Sex-Trainerin:

ÖSTERREICH-Interview

Sex-Trainerin: "Wir wollen Kinder"

Liebe kennt kein Alter - Dieses Motto haben Handballtrainerin Renata (42) und ihr Ex-Schützling Erwin (15) zur ihrer Lebensphilosophie gemacht. Vor sechs Monaten ging ihre "unmögliche" Lovestory um die Welt. Darf eine Frau über 40 einen Teenager lieben? Diese Frage wurde an den Stammtischen des Landes heiß diskutiert.

Zur Erinnerung:
Das Handballtalent Erwin aus Wiener Neustadt war zarte 13 Jahre alt – um 28 Jahre jünger als seine Geliebte –, als die Affäre ihren Anfang nahm. Fünf Monate vor seinem 14. Geburtstag hatten die beiden ihre Hormone nicht mehr im Griff, und es passierte der strafbare Akt. Erwin und Renata gingen miteinander ins Bett. Sie beichteten ihre Liebe den Eltern. Der Stiefvater von Erwin verstand die Welt nicht mehr und zeigte die Handballtrainerin an. Renata wurde angeklagt, das Urteil der Richterin fiel milde aus: 22 Monate bedingt wegen Verführung eines Minderjährigen.

Ein halbes Jahr später starten die beiden voll durch. Sie schreiben an einem Buch 41 und 14, das im Oktober erscheint. "Darin möchte ich zeigen, dass Erwin kein Opfer ist", sagt Renata Juras. Der Prozess und die moralische Verurteilung haben die beiden noch enger zusammengeschweißt. "Vor Renata war ich auch schon glücklich. Aber die Liebe zu ihr ist das Größte", schwärmt der reife Teenager.
 

"Warum soll unsere Liebe unmoralisch sein?"

Sextrainerin mit Liebhaber © TZ ÖSTERREICH/Kernmayer
                                                               © TZ ÖSTERREICH/Kernmayer

ÖSTERREICH: Vor sechs Monaten lief der Prozess gegen Sie. Wie geht es Ihnen denn heute? Seid Ihr noch immer glücklich?
Erwin: Der Druck ist weg, das ist eine große Erleichterung. Ich hatte große Angst, dass Renata vielleicht doch eine Gefängnisstrafe bekommt. Jetzt sind wir frei und werden von Tag zu Tag glücklicher. Ich muss sagen: Je länger ich mit Renata zusammen bin, umso weniger kann ich mir vorstellen, ohne sie zu sein. Ich liebe sie jeden Tag mehr.
Renata: Du schaffst es immer wieder, mich zum Weinen zu bringen. (Tupft sich die Augen trocken.)

ÖSTERREICH: Wie leben Sie jetzt zusammen?
Renata: Wir leben nach wie vor im gleichen Haus in Wiener Neustadt (NÖ, Anm.). Erwin wohnt mit seiner Mutter im Dachgeschoss und ich mit meiner jüngeren Töchter im ersten Stock. Aber die meiste Zeit ist Erwin bei mir.

ÖSTERREICH: Sie haben durch die Liebe zu Erwin ­Ihren Job als Handballtrainerin verloren. Wovon leben Sie heute?
Renata: Ich gebe Business-Englisch-Unterricht im Zuge einer Erwachsenenbildung. Dazu arbeite ich als Vertreterin einer Sportartikelfirma. Das Sportgeschäft habe ich aufgegeben. Aber ich bereue es nicht. Ich wusste von Anfang an, welche Konsequenzen unsere Liebe haben wird. Es gab nur zwei Alternativen: Job oder Erwin. Ein dritter Weg war nicht möglich. Ich bin nicht naiv in die Beziehung gegangen. Mir war klar, dass schwere Tage auf uns zukommen werden und welche Titelseiten es geben wird, wenn unsere Liebe bekannt wird. Aber Erwin war es mir wert.

ÖSTERREICH: Vor sechs Monaten diskutierte das ganze Land, ob Ihre Beziehung unmoralisch ist. Wie denken Sie darüber, und kämpfen Sie noch heute mit Vorurteilen?
Erwin: Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass ich in der Schule gehänselt werde. Aber das ist nicht der Fall.
Renata: Im Herbst kommt ein Buch über unsere Liebesgeschichte auf den Markt, aber ich möchte auch einmal ein Buch über die Moral in unserer Gesellschaft schreiben. Denn ich bin überzeugt, dass Erwin und ich eine sehr moralische Beziehung führen. Andere heiraten nur wegen Geld oder eines Hauses. Wir haben nichts außer unserer Liebe. Warum soll das unmoralisch sein?

