22. März 2010 17:31
© www.nichtraucheninlokalen.at
Der Druck auf Gesundheitsminister Alois Stöger, ein totales
Rauchverbot in der Gastronomie zu erlassen, steigt: Eine private Gruppe
von Rauchgegnern sammelt auf der Internet-Adresse
www.nichtraucheninlokalen.at rechtlich gültige Unterschriften für ein
Volksbegehren, das ein gesetzliches
Rauchverbot in Lokalen erwirken soll.
Hinter der Initiative steht der 41-jährige Wiener Unternehmer und
Facebook-Aktivist Gerald Költringer, selbst Gelegenheitsraucher, der „die
Nase voll hat von faulen Kompromissen“, wie er mit Hinweis auf das derzeit
gültige Rauchergesetz sagt. Gereicht hat es dem Multimedia-Profi, nachdem er
von einer Reise aus den USA und Kanada zurückgekommen ist. Nun hofft er, via
Internet über 100.000 Unterschriften zu sammeln (s. Interview unten).
Die Chancen, dass er die Hürde schafft, stehen gut: Ausgangspunkt für die
Volksbegehren-Initiative war eine Facebook-Aktion, mit der Költringer und
seine Mitstreiter in nur drei Monaten 100.000 Unterstützer mobilisieren
konnten.
Volksbegehren hat volle Unterstützung von Grünen
Rückenwind
bekommen die Initiatoren nun von den Grünen. Sie fordern eine Novelle des
Tabakgesetzes für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Ein
diesbezüglicher Entschließungsantrag wird morgen im Parlament eingebracht.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig zu ÖSTERREICH: „Was im Großteil Europas schon
normal ist, sollte auch bei uns endlich die Regel werden – rauchfreie
Lokale. Die Grünen werden deshalb den Druck im Parlament erhöhen und jede
Initiative – etwa das geplante Volksbegehren – mit voller Kraft
unterstützen.“
Für viele geht ein generelles Rauchverbot zu weit. Manfred Ainedter, Gründer
der Plattform „Rauchfrei(heit)!“, kritisiert den Vorstoß der Grünen als
„Entmündigung des Bürgers durch den Staat“. Volksbegehren-Initiator
Költringer hält entgegen: „Rücksicht hat nichts mit Entmündigung zu tun.“
„Wir brauchen keine Zwangsbeglückung“
Helmut
Hinterleitner, Obmann des Fachverbands Gastronomie in der Wirtschaftskammer
(WKÖ), hält nichts von Zwangsbeglückung und verweist auf die vielen
Betriebe, die sich jetzt schon freiwillig gegen den Qualm entschieden haben.
Bis 30. Juni endet die Übergangsfrist zu Umbauarbeiten für größere Betriebe
mit nur einem Gastraum. Wer bis dahin nicht umgebaut hat, muss auf den Rauch
verzichten. Laut WKÖ-Umfrage werden ab 1. Juli von den 75.000 Betrieben über
15.000 komplett rauchfrei sein.
Den „schwarzen Schafen“ drohen saftige Strafen, kündigt Minister Alois
Stöger in ÖSTERREICH an.
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ÖSTERREICH: Derzeit läuft ein Volksbegehren zum
Nichtraucherschutz an. Warum sind Sie als Gesundheitsminister nicht
aktiver? Alois Stöger: Ich habe meine Position
und Vorgehensweise immer klar gemacht und eine umfassende
Evaluierung des Gesetzes nach einem Jahr angekündigt. Diese wird in
den kommenden Wochen fertig und dann auch präsentiert. Mit Juli
laufen die Übergangsregelungen aus. Ab dann darf nur mehr in
abgetrennten Räumen geraucht werden. Im Übrigen: eine
Volksabstimmung über das Rauchen findet jeden Tag in den Lokalen
statt. ÖSTERREICH: Was hat sich bisher schon
geändert? Stöger: Geändert hat sich, dass
Nichtrauchen in Lokalen die Norm ist. Darüber hinaus lassen sich
auch schon jetzt, also vor dem Ende der Übergangsfristen, große
Änderungen im Verhalten der Bürgerinnen und Bürger erkennen: viele
Lokale sind schon jetzt zu Nichtraucherlokalen geworden und haben
damit neue Zielgruppen erschlossen. Das ist gut für die Wirte und
gut für unsere Gesundheit. ÖSTERREICH: Sie
selbst sagen, dass Ihre Geduld mit den Wirten am Ende ist. Welche
Sanktionen gibt‘s? Stöger: Wer sich ab
Juli nicht an den gesetzlichen Nichtraucherschutz hält und nicht
räumlich abtrennt, hat mit teils saftigen Strafen zu rechnen. ÖSTERREICH:
Scheitert in Österreich der absolute Nichtraucherschutz an der
Politik oder vielmehr an der Wirtschaft? Stöger:
Das vorliegende Gesetz stellt einen Kompromiss zwischen Wirtschaft und
Politik dar. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind kontraproduktiv.
Klar ist: Es müssen sich alle an den ausverhandelten Kompromiss
halten und das Gesetz umsetzen. Das Gesetz nicht zu respektieren,
wird es sicher nicht spielen. (wol)
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