13. März 2010 19:41
Schock, Enttäuschung, Frustration. Nach der Welle
an Missbrauchs-Fällen in der Kirche ist der Großteil der 5,5
Millionen Katholiken verunsichert. In den Gottesdiensten am heutigen „Tag
des Herrn“ erwarten sie zumindest eine Stellungnahme – wenn sie den Weg in
die Kirche finden. Denn viele bleiben heute zu Hause – oder treten überhaupt
aus.
„Die Menschen sind enttäuscht und ziehen jetzt ihre Konsequenz“, sagt Hans
Peter Hurka vom Verein Wir sind Kirche. Seit Tagen laufen deshalb die
Telefone in allen Erzdiözesen heiß. „Wir haben doppelt so viele Beschwerden
wie sonst“, sagt Georg Plank von der Erzdiözese Graz. In der Steiermark
rechnet man mit einem eklatanten Anstieg der Kirchenaustritte. „Geht es so
weiter, wird sich die Zahl verdoppeln“, sagt Ingrid Bardeau von der
Austrittstelle.
„Ich schätze, dass nun mehr als 20.000 Katholiken aus der Kirche austreten
werden“, sagt Hurka. „Das war bereits vergangenes Jahr nach der Causa Wagner
so und wird sich nun wiederholen.“ Dazu Wiens Dompfarrer Toni Faber: „Nun
treten vor allem jene aus, die am Rand der Kirche gestanden sind und nur auf
einen Auslöser gewartet haben. Den Opfern hilft man so aber nicht.“
Auch der Druck auf den Papst wächst: „Wir sind enttäuscht, dass der Papst
bisher kein mitfühlendes Wort für eine Bitte um Vergebung und Versöhnung
gefunden hat“, so ein deutscher Sprecher von Wir sind Kirche. „Man will den
Papst in den Skandal hineinziehen“, weist man die Vorwürfe im Vatikan zurück.
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Eisenstadt. Wieder klagt ein Opfer an: Anton L. (61) litt jede
Nacht unter schrecklicher Angst vor Übergriffen des geistlichen
Schuldirektors. ÖSTERREICH: Was ist damals
geschehen? Anton L.: Ich besuchte ab meinem 14.
Lebensjahr das katholische Gymnasium Eisenstadt. Der Direktor Eduard
F. hat sich an Dutzenden Buben vergangen – auch an mir. ÖSTERREICH:
Was hat er Ihnen angetan? L.: Er ist in der Nacht
schwer alkoholisiert ins Zimmer gekommen, hat sich zu mir unter die
Decke gelegt und mir auf den Genitalbereich gegriffen. Ich war starr
vor Angst. Als er bei mir fertig war, hat er einen anderen mitgenommen. ÖSTERREICH:
War das gängige Praxis? L: Jede Nacht
hat er sich wen geholt und sich oral befriedigen lassen. Den Buben hat
er dann teure Geschenke gemacht. ÖSTERREICH: Mit
wem konnten Sie sprechen? L: Lange mit gar niemandem –
alle haben zugesehen. Erst der Heimleiter Robert L. hat meinen
Hilferuf gehört. Am nächsten Tag war der Direktor weg. Er hat zwei
Jahre Haft bekommen. (knd)
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