02. Juli 2010 21:57
Selbst erfahrene Mordermittler erschauderten bei diesem Anblick:
Freitagabend fand die Tatortgruppe den Torso der 21-jährigen Stefanie P. im
Müllraum des Wohnhauses in der Auhofstraße 51. Er war in einem Paket
verschnürt und im Müll versteckt. Eine große Suchaktion sollte rund 50
Polizisten, 10 Leichenspürhunde und die Müllabfuhr die halbe Nacht durch das
noble Hietzing laufen lassen. In der Nacht auf Samstag fanden sie weitere
Leichenteile "in Misträumen in Tatortnähe".
Fein säuberliche Pakete
Der Suche ging die Wahnsinnstat
eines 22-jährigen Jus-Studenten und Jung-Politikers voraus. Philipp K. soll
seine Ex-Freundin Steffi mit dem Küchenmesser ermordet, zerstückelt und die
sterblichen Überreste im Müll „entsorgt“ haben – als fein säuberliche
Pakete. Erschwerend bei der Suche: Die Müllabfuhr war erst Freitagvormittag
in der Auhofstraße gewesen.
Seit Freitagnachmittag hält die schockierende Tat Wiens Kriminalisten in
Atem: Steffi P. aus Wien Sievering war von ihrer Familie vermisst worden.
Ein Onkel hatte die Polizei alarmiert und den Hinweis gegeben, sie könnte
sich in der Wohnung ihres Ex-Freundes Philipp aufhalten.
Gestand einem Freund die Tat
Als die Polizei in dessen Wohnung
eintraf, war Philipp K. daheim – mit ihm sein 37-jähriger Freund Oliver D.
Diesem hätte K. gestanden, seine Freundin bereits am Donnerstagabend mit
einem Messer umgebracht zu haben. Gegenüber der Polizei bestreitet er den
Mord jedoch.
Überall Blut, aber keine Leichenteile
In der Wohnung fanden
die Kriminalisten eindeutige Spuren der Tat: Überall Blut – aber noch keine
Leichenteile. „Wir haben nicht einmal Knochensplitter gefunden. Außer Blut
war da nichts“, so Polizei-Sprecher Roman Hahslinger. Erst der grausige Fund
des Torsos im Müllraum brachte absolute Gewissheit: Was am Donnerstag in der
Auhofstraße vorgefallen ist, ist an Brutalität kaum zu übertreffen.
Rechts-konservativer Background
Die Anrainer sind fassungslos
und empört: „Wir ziehen jetzt aus dem Haus aus“, sagt K.s Nachbarin. Über
das Motiv herrscht völlige Unklarheit. Während Stefanie lebenslustig war,
(laut Internet) für italienisches Essen, Starbucks-Kaffee und Michael
Niavarani schwärmte, war Philipp K. ernst und zielstrebig. Der Jus-Student
wollte im Herbst auch mit Medizin beginnen. Seine Werte-Welt war
rechts-konservativ. Der Salzburger engagierte sich auch politisch: für den
Ring freiheitlicher Studenten (RFS).
Mord genau geplant?
Und er rastet leicht aus: Erst vergangene
Woche löste er einen Polizeieinsatz aus. Sein Drogenproblem hat K. immer
verheimlicht. Mit einem Drogenersatz-Programm versuchte er es in den Griff
zu bekommen. Vergeblich. „Er ist ein Baby-Face, etwas eigenartig“, sagt
seine Friseurin, zu der er ein Mal im Monat kam.
Erste Vermutungen tauchen auf: Hatte der 22-Jährige die Tat geplant? Einer
aufmerksamen Supermarkt-Kassierin war aufgefallen, dass er am Donnerstag
große Müllsäcke, Gummi-Handschuhe und Klebebänder gekauft hat.
RFS-Mann in "linker Drogenszene"
Der Ring
Freiheitlicher Studenten will jedenfalls mit dem mutmaßlichen Mörder nichts
zu tun haben. Er sei schon seit einem Jahr nicht mehr für den RFS tätig und
auch kein Mitglied mehr gewesen, so die offizielle Mitteilung. Vielmehr sei
Philipp K. nach seinem Umzug nach Wien "in die linke Drogenszene
abgerutscht".