Alpenverein ruft zum Messner-Boykott auf

Streit eskaliert

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Alpenverein ruft zum Messner-Boykott auf

Ein lange schwelender Zwist zwischen dem Deutschen Alpenverein (DAV) und Reinhold Messner ist eskaliert. Der DAV rief seine Sektionen zum Boykott von Veranstaltungen des Extrembergsteigers auf. Buchvorstellungen und Multivisionsschauen Messners sollten nicht in Räumen von DAV-Sektionen stattfinden, bestätigte Bundesgeschäftsführer Thomas Urban am Donnerstag einen Bericht des "Münchner Merkur". "Das hat nichts mit seinen alpinischen Leistungen zu tun." Messner habe den DAV und seine Funktionäre in den vergangenen Jahren massiv angegriffen und ihr Handeln mit dem der Nationalsozialisten verglichen.

"Außerhalb der demokratischen Welt"
Messner sagte, nicht er, sondern der Alpenverein - mit 815.000 Mitgliedern der weltweit größte Bergsteigerverband - habe den Streit zu verantworten. "Das kommentiert sich doch selbst, wenn ein Verein einen selbstbestimmten Bergsteiger ausgrenzt." Der Alpenverein stehe in einer "schlimmen Tradition der Ausgrenzung" und habe in den 1920er und 1930er Jahren Juden sowie die Naturfreunde ausgeschlossen. Der Verein stelle sich nun mit dem an alle 354 Sektionen verschickten Schreiben "außerhalb einer demokratischen Welt": "Warum soll ich nicht mit dem Alpenverein meine Diskussion führen können?"

In dem Schreiben heißt es: "Das Präsidium beschließt, dass Messner künftig keinerlei Plattform im DAV-Hauptverein und im DAV-Summit-Club erhält. Des Weiteren werden alle Sektionen mit der Empfehlung angeschrieben, diesen Schritt auf der Sektionsebene ebenfalls nachzuvollziehen."

Tod von Messners Bruder
Der Streit zwischen DAV und Messner hatte bereits 2003 im Zusammenhang mit der Debatte um den Tod von Messner Bruder Günther in den 1970er Jahren am Nanga Parbat begonnen. "Damals hat der DAV inhaltlich nicht Stellung genommen", sagt Urban. Messner hingegen sagt, der DAV habe sich zum Komplizen einer Rufmordkampagne gemacht, gerade weil er nicht Stellung bezogen habe. "Wir sind auch dafür verantwortlich, was wir nicht sagen", sagt Messner. "Ich habe mich nur gewehrt und werde mich wehren bis zu meinem Lebensende, wenn man mir vorwirft, ich habe meinen Bruder damals allein die Rupalwand hinuntergeschickt." Er sei mit Günther zusammen auf der anderen Diamir-Seite des Nanga Parbat abgestiegen, als eine Lawine den Bruder mitriss. Dies sei inzwischen durch den Fund von Günthers Leiche bewiesen, sagt Messner. Er habe vom DAV dazu eine Klarstellung verlangt - der DAV habe aber trotz Zusage nicht Position bezogen.

Letzter Auslöser für die Eskalation war jetzt ein Beitrag in dem Alpenvereins-Jahrbuch "Berg 2009", in dem die Autoren an Extrembergsteiger und Spitzenkletterer appellieren, beim Umweltschutz bessere Vorbilder zu sein und sich in den Dienst des Naturschutzes zu stellen. "Man muss die Leithammel in die richtige Richtung lenken, dann läuft die Herde hinterher", heißt es in dem Artikel. Messner konterte im Magazin "Bergsteiger", die Betreffenden könnten sich schließlich auch weigern, Leithammel oder Schafe zu sein. Der DAV habe sich geoutet als das, was er immer schon sein wollte: "die Avantgarde Vorgestriger". Dies seien "nicht selbst bestimmte Bergsteiger", eher die "jungen Erben eines totalitären Vereinsverständnisses".

Persönliche Angriffe
"Es ist natürlich nicht nur der Artikel", betonte Urban. "Messner hat uns bei verschiedensten Gelegenheiten sehr persönlich angegriffen." Der Vorwurf, DAV-Präsident Heinz Röhle und Urban wüssten nicht, wo die Berge stünden, sei nur eine Geringfügigkeit. "Das ist egal, das nehmen wir sportlich. "Aber wenn wir mit dem Handeln der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren verglichen werden, ist das eine andere Qualität." Dass der Alpenverein damals viel Schuld auf sich geladen habe, sei keine Frage. Der Verein habe aber viel getan, die nationalsozialistische Vergangenheit offen aufarbeiten. "Wir haben keine Lust, uns permanent mit diesen Dingen an den Karren fahren zu lassen" - jedenfalls nicht bei Veranstaltungen Messners in den DAV-eigenen Räumen.

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