Bub-Entführung unblutig beendet Bub-Entführung unblutig beendet

ÖSTERREICH

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Bub-Entführung unblutig beendet

Weil er private Probleme hatte und seinen Sohn in einer Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau als Druckmittel benutzen wollte, hat ein 37-jähriger Wiener der Polizei eine mehr als 24-stündige Verfolgungsjagd zwischen der Bundeshauptstadt und Oberösterreich geliefert. Am Samstagnachmittag war das Drama zu Ende. Der Mann wurde am Parkplatz der Therme Geinberg festgenommen, der Bub wartete unterdessen laut Wiener Polizei unversehrt in einem Cafe. Die Hintergründe des Falles sollen nun in den Einvernahmen genau durchleuchtet werden.

Begonnen hatte die Geschichte Freitagmittag: Der 37-Jährige holte seinen neunjährigen Buben von der Volksschule ab und fuhr mit ihm zum Arbeitsplatz seiner Ex-Frau. Diese ist als Parlamentsmitarbeiterin beschäftigt, sie war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht an ihrem Arbeitsplatz. Der Mann ließ ihr über eine Arbeitskollegin ausrichten, dass er mit dem Buben wegfährt. Außerdem hinterließ er ihr einen Brief, indem er behauptete, dass er mit mehreren Bekannten Differenzen und private Probleme habe. Um diese Konflikte zu lösen, wollte er den Buben als Druckmittel verwenden, so die Polizei.

Außerdem gab es massive Selbstmorddrohungen in dem Schreiben. Unter anderem erklärte der Mann mit hohem Tempo mit dem Buben im Auto gegen einen Lkw fahren zu wollen. Es könne ihn nach eigenen Angaben nur ein Kopfschuss stoppen. Zudem gab der 37-Jährige an, eine Pistole - eine Glock 17 - dabei zu haben. Die Mutter des Buben alarmierte die Exekutive, die einen Festnahmeauftrag bei der Staatsanwaltschaft erwirkte.

Der 37-Jährige war mit seinem Buben zunächst auf der Westautobahn (A1) Richtung Salzburg unterwegs, bog aber in Oberösterreich ab. Zusätzliche Probleme gab es für die Polizisten mehrerer Bundesländer sowie der Spezialeinheit "Cobra" dadurch, dass der Verdächtige nicht mehr über sein Handy zu orten war. Laut Mario Hejl, Sprecher der Wiener Exekutive, wurde auch die Polizei in den Nachbarstaaten verständigt. Besonders mit der bayerischen Exekutive habe es eine enge Zusammenarbeit gegeben. Laut der Tageszeitung "Österreich" soll sich der Mann zwischenzeitlich auch in Bayern aufgehalten haben.

Zu Ende ging das Drama am Samstag um 15.40 Uhr. Nachdem der Wagen des 37-Jährigen auf dem Parkplatz der Therme Geinberg (OÖ) entdeckt worden war, nahm die Polizei den Mann kurze Zeit später fest. Entgegen seiner eigenen Angaben war er nicht bewaffnet. Der Neunjährige wartete unterdessen in einem Cafe. Er war unversehrt und wurde noch am Nachmittag in Begleitung einer Polizistin zu seiner Mutter gebracht. Der Verdächtige wurde auf der örtlichen Polizeiinspektion zunächst kurz befragt und sollte noch im Laufe des Abends ebenfalls nach Wien gebracht werden.

Über die Motive des 37-Jährigen herrschte noch weitgehend Unklarheit. Welche privaten Differenzen es gegeben habe, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte dazu der Sprecher der Wiener Exekutive Mario Hejl. Klar sei, dass der 37-Jährige mit seiner Ex-Frau Probleme hatte. Die beiden hatten für den Neunjährigen die gemeinsame Obsorge. Gegen den Mann gab es laut Hejl mehrere Anzeigen wegen Stalking-Verdachts.

Tageszeitung ÖSTERREICH enthüllt: Warum der Polizeieinsatz so heikel war. Mutter arbeitet für FP-Politiker

Krisensitzungen in Wien und in Deutschland, zwei Cobra-Einheiten, mehr als 50 weitere Beamte und zwei Helikopter: Die fieberhafte Suche nach den 37-jährigen Wiener, der seinen neunjährigen Sohn entführt, sorgte für den bisher größten Polizeieinsatz des Jahres.

Mit Beendigung des Entführungsdramas sickerte auch durch, warum der Wiener Polizeipräsident höchstpersönlich den Einsatz leitete.

Wien. Insider wunderten sich von Anfang an, weshalb in der Kidnapping-Causa eine derartig rigorose Nachrichtensperre verhängt wurde. Und warum die gesamt Wiener Polizeiführung sofort den Krisenstab im 6. Stock der Landespolizeidirektion bildete. Wurde gar interveniert?

Denn wie ÖSTERREICH erfuhr, arbeitet die Mutter des entführten Lukas (9) im Parlamentsklub der FPÖ. Demnach soll der Entführer zuerst das Kind, für das er auch das Sorgerecht haben soll, Freitagmittag von der Volksschule in Döbling abgeholt haben. Danach fuhr er zum Arbeitsplatz der Mutter, also zum Parlament. Dort dürfte es offenbar einen heftigen Streit um die Obsorge des gemeinsamen Kindes gekommen sein.

Dann raste er mit Lukas im grauen BMW davon, schicket noch eine Droh-SMS: „Ich sitze mit geladener Pistole im Auto.“ Laut ÖSTERREICH-Infos war gegen Sascha W. ein Waffenverbot verhängt worden.

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