17. März 2010 19:44
Ein in der Schweiz tätiger Pater, der sich in den 1970er-Jahren mindestens
an einem Minderjährigen im Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau
vergangen haben soll, hat sich selbst bei der Polizei in Vorarlberg
angezeigt. Ein Opfer des Mannes hatte sich am Montag per E-Mail beim Bistum
Chur (Kanton Graubünden) gemeldet und den heute 69-Jährigen des sexuellen
Missbrauchs bezichtigt. Das Bistum konfrontierte daraufhin den Pater, der
mindestens einen Übergriff zugab, teilte das Bistum am Mittwoch mit.
Den Vorwürfen im E-Mail zufolge soll der Geistliche - der Mitglied des
Klosters Mehrerau ist - sowohl in Bregenz als auch im Kloster Birnau am
deutschen Bodenseeufer mehrere Ministranten missbraucht haben. Der
69-Jährige war seit 1992 in einer Schwyzer Gemeinde als Pfarr-Administrator
tätig. Nach seinem Geständnis trat er sofort von seinem Posten zurück.
Die Anzeige nahm der 69-Jährige auf Empfehlung seines Abts und des Churer
Bischofs Vitus Huonder vor. Das Bistum Chur habe bisher nichts über die
Übergriffe des Paters gewusst, erklärte Bischofsvikar Christoph Casetti.
Auch seien bis jetzt keine Straftaten aus der Tätigkeit des Mannes in der
Diözese Chur bekannt.
In Vorarlberg laufen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu möglichen
Missbrauchsfällen derzeit auf Hochtouren. Im Kloster Mehrerau soll es in den
vergangenen Jahrzehnten zu schwersten sexuellen Übergriffen und brutalen
Quälereien durch Ordenszugehörige, Lehrer und Erzieher gekommen sein.
Angeblich gibt es in sieben Fällen konkrete Verdachtsmomente. Bisher sind in
Vorarlberg elf Missbrauchsfälle offiziell bekanntgeworden.
Vorwürfe gegen Wiener Erzieherin
Missbrauchsvorwürfe gegen
eine Erzieherin eines Mädchenheims der Stadt Wien: Eine heute 51-jährige
Frau hat gegenüber dem ORF am Mittwoch schwere Vorwürfe erhoben. Sie sei als
Kind geschlagen worden und habe sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen
müssen, hieß es im Interview in der Fernsehsendung "Wien heute". Herta
Staffa, Sprecherin der Magistratsabteilung 11, Amt für Jugend und Familie
(MAG 11), bedauerte gegenüber dem ORF die Vorfälle.
Die 51-Jährige war im Alter von einem Jahr in das Heim gekommen: Dort habe
sie z. B. mit ausgestreckten Händen stundenlang auf einem kalten Gang stehen
oder in einer Ecke knien müssen, hieß es im ORF-Beitrag. Auch sei es zu
sexuellen Übergriffen gekommen: "Ich habe gesagt, ich will das nicht. Dann
hat sie mich so geohrfeigt, dass ich blutige Lippen hatte", sagte die
Wienerin im Interview. Sie sei sich sicher, nicht das einzige Opfer gewesen
zu sein.
"Es tut uns sehr leid", erklärte MAG 11-Sprecherin Staffa. Die Stadt Wien
habe viel unternommen, um neue Standards zu setzen. Für mögliche weitere
Opfer will man ein offenes Ohr haben: Je nach Fall soll dann entschieden
werden, ob und wie geholfen werden kann, hieß es.