15. Dezember 2007 21:01
Wegen eines völlig überfüllten Zuges hat ein ÖBB-Schaffner am Samstag zu
einer drastischen Maßnahme gegriffen. Er warf am Grenzübergang
Hegyeshalom/Nickelsdorf rund 300 Fahrgäste ohne Sitzplatz aus einem von
Budapest nach Wien fahrenden EuroCity. Eine entsprechende Meldung der
ungarischen Nachrichtenagentur MTI hat ein ÖBB-Sprecher am Samstagabend
bestätigt.
Der EuroCity "Franz Liszt" setzte seine Fahrt erst fort, nachdem
alle stehenden Fahrgäste ihn verlassen hatten, berichtete die ungarische
Nachrichtenagentur. Damit kam es zu einer Verspätung von 40 Minuten. Die des
Zuges verwiesenen Fahrgäste mussten an der Grenze auf einen späteren Zug
nach Wien warten.
"Sicherheit nicht gewährleistet"
Wenn dem
Schaffner beim Öffnen der Tür "die Fahrgäste entgegenpurzeln,
dann ist die Sicherheit nicht gewährleistet", verwies ÖBB-Sprecher
Nikolaus Käfer auf die massive Überfüllung des Zuges, durch die etwa die
Fluchtwege im Zug blockiert gewesen seien. Damit wäre bei einem Unfall kein
Rettungseinsatz möglich gewesen. Der Schaffner habe richtig gehandelt,
entgegnete Käfer auf die Kritik der ungarischen Staatsbahnen MAV an dem
Eingreifen des ÖBB-Mitarbeiters. "Die Sicherheit hat oberste
Priorität", betonte Käfer.
Bei den ungarischen Staatsbahnen sieht man die Sache offenbar anders.
MAV-Sprecher Tibor Sigulinszki sagte der MTI, es habe in dem Zug zwar keine
Sitzplätze mehr gegeben, Stehplätze seien aber durchaus vorhanden gewesen.
Die Passagiere seien "ohne Grund" zum Aussteigen gezwungen worden,
da es keine Regel gebe, die eine Maximalanzahl von Fahrgästen festlege.
Käfer sagte dazu, es werde lediglich eine "geringe Anzahl"
von Stehplätzen im Zug toleriert. Der betroffene EuroCity habe aber eine
Überbelegung von 300 Fahrgästen gehabt. Dabei sei der Zug ohnehin mit zwei
Waggons verstärkt worden, fügte der ÖBB-Sprecher hinzu.