26. Jänner 2008 13:29
"Das ist noch lange nicht alles, was in diesem Fall ans Tageslicht
kommen wird“, gibt sich Privatdetektiv Walter Pöchhacker kryptisch.
Pöchhacker hat seit dem Verschwinden der Natascha Kampusch vor zehn Jahren
diesen Fall recherchiert. Jetzt, scheint es ihm, nimmt dieser Fall wieder
eine spektakuläre Wende. Gleich zwei Magazine, die deutsche Aktuelle und das
profil, greifen in ihren aktuellen Ausgaben das Thema Natascha auf.
Beide Medien decken Widersprüche in den Aussagen der Mutter des Täters
Wolfgang Priklopil auf. Die Mutter hatte gegenüber der Polizei angegeben,
sie hätte Natascha Kampusch während ihrer Gefangenschaft ein bis zwei Mal
kurz gesehen, als sie zu Besuch bei ihrem Sohn im Haus in Strasshof in
Niederösterreich war.
Nachbar sah Natascha
Sie habe die unbekannte Person jedoch für
eine Putzfrau gehalten und nie mit ihr gesprochen. "Stimmt nicht“,
zitiert die Aktuelle den Nachbarn von Frau Priklopil, Hans K., "Ich
habe Priklopil mit Natascha in unserem Haus gesehen, wie sie die Mutter
besuchten.“ Auch das profil zitiert besagten Nachbarn. Wenigstens einmal sei
Natascha mit Wolfgang Prilkopil zu Besuch bei dessen Mutter gewesen. Vor
mittlerweile gut zwei Jahren sei das gewesen. Mutter Priklopil öffnete ihrem
Sohn damals die Tür.
K. erinnerte sich, dass das junge Mädchen in Begleitung für die Jahreszeit
dünn bekleidet war und ein violettes Kopftuch trug, das "auf
türkische Art gebunden war, mit einem Streifen quer über der Stirn und nach
hinten geknüpft“. Ganz so, wie sich Natascha nach ihrer Flucht der
Öffentlichkeit präsentierte. Sie dreht sich in jenem Moment zu K. um: "Heute
weiß ich, dass es ein Hilferuf war.“
Die Aktuelle präsentiert außerdem einen neuen Zeugen, einen Freund Ernst
Holzapfels, des Partners von Priklopil. Dieser Zeuge bestätigt eine
Behauptung, die Nataschas Mutter, Brigitta Sirny, bisher heftig bestritten
hat: "Holzapfel hat gesagt, dass sie (Nataschas Mutter und Priklopil,
Anm.) sich sehr wohl gekannt haben.
Die neue Wendung kommt gerade recht zum Prozess von Ex-Richter Martin Wabl
gegen Brigitta Sirny Mitte Februar.
Vater will Fall neu aufrollen
Wabl behauptet in seinem Buch,
dass Sirny in den Fall Natascha verstrickt sein soll. "In diesem
Prozess werde ich auch beantragen, dass der Strafakt als Beweis zugelassen
wird.“ Dieser mehrere tausend Seiten lange Akt kam nie an die
Öffentlichkeit. Unterstützung bekommt Wabl von Nataschas Vater, der den Fall
offensichtlich neu aufrollen will. Das Rätsel um Natascha Kampusch wird
jedenfalls immer mysteriöser.
Nächste Seite: Nataschas Vater L. Koch im ÖSTERREICH-Interview
Nataschas Vater Ludwig Koch äußert Bedenken, dass bisher die ganze Wahrheit
ans Licht befördert wurde.
ÖSTERREICH: Es gibt neue Hinweise darauf, Natascha habe die Mutter ihres
Entführers viel öfter gesehen als bisher bekannt war.
Ludwig Koch: Das glaube ich nicht. Aber ich kann dazu auch nichts
Konkretes sagen, weil ich mit meiner Tochter noch nicht darüber sprechen
konnte.
ÖSTERREICH: Haben Sie selbst Nataschas Entführer, Wolfgang Priklopil,
gekannt?
Koch: Als mir die Polizei sein Foto zeigte, hab ich gesagt: Der Mann
kommt mir bekannt vor, aber ich kann ihn nicht zuordnen.
ÖSTERREICH: Eine Ex-Mitarbeiterin von Ihnen schwört, sie habe Priklopil
mehrmals gesehen.
Koch: Das würde erklären, warum er mir bekannt vorkam. Komisch ist
nur, dass Sirny bei einem Notar eine eidesstattliche Erklärung abgab, sie
habe Proklopil nie gesehen. Die Mitarbeiterin und ich schon – sie aber „ganz
sicher“ nie?
ÖSTERREICH: Glauben Sie, Sirny hat den Entführer gekannt?
Koch: Das war schon ein wunder Punkt in den achteinhalb Jahren, als
Natascha verschwunden war. Mir sind manche Aussagen Sirnys komisch
vorgekommen.
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Ein steirischer Ex-Richter will neue Zeugen im Fall Kampusch präsentieren.
Der Ex-Richter und ehemalige Bundespräsidentschaftskandidat Martin Wabl (62)
recherchiert seit Jahren verbissen den Fall Natascha Kampusch. Sogar ein
Buch zum Fall hat der Steirer schon auf den Markt gebracht. Wabl glaubt, der
Fall Kampusch sei noch längst nicht vollständig geklärt. Der ungeheuerliche
Vorwurf: Brigitta Sirny, die Mutter Nataschas, sei eine der Verantwortlichen
für den Fall. Sie habe die Entführung von Natascha mitgeplant, so Wabl. Das
will er nun auch noch vor Gericht beweisen. Einen Prozess gegen Sirny hat
Wabl bereits verloren. Durch die Wiederaufnahme des Verfahrens wittert er
nun aber eine neue Chance.
Gerichtsaussage Nataschas
Er will nun nämlich Natascha Kampusch
selbst als Hauptzeugin vor Gericht laden. "Durch Nataschas Aussage besteht
die Möglichkeit, dass ich gewinne“, so Wabl.
Außerdem will Wabl den gesamten Strafakt zum Fall öffnen lassen, weil sich
darin noch entscheidende Hinweise befänden, die seine These stützen würden.
Etwa jene Aussage einer Angestellten Brigitta Sirnys, die den Entführer
Priklopil im Geschäft gesehen haben will. Insgesamt acht neue Zeugen will
der Ex-Richter laden, die beweisen sollen, dass es eine Verbindung zwischen
der Mutter und dem Entführer gegeben haben soll.
Die Beschuldigte Brigitta Sirny sieht das naturgemäß ganz anders. In der
deutschen Zeitschrift die aktuelle verteidigt sie sich gegen die Vorwürfe.
Sirny: "Kranke, zwanghafte Menschen"
Brigitta Sirny
nimmt sich in der aktuellen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die
Attacken des Ex-Richters Wabl geht: "Es gab immer Verrückte, die sich an
Nataschas Geschichte und unserem Schicksal berauschen.“ Diese Menschen
wollten sich bereichern oder seien krank und zwanghaft. Und Sirny weiter:
"Natürlich regt es mich auf, bin ich aufgewühlt. Wissen Sie, wie Rufmord
funktioniert? Ist eine Geschichte noch so abstrus und erlogen – sobald sie
in der Welt ist, und man dazu Stellung nimmt, entfaltet sie ihre
Eigendynamik “