21. November 2008 20:27
Sie ist die erste Zeugin, deren Aussagen etwas Licht in die dunkle Causa um
den geraubten Leichnam des Multimilliardärs bringen könnten: Eva Gruber,
pensionierte Hauptschuldirektorin in Velden.
Die Witwe war am vergangenen Donnerstag, dem 13. November, zur Mittagszeit
am Friedhof im Velden gewesen, um das Grab ihres verstorbenen Mannes Hans zu
pflegen. Gleich beim Eingang fiel ihr etwas Sonderbares auf: „Ich kam fast
nicht beim Türl zum Friedhof herein, weil ein weißer Kastenwagen so blöd
geparkt vor dem Eingang stand. Ich hab mich vorbeigedrückt, um auf das
Friedhofsgelände zu kommen.“
Verdächtige
Die Zeugin weiter: „Ich holte eine Kanne mit
frischem Wasser für das Grab meines Mannes, da bemerkte ich in der Nähe des
Flick-Mausoleums vier Männer, die mir alle sehr verdächtig vorkamen, weil
sie ohne etwas zu tun, herumstanden, solange ich am Friedhof war.“
Hotline
Gleich am Tag nachdem der dreiste wie pietätlose Coup
bekannt wurde, rief Eva Gruber bei der Info-Hotline des
Landespolizeikommandos an und gab auch noch jene Teile des Kennzeichen des
weißen Kastenwagen bekannt, an die sie sich nach einer Woche noch erinnerte:
„VI oder VL“. Das heißt, das verdächtige Fahrzeug kam aus Villach oder aus
Villach-Land.
Ungelöst
Warum der leitende Beamte der Ermittlungen, Oberst
Hermann Klammer, von ÖSTERREICH auf die Zeugin angesprochen, mehr erstaunt
als erleichtert wirkte, ist eines der vielen Rätsel, die noch ungelöst
bleiben – und die allesamt eher auf eine Entführung samt Lösegeld-Erpressung
deuten denn auf einen makabren Lausbubenstreich oder eine Buntmetallbande.
- So wurde erst jetzt bekannt, dass möglicherweise dieselben Täter
schon einmal im Frühjahr versucht haben könnten, in die
Flick-Gruft einzudringen.
- Dass die Kidnapper am helllichten Tag zugeschlagen haben, überrascht
jedenfalls nicht. Ein Polizei-Insider zu ÖSTERREICH: „In der
Nacht wären die Bande viel mehr aufgefallen. In der Dunkelheit
braucht man hier am Friedhof eine stärkere Lichtquelle und dann
glauben die Anrainer vielleicht noch, hier treiben sich Satanisten rum
und alarmieren den Notruf.“
- Neu ist, dass der Steinmetz Horst Gaggl gar nicht von der Polizei
beauftragt wurde, Nachschau im Mausoleum zu halten, sondern bereits am
Freitag, dem 14. November, von einem Angestellten der Familie Flick
erstmals alarmiert wurde. Das verriet Flick-Sprecher Jörg-Andreas
Lohr im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Gleich nachdem unserem
Gärtner die verdächtigen Kratzer aufgefallen waren, wurde der
Steinmetz zu Rate gezogen. Anfangs schloss er aus, dass hier jemand eingedrungen
sein könnte: Die drei 300-Kilo-Grabplatten kann doch niemand heben.“
Übers Wochenende kamen dem Professionisten und der Familie jedoch Zweifel.
Lohr weiter: „Zuerst wollte der Steinmetz am Montag noch einmal nachschauen,
das hat sich dann verzögert.“
- Am Mittwoch wurde der Diebstahl publik – eben weil der Steinmetz
angeblich mit der Polizei den Eingang zur Gruft überprüft
hatte. Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler: Wie ÖSTERREICH
jetzt von Informanten erfuhr, war die Kärntner Polizei bei dieser Öffnung
gar nicht dabei.
- In dieses kommunizierte Durcheinander passt auch, dass ein
Ermittlungsbeamter anfangs von einem „anonymen Hinweis“
sprach, der den Sargraub auffliegen ließ. Seitdem hat der Mann
Sprechverbot.
- Nicht nur Velden-Insider wie Tourismus-Chef Markus Kuntarisch sind
daher überzeugt: „Die Familie verhandelt mit den Entführern
über Lösegeld.“