15. November 2008 21:39
Vier Wochen dauerte es, bis Jörg Haider seine letzte Ruhestätte finden
konnte. Vergangenen Montag wurde die Urne von Kärntens Landeshauptmann im
Bärental im Kreise seiner engsten Familie beigesetzt. Claudia Haider, die am
Samsatg beim BZÖ-Parteitag eine berührende Rede hielt, erzählt im
ÖSTERREICH-Gespräch, wie sie von ihrem Mann Abschied nahm.
Begräbnis mit drei Priestern
Es ist ein schlichtes
Holzkreuz, das unmittelbar neben der kleinen Kapelle St. Michael liegt.
Rings herum der dichte Wald des Bärentals, der in den schönsten Herbstfarben
leuchtet. An diesem idyllischen Ort wartete am Montagmittag Claudia Haider
mit ihren Töchtern Ulrike und Cornelia, der engsten Familie und drei
befreundeten Priestern auf die Urne ihres verstorbenen Mannes. Nur 30
Gehminuten vom Privathaus der Haiders entfernt sollte Jörg Haider vier
Wochen nach seinem tragischen, tödlichen Unfall die letzte Ruhe finden. Es
ist eine würdige, sehr besinnliche Trauerfeier geworden. So wie sich Claudia
Haider das erhofft hatte:
„Das Bärental ist eine wunderbare Ruhestätte für meinen Mann, denn hierher
wollte er auch an seinem Todestag. Es war ein feierliches Begräbnis mit drei
Priestern. Die gesamte Familie war da. Nach der Beerdigung haben wir im Haus
noch lange weitergebetet.“
Schlichtes Grab
Die letzte Ruhestätte von Kärntens
Landeshauptmann hat Claudia Haider ganz bewusst ausgewählt. Für die gläubige
Witwe gehört ein Friedhof einfach in die Nähe einer Kapelle. Nirgendwo
anders könnte sie sich das Grab im 16 Hektar großen Bärental besser
vorstellen. Ein Mausoleum wird Claudia Haider allerdings nicht errichten.
„Noch ist es ein provisorisches Kreuz. Es wird eine gewisse Zeit brauchen,
bis ich den richtigen Grabstein gefunden habe. Ich setze mich damit in
meiner Trauerarbeit sehr intensiv auseinander. Nur eines weiß ich jetzt
schon bestimmt: Es wird ein bescheidenes Grab. Denn auch mein Mann war ein
bescheidener Mensch.“
100 Kondolenzbücher
Vier Wochen nach dem plötzlichen Tod von
Jörg Haider ebbt die Welle der Anteilnahme noch immer nicht ab. Hundert
Kondolenzbücher, vollgeschrieben mit berührenden Trauersprüchen, hat Claudia
Haider mittlerweile zugeschickt oder persönlich überreicht bekommen.
„Für mich sind das alles festgehaltene Liebeserklärungen. Es zeigt mir, was
ich schon immer gewusst habe: Mein Mann hat stets die Herzen der Menschen
berührt. Nicht zuletzt, weil er es als seine Lebensaufgabe gesehen hat, die
Lebensumstände des kleinen Mannes zu verbessern. Er hat den Menschen
Hoffnung gegeben. Das haben die Österreicher geschätzt und gespürt.“
Kraftort
Angesichts der anhaltenden kollektiven Trauer liegt die
Vermutung nahe, dass Jörg Haiders Grab für seine Anhänger bald zu einer Art
Kultstätte werden könnte. Die Witwe zeigt Verständnis für diese Anteilnahme,
auch wenn das Bärental dann viel von seiner fast heiligen Ruhe einbüßen
könnte.
„Jeder, der eine Kerze am Grab anzünden will, kann ins Bärental kommen. Die
Umgebung rund um die Kapelle ist ein kraftbringender Ort. Hier lassen uns
die Natur und der Wald des Bärentals alles spüren, was sie zu bieten haben.“
Auch wenn Claudia Haider mitten in ihrem Kraftfeld Bärental lebt, wird es
noch viele Wochen, Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, bis sie ihre
Trauer bewältigt hat. Zu groß ist der Verlust, der ihr am „Schicksalstag“,
am 11. Oktober um 1.18 Uhr, zugestoßen ist.
„Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen,
welches Loch sich hier aufgetan hat. Plötzlich ist man mit dem Tod so
drastisch konfrontiert. Seit der Unfall passiert ist, fühle ich mich, als
würde ich auf der anderen Seite leben. Ich weiß nicht, womit das
zusammenhängt: Mit dem unfassbaren Verlust? Oder weil so viel weggebrochen
ist? Die Trauer ist ein steiniger Weg für mich, der sicher länger als ein
Jahr dauern wird.“
Kein Gefühl der Wut
Obwohl Claudia Haiders Leben seit dem
11. Oktober auf den Kopf gestellt ist und für sie eine neue Zeitrechnung
begonnen hat – „In meinem Leben gibt es jetzt nur mehr ein bishin und ein
seither“ – empfindet sie keine Wut, dass Jörg Haider in jener Nacht sein
Leben so leichtsinnig und fast fahrlässig ausgelöscht hat.
„Das Gefühl der Wut ist in der Trauerarbeit noch nicht hochgekommen.
Vielleicht, weil ich auch weiß, dass mich die Wut keinen Millimeter
weiterbringen wird. Denn ich werde nie eine Antwort bekommen. Ich bin
überzeugt, dass jedem Menschen sein Ableben vorbestimmt ist.“
Starke Worte von Claudia Haider
Was der Witwe jetzt bleibt, sind
die beinahe täglichen Spaziergänge zur Grabstätte, an der sie ein Licht
entzündet und betet. Es gab sicher viele Momente im Leben der Waldpädagogin,
an denen sie sich gewünscht hätte, ihrem Mann jederzeit räumlich so nah sein
zu können.
„Bei den wichtigen Punkten in unserem Leben waren wir immer zusammen. Wir
hatten 32 schöne Jahre miteinander, aber sie hätten noch länger dauern
können. Aber wenn Gott ruft, dann muss man gehen. Und die Hinterbliebenen
sollten kein Fragezeichen setzen, wo Gott einen Punkt setzt.“
Ida Metzger