Warum er seinen besten Freund tötete

Braunau-Drama

 

Warum er seinen besten Freund tötete

Sie waren ein ungleiches Gespann: Sebastian D. (16) stand gerne im Mittelpunkt, war beliebt bei Mädchen, ein Mathegenie, sportlich. Ivan D. (17) dagegen ist introvertiert, sensibel, stets mehr konzentriert auf den Unterricht als auf Mitschüler, in letzter Zeit sogar depressiv. Doch seit der 17-Jährige vor zwei Jahren sitzen geblieben und in die Klasse des Jüngeren gewechselt war, waren die beiden unzertrennlich. Sie saßen in der 7 B des Braunauer Gymnasiums nebeneinander, noch im Oktober hatten sie auf einer Sprachreise nach Eastbourne in England zusammen jede Menge Spaß.

Innerlich verblutet
Umso unbegreiflicher für Eltern, Mitschüler, Freunde und auch Ermittler, was am Sonntag geschah: Wie berichtet, stach Ivan D. mit einem Küchenmesser 20 Mal auf seinen besten Freund ein. Der 16-Jährige starb an inneren Blutungen. Danach versuchte sich der 17-Jährige selbst zu töten, rammte sich das Messer in den Bauch.

Er konnte in einer Not-OP gerettet werden, nachdem er noch selbst die Polizei alarmiert hatte.

Erinnerungslücken
Doch warum ist es überhaupt zu dem Teenager-Drama gekommen? Diese Frage beherrscht derzeit die Ermittlungen. Fest steht nur: Sebastian war wie schon öfters bei Ivan lernen. Der 17-Jährige, der sich eine Wohnung mit der Großmutter teilt, schickte die Oma zu seinen Eltern (siehe Interview unten). Was dann passiert ist – Ivan hilft das Rätsel nicht zu lösen: Der Schüchti mit den buschigen Augenbrauen (für den die Unschuldsvermutung gilt) kann sich an nichts erinnern, gab er bei der Einvernahme an.

Streiterei
„Wir sind davon überzeugt, dass ein Streit stattgefunden hat“, so der Chefermittler. Doch worüber? Ging es um die Liebe? Laut Großmutter war Ivan jedoch noch nicht an Mädchen interessiert. Ist der Neid auf den erfolgreichen Freund eskaliert? Oder rastete der Bursch aufgrund seiner psychischen Probleme aus? Ivan litt unter dem Tod seiner Großväter, – als auch noch seine geliebte Schwester nach Wien zog, wurde die Schwermut zur ausgewachsenen Depression. Der Bursch wurde mit Medikamenten behandelt.

Jetzt wurde U-Haft verhängt und ein Gutachter beauftragt, die Zurechnungsfähigkeit zu untersuchen. Mitschüler und Familie versuchen indes, die Tragödie zu begreifen. In der Schule wurde eine Trauerecke eingerichtet. Sebastians Beerdigung findet voraussichtlich am Freitag statt.

Die Großmutter des mutmaßlichen Täters ist fassungslos: "Er ist ein ruhiger, braver Bub"


ÖSTERREICH: Sie haben die beiden noch kurz vor der Tragödie gesehen. Ist Ihnen was aufgefallen?
Anka D.: Nein, nichts. Sebastian war ja öfters da, die beiden waren gute Freunde. Sie wollten in Ruhe lernen und quatschen, also bin ich in die Wohnung nach unten gegangen.

ÖSTERREICH: Warum hat Ivan so etwa Schreckliches getan?
Anka D.: Ich habe keine Ahnung. Er ist ein ganz ruhiger, braver Bub. Er hat bei mir oben gewohnt und immer im Haushalt geholfen. In letzter Zeit ging es ihm nicht so gut, weil er seine Schwester, die in Wien studiert, so vermisst hat. Ivan musste sogar Medikamente nehmen.

ÖSTERREICH: Hatte er eine Freundin?
Anka D.: Nein. Ich hab ihn schon aufgezogen und gesagt: Dein Vater hatte in deinem Alter schon Mädchen. Er hat immer gesagt: Oma, lass mir Zeit! Ich muss erst die Schule fertig machen.

(hij, kor)

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