Weltweite Aufregung um Fritzl-Psychogramm

Nach Enthüllung

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Weltweite Aufregung um Fritzl-Psychogramm

Von Großbritannien über Australien bis nach Thailand – das von ÖSTERREICH veröffentlichte psychologische Gutachten über Josef Fritzl sorgt weltweit für Aufregung. „Keller-Vater war geboren, um zu vergewaltigen“, titelt etwa die Herald Sun aus Melbourne in ihrer Online-Ausgabe.

Kein Wunder: Das 130 Seiten starke Dokument, verfasst von der Linzer Expertin Heidi Kastner, lässt niemanden kalt. Die Psychiaterin hat versucht, in sechs Sitzungen mit Fritzl herauszufinden, wie ein Mensch zu einer solchen Horrortat fähig ist.

Experten schließen sich jetzt der Analyse Kastners an, wonach Fritzl unter schweren Persönlichkeitsstörungen leidet, die aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr geheilt werden können.

Keine Therapie möglich
Wie sehen andere renommierte Experten den Fall?

„Ich glaube nicht, dass man da eine Therapie machen kann, die zur Ungefährlichkeit führt. Das sieht offensichtlich die Sachverständige auch so, sonst hätte sie nicht diese negative Zukunftsprognose erstellt“, sagt etwa Reinhard Haller, Kriminalpsychologe und leitender Mediziner in Vorarlberg.

ÖSTERREICH: Hat Sie das Gutachten überrascht?
Reinhard Haller: Es war klar, dass Fritzl nicht geisteskrank ist. Das wäre mit einer so komplexen Tat und einem so hohen Planungsgrad nicht vereinbar.
ÖSTERREICH: Fritzl wurde von seiner Mutter sadistisch misshandelt. Ist das die Ursache?
Haller: Offensichtlich ist Fritzl einmal Opfer gewesen – wie so viele Sexualtäter. Die damalige Situation wird reinszeniert, mit umgekehrten Rollen.
ÖSTERREICH: Kann man die Krankheit heilen?
Haller: Ich glaube nicht, dass eine Therapie zur Ungefährlichkeit führt. Das sieht offensichtlich die Sachverständige auch so, sonst hätte sie nicht diese negative Zukunftsprognose erstellt.
ÖSTERREICH: Reicht ein Gutachten für die Tat?
Haller: Das entscheidet das Landesgericht. Bei anderen großen Taten gibt es oft mehrere Gutachter. Aber es ist bei einem solchen Verbrechen immer wichtig, wenn man viele Erklärungen bekommt

Heute veröffentlicht ÖSTERREICH weitere brisante Auszüge aus der Analyse der Linzer Top-Ärztin.

Eine der aufwühlendsten Passagen: Fritzl beteuert gegenüber der Medizinerin, er hoffe auf einen gemeinsamen Lebensabend mit seiner Frau und den Kindern, die er jahrelang missbraucht hat. Zudem versucht das Gutachten, Erklärungen dafür zu liefern, wie Fritzl dazu fähig war, seine Tochter und später die mit ihr gezeugten Kinder bis zu 24 Jahre in einen Keller zu sperren. So sei beim ihm die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung eines Doppellebens „exorbitant“. Außerdem sei er überdurchschnittlich intelligent.

Fritzl muss sich Anfang nächsten Jahres vor Gericht für seine Taten verantworten. Es drohen ihm Haft und Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher bis an sein Lebensende.

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