12. März 2010 23:10
Fritz Wenigwieser vom Kloster Pupping bei Eferding ist der Schreck beim
ÖSTERREICH-Gespräch anzuhören. „Ja“, gibt der Kaplan zu. „Der Mann ist im
Oktober zu uns gekommen. Er hat sich für den Glauben interessiert, wollte
aussteigen und hat bei uns als Gärtner gearbeitet. Am Mittwoch war die
Polizei bei uns im Kloster und hat ihn als Verdächtigen mitgenommen. Wir
wissen nicht, warum.“
Als der Ordensbruder die (Vor-)Geschichte von Franz B. – den die
Franziskaner im guten Glauben aufgenommen hatten – hört, bleibt ihm der Atem
endgültig weg. Denn, wie ÖSTERREICH erfuhr, hatte der 68-jährige Franz B. –
der sich an seinen eigenen Töchtern vergangen haben soll – im Herbst von
Anfang an den Plan, mithilfe seines vorgetäuschten Todes abzutauchen.
Von Fähre gesprungen
Am 25. September wartete auf Franz B.
in Korneuburg der Prozess wegen Kindesmissbrauch. Doch genau einen Tag davor
sprang der 68-Jährige vor den Augen Dutzender Zeugen von einer Fähre bei
Zadar. Obwohl keine Leiche gefunden wurde, schloss die kroatische Polizei
den Akt als „Suizid“.
Doch der Wiener war mitnichten ertrunken. Wie die heimischen Ermittler jetzt
– da sie den Mann leibhaftig gefunden hatten – rekonstruierten, hatte sich
Franz B. ein Motorboot in die Meeresenge zwischen Zadar und Preko bestellt,
dessen Besatzung ihn nach dem Todessprung aus dem Wasser fischte.
„Über-Bingo“ bei
DNA-Abgleich
Heil an
Land, verbrachte der „Tote“ zunächst einen Monat in Kroatien. Danach reiste
er nach Oberösterreich, um im Shalom-Kloster Pupping als Obdachloser
Aufnahme zu finden. Anfangs gab er den Schweigsamen, danach erzählte der
Gärtner, dass die Mafia hinter ihm her wäre. Im Ort wurde er unvorsichtig
und gab zu viel Geld aus. Nach einer Zechtour wurde die Polizei erstmals
aufmerksam auf den Sonderling. Personalien hatte er keine. Aber
Fingerabdrücke und DNA, die in der Datenbank des Bundeskriminalamtes
abgeglichen wurden. Da machte es dann „Über-Bingo“. Sprich: Es gab eine
Übereinstimmung. Die Identität war gelüftet. Franz B. wurde festgenommen.