Natascha:

Kampusch-Martyrium

 

Natascha: "Er schnitt mir eine Glatze"

Es sind die härtesten Passagen im Kampusch-Buch: Jene, in denen sie detailliert beschreibt, was ihr von Entführer Priklopil alles angetan wurde. Die britische "Daily Mail“ veröffentlicht die englische Ausgabe im Vorabdruck:

  • Psychoterror: Es dauerte nicht lange, bis er sein anderes Gesicht zeigte. "Wenn du nicht brav bist, kette ich dich an.“ Priklopil erzählt, die Eltern hätten es abgelehnt, Lösegeld zu bezahlen: "Deine Eltern lieben dich überhaupt nicht … Sie wollen dich nicht zurück … Sie sind froh, dass sie dich los sind!“ Um die totale Kontrolle zu haben, installiert Priklopil eine ausgefeilte "Abhöranlage“ im Verlies. Das Mikrofon war so stark, dass es jedes Geräusch, das ich machte, übertrug. Wenn ich ihm nicht sofort antwortete, schrie er in die Lautsprecher, bis mein Kopf dröhnte.
     
  • Er droht mit Sprengstoff: Der Entführer macht aus seinem Haus eine Festung der Angst. "Wenn du schreist, muss ich dir weh tun“, warnte er mich. "Alle Fenster und Ausgänge sind mit Sprengstoff gesichert – wenn du ein Fenster öffnest, fliegst du in die Luft.“
     
  • Angriff mit Bohrer: Priklopil baut das Verlies immer mehr aus. Nach einiger Zeit installierte er ein Hochbett und Regale in meinem Verlies. "Wozu schraubst du dieses Brett hier an?“ Für eine Sekunde hatte ich vergessen, dass ich ohne Erlaubnis nicht sprechen durfte. Er brüllte los und warf den schweren Bohrer nach mir.
     
  • Sexuelle Übergriffe: Als ich 12 Jahre alt wurde und in die Pubertät kam, änderte sich das Verhalten des Entführers dramatisch. Er behandelte mich, als wäre ich schmutzig und ekelhaft, und er trat mir gegen die Schienbeine oder schlug mich, wenn ich vorbeiging. Kampusch schreibt auch, dass sexuelle Übergriffe zum Teil der täglichen Schikanierungen wurden.
     
  • In Priklopils Bett: Als ich 14 Jahre alt war, verbrachte ich zum ersten Mal eine Nacht oben. Ich lag starr vor Angst auf seinem Bett, als er sich neben mich legte und mit Kabelbindern seine Handgelenke an meine befestigte. Mein Rücken, der grün und blau geschlagen war, tat so weh, dass ich nicht liegen konnte. Und die Kabelbinder schnitten in meine Haut. Kampusch schreibt über diese Nächte: Aber wenn er mich so zu sich fesselte, in diesen vielen Nächten, dann ging es nicht um Sex. Der Mann, der mich schlug und in den Keller sperrte, wollte einfach etwas zum Kuscheln haben.
     
  • Er bewunderte Hitler: In der englischsprachigen Ausgabe des Buches "3096 Tage“ schreibt Kampusch auch: Er sagte zu mir: "Ich bin dein König, du bist meine Sklavin.“ Und er sprach oft und bewundernd von Hitler. Er sagte: "Er hatte recht damit, die Juden zu vergasen.“
     
  • "Fett und ekelig“: Die nächste Folter: Essensentzug: "Das war eine seiner effektivsten Strategien. „Schau dich nur an. Du bist dick und hässlich“, sagte er zu mir, als ich 12 Jahre alt war.
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  • "Glatze rasiert“: Aus Angst, die Polizei könnte Haare seines Opfers finden, muss Kampusch ihren Kopf mit Plastiktüten bedecken. Fast in den Wahnsinn getrieben, habe ich eines Tages eine Schere genommen und meine Haare kurz geschnitten. Mit einem nassen Rasierer rasierte er den Rest ab. Jetzt hatte ich eine Glatze. Unterernährt und ohne Haare hatte Priklopil über sein Opfer die totale Kontrolle. Er verhöhnt das Mädchen. "Geh doch, lauf! Lauf! Du wirst schon sehen, wie weit du kommst.“ Ich blieb wie angewurzelt stehen.
     
  • "200 Schläge pro Woche“: Als Kampusch 15 Jahre alt ist, wird alles noch schlimmer: Seine Gewaltausbrüche wurden immer häufiger: Wiederholte Schläge gegen meinen Kopf, von denen mir schlecht wurde, manchmal mehr als 200 Schläge gegen meinen Körper pro Woche. Ich begann, Notizen zu machen – die habe ich noch heute.
     
  • "Selbstmordversuche“: Irgendwann wird der Horror zu viel. Ich wusste, ich konnte nicht mein ganzes Leben so verbringen. Es gab nur einen Weg heraus: Mir das Leben zu nehmen. Das war nicht der erste Tag, an dem ich mich umbringen wollte. Kampusch erzählt in dieser beklemmenden Passage, wie sie mit 14 Jahren mehrmals versucht hat, sich mit Kleidungsstücken zu strangulieren. Kampusch schildert weiter: Mit 15 versuchte ich, meine Handgelenke mit einer großen Nähnadel aufzuschlitzen. Dieses Mal stapelte ich Papier und Klopapier auf die Kochplatte. Das Verlies würde sich mit Rauch füllen und ich könnte sanft entschlafen, raus aus einem Leben, das nicht meines war. Als der scharfe Rauch meine Lungen erreichte, holte ich tief Luft. Aber dann begann ich, zu husten, und mein Überlebenswille kam zurück.

 

(Die britische Zeitung „Daily Mail“ veröffentlichte gestern Auszüge aus dem Buch. ÖSTERREICH hat Teile daraus übersetzt und zitiert aus der Daily Mail.)

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