12. Oktober 2009 12:51
Mehr Fälle angezeigt, Aufklärungsquote gestiegen: Das ist die auf den ersten
Blick erfreuliche Anzeigenstatistik des Innenministeriums für die ersten
drei Quartale 2009. Doch auf den zweiten Blick sieht es bei weitem nicht
mehr so rosig aus. Ein gigantischer Fall von Internetbetrug mit 6.100
geklärten Fakten in Wien verzerrt die Statistik gewaltig. Bundesweit sieht
es, wenn man diesen Fall herausrechnet, so aus: Mehr Fälle angezeigt, mehr
geklärt, aber die Aufklärungsquote kaum gestiegen.
Mehr Anzeigen als im Vorjahr
Die offiziellen Zahlen des
Bundeskriminalamtes (BK): In den ersten neun Monaten 2009 wurden 441.767
Strafdelikte angezeigt. Das sind um 4,6 Prozent mehr Anzeigen als im
Vergleichszeitraum des Vorjahres. Weniger gab es im August und Juli im
Vergleich zu den entsprechenden Monaten des Vorjahres.
Mehr Fälle geklärt
Die Zahl der geklärten Fälle sei
gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent gesteigert worden, dadurch lag die
Aufklärungsquote bundesweit bei 39,3 Prozent. Im Vergleichszeitraum des
Vorjahres betrug sie 38,3 Prozent. Die Steigerung sei laut BK unter anderem
auf kriminalpolizeiliche Schwerpunktsetzungen, die vermehrte Ausbildung der
Polizisten im Bereich der Tatortarbeit sowie auf eine verstärkte
DNA-Auswertung zurückzuführen.
Die Zahlen minus der 6.100 Fakten durch den Internetbetrug würden allerdings
lauten: 435.667 Anzeigen (plus 3,2 Prozent gegenüber 2008), davon 167.731
geklärt (plus 3,7 Prozent) und eine Aufklärungsquote von 38,5 Prozent (plus
0,2 Prozentpunkte).
Schlechte Bilanz für Wien
Für die Bundeshauptstadt, der die
offiziellen Zahlen unter Einrechnung des Falles ein Plus von 9,8 Prozent bei
den Anzeigen, plus 14,9 Prozent bei den geklärten Fällen und plus 1,3
Prozentpunkte bei der Aufklärungsquote ausweisen, sieht es mäßig aus: Mit
plus 5,9 Prozent Anzeigen, plus 1,1 Prozent Klärungen, aber minus 1,3
Prozentpunkten bei der Aufklärungsquote stünde Wien bei Herausrechnung des
einen Falles wesentlich schlechter da als in den offiziellen Zahlen. In
Absolutzahlen läge die bereinigte Aufklärungsquote trotz U-Bahnstreifen,
Soko Ost und anderer Schwerpunktaktionen bei 26,7 Prozent.
Steigerungen der Aufklärungsquote gab es in sieben Bundesländern. Die
offizielle Statistik weist nur dem Burgenland ein Minus von 0,1
Prozentpunkten auf, dazu käme bei Bereinigung der Zahlen eben noch Wien. Als
positiv wertete das Bundeskriminalamt, dass die Quote in den
Landeshauptstädten gestiegen ist. In St. Pölten gab es beispielsweise ein
Plus von 7,3, in Innsbruck von 6,5 und in Eisenstadt von 3,5 Prozentpunkten.
Weniger Anzeigen bei Minderjährigen
Weniger Anzeigen gab es
in ganz Österreich bei Kindern und Jugendlichen: Um 15,1 Prozent weniger bei
den Zehn- bis unter 14-Jährigen und ein Minus von 10,2 Prozent bei den 14-
bis unter 18-Jährigen.