12. November 2009 21:54
„Eine Chuzpe ist“, kicherte der legendäre Wiener Strafverteidiger Michael
Stern gern, "wenn einer Vater und Mutter umbringt – und dann vor Gericht auf
mildernde Umstände plädiert, weil er Vollwaise ist.“ Seit
Montag gibt es ein besseres Beispiel. Die Quelle: Der Mann, der seine
Tochter 24 Jahre in ein Kellerverlies gesperrt und 3.000-mal vergewaltigt
hat. Der Mann, dessen Name weltweit zum Begriff für Grauen wurde.
Denn am 9. November schickte der Tullner Anwalt Walter Anzböck an mehrere
Medien Post mit der Dachzeile „Betrifft: Konkurs Josef Fritzl“ ab. Inhalt:
Die Medieninhaber mögen an den Gemeinschulder Fritzl (74) eine Entschädigung
überweisen, weil sie ihn wiederholt als „Inzest-Vater“, „Inzest-Täter“ und
„Monster“ bezeichnet haben. Überdies seien Bilder des
Jahrhundertverbrechers, der im März eine lebenslange Haftstrafe bekam, ohne
seine ausdrückliche Zustimmung veröffentlicht worden, was Fritzls
Persönlichkeitsrechte verletze.
Seit Februar läuft Konkursverfahren
Vorschlag des Advokaten:
Eine Abschlagszahlung von 100.000 Euro, damit Fritzl von Klagen absieht,
allerdings könne man auch über „wirtschaftlich vertretbare
Vergleichsangebote“ reden. Chuzpe ist, wenn ein Kapitalverbrecher Kapital
daraus schlagen will, dass über seine unfassbare Straftat umfassend
berichtet wird.
Hintergrund der Groteske: Am 9. Februar 2009 wurde über „Fritzl Josef,
Vermietung und Verpachtung“ am Landesgericht St. Pölten ein Konkursverfahren
eröffnet (Zahl 14 S 24/09). Und Masseverwalter des gruseligen Schuldners ist
Anwalt Walter Anzböck.
Zur Erinnerung: Der Horror-Vater hat über Jahrzehnte ein Doppelleben
geführt. Während er seine Tochter und drei Inzest-Kinder im Keller des
eigenen Hauses gefangen hielt, kaufte er mit Hypothekarkrediten sechs
Liegenschaften für Immobilienspekulationen an. Größtes Projekt war die
Errichtung von 13 Reihenhäusern in Amstetten. Es wurde nie realisiert, denn
mit Fritzls Verhaftung brach das Finanzkarussell ein. Und rund drei
Millionen Euro Schulden wurden schlagend.
Memoiren-Verbot
Masseverwalter Anzböck hat Fritzls Pleite bisher
tadellos gemanagt. Bis auf das offenbar unverkäufliche Horror-Haus fand er
für alle Liegenschaften Interessenten. Dann aber geriet der Fall aus den
Fugen. Fritzls Fiasko: Nach seiner Verurteilung fordert die Finanzprokuratur
die immensen Betreuungskosten seiner Opfer im Klinikum Mauer ein. Und auch
Opferanwalt Christoph Herbst meldet für die gequälte Familie hohen
Schadenersatz an.
Für gutes Geld seine Memoiren zu schreiben, wurde Fritzl gerichtlich
untersagt. Jetzt lässt er seinen Masseverwalter schreiben – auf Teufel komm
raus.