13. August 2009 12:16
Florian P., am Mittwoch vergangener Woche als mutmaßlicher Einbrecher in
einem Merkur-Markt in Krems durch ein Projektil aus einer Polizeiwaffe
getötet, ist am Donnerstagnachmittag in seiner niederösterreichischen
Heimatstadt beigesetzt worden. Etwa 200 Menschen, drei Viertel davon
Jugendliche, gaben dem 14-Jährigen das letzte Geleit. Bereits zuvor hatte in
der Pfarrkirche Krems-Lerchenfeld die Seelenmesse stattgefunden.
"Abschied nehmen"
Beim Begräbnis hat die Musikwahl die
Trauernden tief berührt: Noch bevor sich der Kondukt von der
Aufbahrungshalle des Friedhofs an der Wiener Straße zur letzten Ruhestätte
des 14-Jährigen in Bewegung setzte, erklang Xavier Naidoos "Abschied
nehmen". Florians Mutter klagte über den Sarg ihres Kindes gebeugt: "Die
haben mir den Buben weggenommen." Auf dem Sarg befand sich ein Bouquet
mit weißen und roten Rosen. "Du warst unser alles. Wir vermissen
Dich", war auf der weißen Schleife zu lesen. "In Liebe und
tiefem Schmerz" stand auf dem mit roten Rosen bestückten großen Kranz
der Eltern und Brüder.
14 aufgestellte Kerzen symbolisierten die Lebensjahre des Jugendlichen. In
der Mitte befand sich die Taufkerze. Zum Gedenken an Florian P. waren
Kärtchen mit seinem Foto aufgelegt, auf dem die Angehörigen "für
alle Zeichen der Liebe und Freundschaft" und auch "für das letzte
Geleit" dankten. Auf der Parte nahmen Eltern, Brüder, Oma, Tanten und
Onkel, Cousin und Cousinen sowie alle Verwandten und Freunde Abschied von
Florian P., "welcher auf tragische Weise im Alter von 14 Jahren viel zu
früh von uns genommen wurde".
Laute Kritik an Ermittlungsverlauf
Immer lauter wird die Kritik
am bisherigen Ermittlungsverlauf um die Schüsse in einem Kremser Supermarkt,
wovon einer den 14-jährigen Florian P. das Leben gekostet hat. Die
Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai), die Vereinigung der
Österreichischen StrafverteidigerInnen und der Wiener Strafrechtsprofessor
Helmut Fuchs taten am Donnerstag diesbezüglich deutlich ihren Unmut kund.
Die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien wies die Kritik "aufs
Vehementeste" zurück, wie Behördensprecherin Ilse-Maria Vrabl-Sanda
betonte. Es werde "sorgfältigst ermittelt, da kann sich die Bevölkerung
sicher sein".
"So intransparent wie möglich"
Daran zweifelt
Heinz Patzelt, der Österreich-Generalsekretär von amnesty international.
Nach dem anfänglichen Schock über den Tod des 14-Jährigen wären die Behörden
mit ihren Untersuchungen "in den typischen Trott des so wenig als
möglich, so leise als möglich und so intransparent als möglich verfallen",
bemerkte Patzelt.
Dass die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Korneuburg geleitet werden,
hält Patzelt für bedenklich: "Man hätte damit eine Behörde
außerhalb von Niederösterreich betrauen sollen, beispielsweise die neu
geschaffene Korruptionsstaatsanwaltschaft." Völlig unbegreiflich sei
es, dass es drei Tage dauerte, bis der Akt - noch dazu unvollständig - aus
Krems in Korneuburg einlangte: "Das wirkt so, als ob man Akten immer
noch mit Ochsenkarren durch die Gegend karren müsste."
Keine gerichtlichen Beweisaufnahmen beantragt
Der Wiener
Strafrechtsprofessor Helmut Fuchs wiederum findet es "verwunderlich",
dass die Staatsanwaltschaft im gegenständlichen Fall keine gerichtlichen
Beweisaufnahmen beantragt hat. Er verweist auf den § 101 Absatz 2
Strafprozessordnung (StPO), demzufolge die Anklagebehörde als Leiterin des
Ermittlungsverfahrens Beweisaufnahmen durch das Gericht beantragen kann, "wenn
an solchen wegen der Bedeutung der aufzuklärenden Straftat und der Person
des Tatverdächtigen ein besonderes öffentliches Interesse besteht".
Ins selbe Horn stieß Richard Soyer, der Sprecher der Vereinigung der
Österreichischen StrafverteidigerInnen (VÖS): "Es ist für
mich ein Muss, dass sich die Staatsanwaltschaft in Wahrnehmung ihrer
Leitungsfunktion aktiv in die Ermittlungen einbringt."