26. August 2009 18:29
20.42 Uhr vor dem Kremser Supermarkt. Es ist stockdunkel. Wie aus dem Nichts
tauchen plötzlich sieben Fahrzeuge von Justiz und Polizei auf, parken vor
dem hell erleuchteten Supermarkt. Blitzschnell sperren 20 Polizisten im
Umkreis von hundert Metern den Tatort ab. Die Todesschüsse in der Nacht von
4. auf 5. August – jetzt wurden sie rekonstruiert.
Vor exakt drei Wochen lösen zwei Jugendliche um 2.28 Uhr den stillen Alarm
aus. Eine Polizeistreife raste an den Tatort.
Dann überstürzten sich die Ereignisse. In einem dunklen Winkel des
Supermarktes treffen die beiden Polizisten, ein Mann und eine Frau, auf die
Einbrecher. Sie fühlen sich bedroht. Die Täter sind bewaffnet. Erst später
stellt sich heraus: Mit einem Schraubenzieher und einer Gartenhaue.
Dann fallen Schüsse. Der 14-jährige Florian P. stirbt, sein Komplize Roland
T. erleidet einen Oberschenkelschuss. Aber: Vieles bleibt im Unklaren. Der
Lokalaugenschein in der Nacht sollte alles klären.
„Da, der Roland“
Im Fünf-Minuten-Takt füllt sich
langsam der Parkplatz: Mit vier Pkws rückt die Sonderkommission aus Linz an,
dann kommen Staatsanwalt Friedrich Köhl, der Schuss-Sachverständige Ingo
Wieser, Gerichtsmediziner Christian Reiter. Fünf Jugendliche – Freunde von
Florian P. – stehen neugierig daneben: „Da hinten steht der Roland“, sagt
einer. Er sitzt seit dem Tattag in U-Haft.
Knapp nach 21 Uhr treffen die beiden Polizisten Andreas K. und Susanne G.
ein. Sie haben in jener Nacht geschossen. Der 28-jährige Rumäne, der im
Fluchtwagen gewartet hatte, erscheint als Letzter.
Die Rekonstruktion beginnt. Die Glasfront des Supermarktes ist mit Papier
verhängt. Das Einschussloch an Metallstrebe Nummer 6 soll verborgen bleiben.
Von Weitem sieht man Roland T. Er trägt einen Kapuzenpullover.
Dann die erste Aufregung. Polizistin Susanne G. erleidet einen
Nervenzusammenbruch. Der Lokalaugenschein steht vor dem Abbruch. Dann
entscheiden alle: Es geht weiter. Fast die ganze Nacht lang.
Erste Details dringen nach außen. Etwa über den Augenblick, bevor die
Schüsse fielen. So soll einer der Täter mit hochgezogenem Arm auf die
Polizisten losgerannt sein. Glaubte der Polizist, der Täter hätte eine
Waffe?