Sonderthema:

Claudia Haider

© Erich Reismann

"So habe ich Jörg Lebewohl gesagt"

Vier Wochen dauerte es, bis Jörg Haider seine letzte Ruhestätte finden konnte. Vergangenen Montag wurde die Urne von Kärntens Landeshauptmann im Bärental im Kreise seiner engsten Familie beigesetzt. Claudia Haider, die am Samsatg beim BZÖ-Parteitag eine berührende Rede hielt, erzählt im ÖSTERREICH-Gespräch, wie sie von ihrem Mann Abschied nahm.

Begräbnis mit drei Priestern
Es ist ein schlichtes Holzkreuz, das unmittelbar neben der kleinen Kapelle St. Michael liegt. Rings herum der dichte Wald des Bärentals, der in den schönsten Herbstfarben leuchtet. An diesem idyllischen Ort wartete am Montagmittag Claudia Haider mit ihren Töchtern Ulrike und Cornelia, der engsten Familie und drei befreundeten Priestern auf die Urne ihres verstorbenen Mannes. Nur 30 Gehminuten vom Privathaus der Haiders entfernt sollte Jörg Haider vier Wochen nach seinem tragischen, tödlichen Unfall die letzte Ruhe finden. Es ist eine würdige, sehr besinnliche Trauerfeier geworden. So wie sich Claudia Haider das erhofft hatte:

„Das Bärental ist eine wunderbare Ruhestätte für meinen Mann, denn hierher wollte er auch an seinem Todestag. Es war ein feierliches Begräbnis mit drei Priestern. Die gesamte Familie war da. Nach der Beerdigung haben wir im Haus noch lange weitergebetet.“

Schlichtes Grab
Die letzte Ruhestätte von Kärntens Landeshauptmann hat Claudia Haider ganz bewusst ausgewählt. Für die gläubige Witwe gehört ein Friedhof einfach in die Nähe einer Kapelle. Nirgendwo anders könnte sie sich das Grab im 16 Hektar großen Bärental besser vorstellen. Ein Mausoleum wird Claudia Haider allerdings nicht errichten.

„Noch ist es ein provisorisches Kreuz. Es wird eine gewisse Zeit brauchen, bis ich den richtigen Grabstein gefunden habe. Ich setze mich damit in meiner Trauerarbeit sehr intensiv auseinander. Nur eines weiß ich jetzt schon bestimmt: Es wird ein bescheidenes Grab. Denn auch mein Mann war ein bescheidener Mensch.“

100 Kondolenzbücher
Vier Wochen nach dem plötzlichen Tod von Jörg Haider ebbt die Welle der Anteilnahme noch immer nicht ab. Hundert Kondolenzbücher, vollgeschrieben mit berührenden Trauersprüchen, hat Claudia Haider mittlerweile zugeschickt oder persönlich überreicht bekommen.

„Für mich sind das alles festgehaltene Liebeserklärungen. Es zeigt mir, was ich schon immer gewusst habe: Mein Mann hat stets die Herzen der Menschen berührt. Nicht zuletzt, weil er es als seine Lebensaufgabe gesehen hat, die Lebensumstände des kleinen Mannes zu verbessern. Er hat den Menschen Hoffnung gegeben. Das haben die Österreicher geschätzt und gespürt.“

Kraftort
Angesichts der anhaltenden kollektiven Trauer liegt die Vermutung nahe, dass Jörg Haiders Grab für seine Anhänger bald zu einer Art Kultstätte werden könnte. Die Witwe zeigt Verständnis für diese Anteilnahme, auch wenn das Bärental dann viel von seiner fast heiligen Ruhe einbüßen könnte.

„Jeder, der eine Kerze am Grab anzünden will, kann ins Bärental kommen. Die Umgebung rund um die Kapelle ist ein kraftbringender Ort. Hier lassen uns die Natur und der Wald des Bärentals alles spüren, was sie zu bieten haben.“

Auch wenn Claudia Haider mitten in ihrem Kraftfeld Bärental lebt, wird es noch viele Wochen, Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, bis sie ihre Trauer bewältigt hat. Zu groß ist der Verlust, der ihr am „Schicksalstag“, am 11. Oktober um 1.18 Uhr, zugestoßen ist.

„Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen, welches Loch sich hier aufgetan hat. Plötzlich ist man mit dem Tod so drastisch konfrontiert. Seit der Unfall passiert ist, fühle ich mich, als würde ich auf der anderen Seite leben. Ich weiß nicht, womit das zusammenhängt: Mit dem unfassbaren Verlust? Oder weil so viel weggebrochen ist? Die Trauer ist ein steiniger Weg für mich, der sicher länger als ein Jahr dauern wird.“

Kein Gefühl der Wut
Obwohl Claudia Haiders Leben seit dem 11. Oktober auf den Kopf gestellt ist und für sie eine neue Zeitrechnung begonnen hat – „In meinem Leben gibt es jetzt nur mehr ein bishin und ein seither“ – empfindet sie keine Wut, dass Jörg Haider in jener Nacht sein Leben so leichtsinnig und fast fahrlässig ausgelöscht hat.

„Das Gefühl der Wut ist in der Trauerarbeit noch nicht hochgekommen. Vielleicht, weil ich auch weiß, dass mich die Wut keinen Millimeter weiterbringen wird. Denn ich werde nie eine Antwort bekommen. Ich bin überzeugt, dass jedem Menschen sein Ableben vorbestimmt ist.“

Starke Worte von Claudia Haider
Was der Witwe jetzt bleibt, sind die beinahe täglichen Spaziergänge zur Grabstätte, an der sie ein Licht entzündet und betet. Es gab sicher viele Momente im Leben der Waldpädagogin, an denen sie sich gewünscht hätte, ihrem Mann jederzeit räumlich so nah sein zu können.

„Bei den wichtigen Punkten in unserem Leben waren wir immer zusammen. Wir hatten 32 schöne Jahre miteinander, aber sie hätten noch länger dauern können. Aber wenn Gott ruft, dann muss man gehen. Und die Hinterbliebenen sollten kein Fragezeichen setzen, wo Gott einen Punkt setzt.“

Ida Metzger

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