25. Oktober 2008 11:28
Das Rätselraten um Jörg Haiders Leiche nimmt kein Ende. Am Donnerstag hieß
es noch, sie würde nach Italien oder in die Schweiz gebracht, um weitere
Obduktionen vorzunehmen. Grund: Die Familie kann nicht glauben, dass sich
Haider derart betrunken hatte, dass er bei seinem Unfall 1,8 Promille
Alkohol im Blut hatte. Und so rankten sich zuletzt Gerüchte um K.o.-Tropfen,
die Haider womöglich verabreicht worden waren. Allerdings: Die Leiterin der
Grazer Gerichtsmedizin, die Haider untersuchte, schließt diese Theorie aus.
Haider nicht im Ausland
Weitere Untersuchungen der Familie wurden
daraufhin angestellt, denn die Familie kann nach dem Abschluss der
gerichtsmedizinischen Arbeit weitere Obduktionen vornehmen lassen.
Haider immer noch nicht eingeäschert. Derartige weitere Untersuchungen sind
wohl letztlich der Grund dafür, dass Jörg Haider noch immer nicht im
Villacher Krematorium eingeäschert wurde.
Derzeit ist der Leichnam im Kühlhaus eines privaten Bestattungsunternehmens
in Klagenfurt – erst zum Zeitpunkt der Einäscherung soll sie dann ins
Krematorium überstellt werden.
Gewebeproben
Dort wird sie auch bleiben, zumindest so lange, bis
man ihr ein zweites Mal Gewebeproben entnimmt. Das erste Mal wurden ihr
solche Proben bei der Obduktion in der Gerichtsmedizin in Graz entnommen.
Diese Proben gelten einstweilen als Beweisstücke.
Leiche nicht verfrachten
Diese Gewebeproben sind wichtig, denn:
Um eine Untersuchung durchzuführen, muss dadurch nicht, wie noch vor wenigen
Tagen vermutet wurde, die gesamte Leiche quer durch Europa zu einem
Spezialisten geschickt werden. Gerichtsmediziner bestätigen: Einige Teile
aus den Schlüsselstellen des Körpers reichen aus, um genaue Ergebnisse, etwa
über Herzversagen oder Zufuhr von Substanzen wie K.o.-Tropfen, zu bekommen.
Ergebnisse in zwei bis drei Wochen
Welche Schlüsselstellen das
sind, hängt ganz von der Untersuchung ab. Will man zum Beispiel feststellen,
ob Haider zum Beispiel K.o.-Tropfen oder Schlafmittel verabreicht wurden,
muss eine Blut- oder Harnuntersuchung durchgeführt werden.
Dort können die Toxikologen kleinste chemische Spuren nachweisen. Normal
dauert eine solche Untersuchung mehrere Wochen, in derart dringenden Fällen
allerdings sind binnen zwei bis drei Tage alle Ergebnisse bekannt.
Die Spezialisten für solche Untersuchungen sind etwa die Gerichtsmedizin
München oder auch St. Gallen in der Schweiz. In Italien gibt es kein
nennenswertes gerichtsmedizinisches Institut. Dafür aber eines in
Österreich: Die Gerichtsmedizin Innsbruck gehört zu den besten Instituten
weltweit.
Hatte Haider Herzinfarkt?
Will man jedoch nachweisen, dass Haider
an einem Herzinfarkt oder Gehirnschlag starb, den er kurz vor dem Unfall
erlitten haben könnte, brauchen die Ärzte dafür geeignete Gewebeproben aus
den jeweiligen Organen.
Diese sogenannten morphologischen Untersuchungen müssen von Spezialisten
durchgeführt werden, die sich speziell mit Herzinfarkten auskennen. Der
Familie würde es dabei frei stehen, welchen Arzt sie wählt. Eine
morphologische Untersuchung dauert für gewöhnlich zwei bis drei Stunden.
Erst wenn diese Untersuchungen abgeschlossen sind, kann man letztlich im
Detail sagen, ob nun Alkohol oder andere Ursachen am Tod Haiders Schuld
tragen.
Erst dann, wenn absolute Klarheit herrscht, werden Haiders sterbliche
Überreste, so wie von ihm verfügt, tatsächlich eingeäschert und danach in
einer Kapelle im Bärental beigesetzt.