Wiener U-Bahn-Terror: Mit Messer bedroht Wiener U-Bahn-Terror: Mit Messer bedroht

War plötzlich Opfer

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Wiener U-Bahn-Terror: Mit Messer bedroht

Der Albtraum eines jeden U-Bahn-Gastes wurde für Bestar C. (31) Realität: Am U-Bahn-Steig streckten ihm Unbekannte ein Messer entgegen und raubten ihn aus – am helllichten Tag, vor Dutzenden von Zeugen.

Das Protokoll: Es ist Dienstag, 12.30 Uhr. Bestar C. wartet in der Station Zieglergasse auf die nächste U3 in Richtung Simmering. Der Bahnsteig ist voll – Angestellte, Schüler, Shopping-Süchtige von der Mariahilfer Straße und Touristen wollen mit den Öffis schnell weiter. Genau auf diesen Trubel haben zwei junge Männer, beide zwischen 22 und 25 Jahre alt, gehofft. Unauffällig drängen sie sich durch die Massen und nähern sich Bestar C.

Opfer zur Polizei: „Hielten mir Messer an den Bauch“
Plötzlich bleiben sie vor ihm stehen, einer hält ihm ein Messer an den Bauch. „Handy und Geld her, oder wir stechen dich ab“, wird er bedroht. Das Opfer rückt im Schock seine Geldtasche mit 70 Euro und sein neues iPhone heraus. Die Unbekannten, beide athletisch und mit dunklen Lederjacken gekleidet, flüchten binnen Sekunden. Wie gelähmt setzt sich Bestar C. in die nächste U-Bahn. Erst im Waggon wählt er mit seinem zweiten Handy die Nummer der Polizei. In der Station Westbahnhof trifft er sich mit Beamten und erzählt seine Story. Das Opfer gibt zu Protokoll: „Die beiden haben einen ausländischen Dialekt gesprochen. Alles ging schnell, ich würde sie wiedererkennen.“

Häufung bei U-Bahn-Raub: drei Fälle in zwei Wochen
Erstaunlich: Es gibt keine Zeugen, niemand bemerkte den Vorfall. Sogar der Stationswart ist überrascht. „Ich habe nichts gesehen“, sagt er am Mittwoch zu ÖSTERREICH. Laut Wiener Linien gibt es in der Station Zieglergasse keine Videoüberwachung. So steht die Polizei bei der Suche nach den Tätern auf verlorenem Posten. „Wir hoffen jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung“, sagt Sprecherin Iris Seper.

Fakt ist: Der feige Handyraub in der U-Bahn-Station war nicht der erste seiner Art – in den vergangenen zwei Wochen gab es insgesamt drei spektakuläre Handy-Überfälle. Erst diesen Montag wurde der 34-jährige Janosz D. in der U6 überfallen – Unbekannte schlugen ihn blutig und raubten ihm das Handy. In Erinnerung ist jener Fall Anfang Mai, bei dem zwei 16-jährige Burschen den 27-jährigen Gernot F. überfielen: Die zwei raubten ihm das iPhone und verkauften es anschließend. Dank der Veröffentlichung der Überwachungsfotos in ÖSTERREICH wurden die Täter geschnappt. Sie sind wieder auf freiem Fuß – das Opfer war tagelang arbeitsunfähig.

Alleine im Jahr 2009 gab es 67 Überfälle in Öffis
Laut Bundeskriminalamt gab es im ersten Quartal 2010 insgesamt 16 Raubüberfälle in Öffis, davon 12 in Wien. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2009 zählten die Kriminalisten 18 Anzeigen, im gesamten Jahr 2009 waren es 67.

Die Tricks der iPhone-Räuber

Es ist ein Bild, das aus den Öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr wegzudenken ist: Immer mehr Menschen spielen in der U-Bahn, im Bus oder in der Straßenbahn mit dem schicken Apple-Handy iPhone. Sie tippen SMS, surfen im Web, hören Musik oder schauen sich YouTube-Clips an – manche telefonieren einfach nur. Doch wer so augenscheinlich in der Öffentlichkeit mit seinem iPhone spielt (Verkaufswert: 70 Euro mit Vertrag), zieht möglicherweise auch die Diebe an.

Ein Ermittler der Polizei bestätigt ÖSTERREICH: „Es stimmt, das iPhone ist bei den Kriminellen heiß begehrt. Dieses Handy ist einfach besser zu verkaufen als ein Handy, auf dem man nur SMS tippen kann.“

Am Stadtrand, versteckt. So haben die Täter immer öfter ausschließlich iPhone-Besitzer in U-Bahnen im Visier. Die Täter – meist sind sie organisiert – suchen sich U-Bahn-Strecken abseits der City aus. Sie achten darauf, dass die U-Bahn nicht zu voll ist – oft verfolgen sie die iPhone-User und schlagen erst in der Station oder davor zu. Es geht alles sehr schnell: Das Opfer wird angehalten, bedroht und beraubt. „Meist stehen die Überfälle in Verbindung mit Beschaffungskriminalität oder Jugendbanden“, heißt es von der Wiener Polizei.

Verkauf am Schwarzmarkt. Verkauft wird das edle Handy dann am Schwarzmarkt – ein iPhone bringt bis zu 150 Euro. „Es gibt eine aktive Szene am Ende des Naschmarkt-Flohmarkts, immer am Samstag“, sagt ein Ermittler. Oft gehen die Diebe auch ungeniert in kleine Handyshops am Stadtrand und versuchen dort ihr Glück. „Wenn das iPhone gestohlen ist und es der Handyshop-Besitzer trotzdem annimmt, kann er sich strafbar machen“, sagt Hejl. Seit Kurzem setzt die Polizei zivile und uniformierte Kontrolltrupps in U-Bahnen ein.

J. Prüller

Junge Handy-Räuber in Wien verurteilt
„Er sah halt wie ein Opfer aus“

Die acht Jungs auf der Anklagebank scheinen den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben: Mit Pokerfaces sitzen die jungen Wiener am Mittwoch im Landesgericht, ungerührt bestätigen sie, was ihnen vorgeworfen wird. In unterschiedlichen Konstellationen beraubten die 14- bis 18-Jährigen Passanten ihrer Handys. Mal mit vorgehaltenem Butterflymesser, mal unter Einsatz der Fäuste.

„Handy meiern“. Sechs Delikte werden den Burschen vorgeworfen – die Beute: Mobiltelefone im Wert von 10 bis 750 Euro. Motiv? „Ein Freund hat mir im MSN-Chat geschrieben: ‚Mein Handy ist kaputt, kannst mir eines meiern (Bem.: rauben)?‘ Da hab ich ihm halt eines gemeiert.“ Richter Georg Allmayer: „Wie haben Sie das Opfer ausgesucht?“ Antwort eines 15-Jährigen (vertreten von Ernst Schillhammer): „Na, der hat halt wie ein Opfer ausgesehen.“

Urteile. „Ist Ihnen klar, dass Raub das dritt schlimmste Verbrechen ist und Erwachsene bis zu 15 Jahre ins Gefängnis bringt?“ – versucht der Richter zu den Jugendlichen durchzudringen. Und erntet Schweigen. Die jungen Angeklagten wurden zu Strafen zwischen sechs Monaten bedingt und acht Monaten unbedingt verurteilt.

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