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Über Knabenseminar

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Heinzl: "Sexuelle Übergriffe waren üblich"

ÖSTERREICH: Herr Heinzl, Sie waren vier Jahre im Knabenseminar Hollabrunn unter der Leitung des späteren Kardinals Hermann Groer. Haben Sie Übergriffe seitens der Erzieher erlebt?
Dominic Heinzl: Ich selbst war nie ein Opfer der Erzieher, weil ich bockig und selbstbewusst war. Deswegen bin ich zum Glück nicht in das Beuteschema von Groer gefallen.

ÖSTERREICH: Was haben Sie beobachtet? In einem früheren Interview verrieten Sie, dass die Burschen bei den Beichtgesprächen zum Opfer wurden.
Heinzl: Die Elf- und Zwölfjährigen waren eine leichte Beute. Denn es gehörte auch zu den Aufgaben der Priester, die Burschen im Knabenseminar aufzuklären. Diese intimen Gespräche fanden immer unter vier Augen und am Sofa des Erziehers oder des religiösen Leiters des Knabenseminars statt. Bei dieser Gelegenheit haben die Priester die Schüler gleich einmal in den Schwitzkasten genommen.

„ „Die Elfjährigen waren beim Aufklärungsgespräch eine leichte Beute.“ “
Dominic Heinzl

ÖSTERREICH: Was bedeutet Schwitzkasten?
Heinzl: Am Sofa haben die Priester den Arm auf die Schulter der Burschen gelegt und an sich gedrückt. Den Geruch des Talars kann ich bis heute nicht vergessen. Bei mir hat der Priester dann doch einen massiven Widerstand gespürt und von mir gelassen. Bei Burschen, die umgänglicher waren als ich, sind die Erzieher vielleicht weitergegangen. Sexuelle Übergriffe waren durchaus üblich.

ÖSTERREICH: Haben Ihnen Ihre Schulkameraden von unerwünschten Zärtlichkeiten erzählt?
Heinzl: Nein, das war kein Gesprächsthema. Was bei den Beichtgesprächen und beim „Betthupferl“ wirklich abgelaufen ist, habe ich erst durch das Hermann-Groer-Outing durch Josef Hartmann vor einigen Jahren erfahren. Damals wurden mir die Augen geöffnet.

ÖSTERREICH: Was kann man sich unter dem Begriff Betthupferl vorstellen?
Heinzl: Beim sogenannten Betthupferl verteilten die Erzieher vor dem Zubettgehen Schokolade an die Schüler. Das war ihr Lockmittel. Zum Vieraugengespräch, wo die Elfjährigen eigentlich ihr Herz ausschütten und über Alltagsprobleme sprechen wollten, mussten die Zöglinge immer frisch geduscht und im Pyjama erschienen. Bei dieser Gelegenheit kam es zu bekannten Übergriffen. Da streichelten sie den Burschen immer wieder über bestimmte Stellen der Pyjamahosen.

Interview: Ida Metzger

>>Alle Infos über den Missbrauchs-Skandal um die Kirche lesen Sie hier <<

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