Schlepper-Mafia: Jeden Tag ein neuer Fall

Neuer Aufgriff

Schlepper-Mafia: Jeden Tag ein neuer Fall

Kein Ende der Schlepperwelle nach Österreich. Die Ostautobahn A4 bei Nickelsdorf, Samstag um 6.10 Uhr früh: Bei einer Verkehrskontrolle halten zwei Polizisten der AGM-Dienststelle (sie sind für Vollzug der Schengen-Maßnahmen zuständig) einen silbergrauen Toyota und einen gelben Mercedes Sprinter mit ungarischem Kennzeichen an.

Routinemäßig lassen die Beamten auch die Türen des Kofferraums öffnen. Im Innenraum: 32 erwachsene Männer, vermutlich afghanischer und pakistanischer Herkunft, kauern zusammengepfercht auf knapp 7 Quadratmetern, einige von ihnen stehen hilflos da. Die Luft ist stickig, in ihren Augen sind Angst und Unsicherheit zu erkennen. Kartons dienen als Sichtschutz nach vorne, am Boden liegen leere Wasserflaschen und Brotreste.

Gesundheitlich waren die Männer in gutem Zustand
„Die Männer hatten keine gültigen Reisedokumente. Der silbergraue Toyota diente als Voraus-Fahrzeug für die Schlepper, um vor möglichen Kontrollen zu warnen“, sagt Rainer Leitgeb vom Landespolizeikommando Burgenland zu ÖSTERREICH.

Die beiden mutmaßlichen Schlepper am Steuer der Kastenwagen, zwei ungarische Männer um die 40 Jahre, werden sofort verhaftet. In der nahen Polizeidienststelle beginnen für die Polizei die mühsamen Einvernahmen. Dolmetscher werden organisiert, am späten Nachmittag sind bis zu acht Personen mit den Ermittlungen beschäftigt. „Trotz der widrigen Verhältnisse sind die Geschleppten in einem gesundheitlich guten Zustand“, sagt Leitgeb.

Die Befragung der Illegalen dauerte am Samstag bis in die Abendstunden an.

Fünfter Schlepper-Fall 
in nur einer Woche
Dieser Aufgriff war bereits der zweite auf der Ostautobahn binnen drei Tagen und der fünfte schwere Schlepperfall seit vergangenem Montag. Erst am Mittwoch haben die Fahnder 18 Geschleppte auf der A4 und zahlreiche illegale Migranten in Wien-Döbling aufgegriffen.

Zahl der Geschleppten heuer um 30 % gestiegen
Am vergangenen Montag entdeckte die Polizei 30 Flüchtlinge in einem griechischen Reisebus in Wien und 30 Migranten aus Somalia in Neusiedl am See.

Laut Innenministerium ist die Zahl der aufgegriffenen Geschleppten heuer im Vergleich zu 2010 um 30 Prozent gestiegen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): „Die Maßnahmen der Fremdenpolizei Neu wirken, aber die Außengrenzen sind zu durchlässig.“ Am Montag tagt deshalb eine „Task Force“ in Wien.

Autor: Jochen Prüller
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