wir haben alles durchgeschaut. Diesmal hat sie durch einen
schmalen Spalt rausgezüngelt.
ÖSTERREICH: Was passiert jetzt mit Amanda? Löschnig:
Ich geb‘ sie weg, will mit ihr nichts mehr zu tun haben. Am besten
wäre es, der Tierpark Herberstein würde sie aufnehmen. Das hätte sie
es wirklich gut.
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