04. August 2009 22:31
Die jüngsten Spekulationen und Mutmaßungen zu ihrem Fall hätten
Entführungsopfer Natascha Kampusch arg zugesetzt, berichten Vertraute. Vor
allem Aussagen des Leiters der Kampusch-Evaluierungskommission, Ludwig
Adamovich, sollen die heute 21-Jährige schwer getroffen haben. Er hat
gesagt: "Es ist natürlich denkbar, dass diese Gefangenschaft allemal besser
war als das, was sie davor erlebt hat - zumal man weiß, dass ihre Mutter
nicht gerade zärtlich mit ihr umgegangen ist.“
Kampusch habe einen veritablen Zusammenbruch erlitten und sich völlig
zurückgezogen.
Ihr Anwalt Gerald Ganzger spricht gegenüber ÖSTERREICH von "einem
unwürdigen Schauspiel“. Er kritisiert Adamovich, „ins Blitzblaue hinein zu
spekulieren, und das ohne jegliches Substrat“.
OStA übernimmt
Positiv bewertet wird von Natascha Kampuschs
Umgebung, dass seit Dienstag die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien die
Ermittlungen übernommen hat und das Verfahren und die damit beschäftigten
Stellen - Kommission, die SoKo der Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft -
leitend koordinieren wird. Damit sollen in Zukunft Alleingänge verhindert
werden. Der Leiter der OStA Wien, Werner Pleischl, wird auch den bisher
befassten Grazer Staatsanwalt Thomas Mühlbacher beiziehen.
Adamovich „an die Leine“. Für Beobachter ist klar, dass Kommissionsleiter
Adamovich damit „an die Leine gelegt“ werden soll. Ein Gespräch zwischen
Pleischl und Adamovich hat bereits stattgefunden. und der neue
„Chefermittler“ hat bereits klar gemacht, dass er auf eine neuerliche
Einvernahme des Opfers Natascha Kamusch verzichtet – obwohl diese dazu
bereit wäre.
Mehrere neue Zeugen sollen von der neuen SoKo Kampusch aber sehr wohl
befragt werden.
|
Anwalt: "Unwürdiges Schauspiel"
ÖSTERREICH: Adamovich meint, dass die „Gefangenschaft allemal
besser war als das, was sie davor erlebt hat“ … Gerald
Ganzger: Das ist reine Spekulation und ist auch für mich keinesfalls
nachvollziehbar. Ich kenne den Akt, auch die Einvernahmeprotokolle
von Frau Kampusch. Dass man das so in den Raum stellen kann, ist für
mich völlig unverständlich.
Ist für Sie Herr Adamovich als Leiter der Evaluierungskommission
noch tragbar? Ich möchte kein Öl ins Feuer gießen. Das
öffentliche Austragen von Konflikten und Spekulationen dient ja weder
der Sache noch einer möglichen Aufklärung noch ist es angemessen, das
auf dem Rücken des Opfers zu tun. Das ist ein unwürdiges Schauspiel.
Daher begrüße ich es ausdrücklich, dass jetzt endlich eine Linie
hineinkommt und die Oberstaatsanwaltschaft Wien aktiv ist.
Steht Frau Kampusch neuen Einvernahmen zur Verfügung? Selbstverständlich
wäre sie für eine erneute Einvernahme bereit, wenn dies notwendig
ist. Sie ist bislang siebenmal von der Polizei einvernommen worden
sowie in einem Zivilprozess 2008 in Graz.
|