ÖSTERREICH: Stichwort heiraten: Gab es schon einen Heiratsantrag?
Erwin: Nein, noch nicht. Aber das heißt nicht, dass es noch lange dauern wird, bis ich um Renatas Hand anhalte.
Renata: … Das höre ich jetzt zum ersten Mal (lacht).

ÖSTERREICH: Gab es schon eine Verlobung?
Renata: Zum Valentinstag hat Erwin mir einen Ring geschenkt (zeigt den Silberring stolz her). Aber es war noch kein offizieller Verlobungsring.

ÖSTERREICH: Sie sind 42 Jahre. Können Sie sich vorstellen, auch noch ein Kind mit Erwin zu bekommen?
Renata: Ja, sicher. Aber es muss nicht gleich sein, auch wenn ich schon 42 bin. Aber wir leben nicht mehr im Mittelalter, dass ich nicht noch in ein paar Jahren ein Kind bekommen kann.

ÖSTERREICH: Sie sind 28 Jahre älter als Erwin. Haben Sie keine Angst, dass er sich in ein junges Mädchen verlieben könnte?
Renata: Der Eifersüchtige in unserer Beziehung ist Erwin, obwohl es eigentlich umgekehrt sein müsste. Aber generell denke ich, Menschen sind keine Waschmaschinen, die mit einer Garantie geliefert werden. Deswegen mache ich mir darüber keine Gedanken, denn eine Garantie gibt es im Leben für nichts.
Erwin: Renata ist eine sehr attraktive Frau. Ich vertraue ihr voll, aber trotzdem mag ich es nicht, wenn ich sehe, dass ein Mann in ihre Richtung schaut oder Renata einen anderen Mann vielleicht attraktiv findet.

ÖSTERREICH: Und wie reagieren Sie, wenn Erwin mit seinen Freunden in die Disco gehen will?
Renata: Erwin ist ein sehr konservativer und ein ernster junger Mensch. Er geht nicht gerne in Discos, das nervt ihn eher. Er hasst ­Zigaretten und Alkohol. Wir gehen gerne laufen oder schauen gemeinsam Champions League.

ÖSTERREICH: Stimmt das?
Erwin: Ich bin kein Partymensch. Bis spät in die Nacht aufbleiben, das war noch nie etwas für mich.

ÖSTERREICH: Frau Juras, läuft man bei einem so großen Altersunterschied nicht Gefahr, zur Ersatzmutter zu werden?
Renata: Das ist es ja, was unsere Beziehung so besonders macht. Ich habe mich nie überlegen gefühlt. Erwin ist ein intelligenter junger Mensch. Ich habe auch weniger Erfahrung als meine Großmutter, aber trotzdem unterhalten wir uns auf gleicher Augenhöhe. Ich kann mich an Tagen, wo es mir schlecht geht, fallen lassen, und Erwin fängt mich auf. Das war auch beim Prozess so. Er war damals mein Ruhepol. Ich liebe seine Intelligenz und sein großes Herz.

ÖSTERREICH: Was wünscht Du Dir für Eure Zukunft?
Erwin: Ich möchte so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen, um für Renata sorgen zu können. Mein Traum ist es, Renata etwas bieten zu können.

ÖSTERREICH: Was willst du ihr bieten?
Erwin: Ich besuche eine HTL für Hoch- und Tiefbau. Es wäre schön, wenn ich Renatas Traumhaus planen und auch einmal bauen könnte.

ÖSTERREICH: Frau Juras, wenn Erwin so alt ist, wie Sie es jetzt sind, dann sind Sie schon fast 70. Keine Angst davor?
Renata: Ganz im Gegenteil. Jetzt ist der Altersunterschied am extremsten. Je älter Erwin wird, umso unwichtiger wird der Unterschied werden.

ÖSTERREICH: Sie sind also überzeugt, dass Ihre Liebe für ewig hält …
Erwin: Wenn es so weitergeht wie jetzt, auf jeden Fall. Wir sind schon seit 18 Monaten zusammen, und es ist eigentlich nichts von unserer Liebe und unserer Vertrautheit verloren gegangen.
 

Autor: Ida Metzger
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