Florian beigesetzt

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"Wir werden dich nie vergessen!"

Florian P., am Mittwoch vergangener Woche als mutmaßlicher Einbrecher in einem Merkur-Markt in Krems durch ein Projektil aus einer Polizeiwaffe getötet, ist am Donnerstagnachmittag in seiner niederösterreichischen Heimatstadt beigesetzt worden. Etwa 200 Menschen, drei Viertel davon Jugendliche, gaben dem 14-Jährigen das letzte Geleit. Bereits zuvor hatte in der Pfarrkirche Krems-Lerchenfeld die Seelenmesse stattgefunden.

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"Abschied nehmen"
Beim Begräbnis hat die Musikwahl die Trauernden tief berührt: Noch bevor sich der Kondukt von der Aufbahrungshalle des Friedhofs an der Wiener Straße zur letzten Ruhestätte des 14-Jährigen in Bewegung setzte, erklang Xavier Naidoos "Abschied nehmen". Florians Mutter klagte über den Sarg ihres Kindes gebeugt: "Die haben mir den Buben weggenommen." Auf dem Sarg befand sich ein Bouquet mit weißen und roten Rosen. "Du warst unser alles. Wir vermissen Dich", war auf der weißen Schleife zu lesen. "In Liebe und tiefem Schmerz" stand auf dem mit roten Rosen bestückten großen Kranz der Eltern und Brüder.

14 aufgestellte Kerzen symbolisierten die Lebensjahre des Jugendlichen. In der Mitte befand sich die Taufkerze. Zum Gedenken an Florian P. waren Kärtchen mit seinem Foto aufgelegt, auf dem die Angehörigen "für alle Zeichen der Liebe und Freundschaft" und auch "für das letzte Geleit" dankten. Auf der Parte nahmen Eltern, Brüder, Oma, Tanten und Onkel, Cousin und Cousinen sowie alle Verwandten und Freunde Abschied von Florian P., "welcher auf tragische Weise im Alter von 14 Jahren viel zu früh von uns genommen wurde".

Laute Kritik an Ermittlungsverlauf
Immer lauter wird die Kritik am bisherigen Ermittlungsverlauf um die Schüsse in einem Kremser Supermarkt, wovon einer den 14-jährigen Florian P. das Leben gekostet hat. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai), die Vereinigung der Österreichischen StrafverteidigerInnen und der Wiener Strafrechtsprofessor Helmut Fuchs taten am Donnerstag diesbezüglich deutlich ihren Unmut kund.

Die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien wies die Kritik "aufs Vehementeste" zurück, wie Behördensprecherin Ilse-Maria Vrabl-Sanda betonte. Es werde "sorgfältigst ermittelt, da kann sich die Bevölkerung sicher sein".

"So intransparent wie möglich"
Daran zweifelt Heinz Patzelt, der Österreich-Generalsekretär von amnesty international. Nach dem anfänglichen Schock über den Tod des 14-Jährigen wären die Behörden mit ihren Untersuchungen "in den typischen Trott des so wenig als möglich, so leise als möglich und so intransparent als möglich verfallen", bemerkte Patzelt.

Dass die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Korneuburg geleitet werden, hält Patzelt für bedenklich: "Man hätte damit eine Behörde außerhalb von Niederösterreich betrauen sollen, beispielsweise die neu geschaffene Korruptionsstaatsanwaltschaft." Völlig unbegreiflich sei es, dass es drei Tage dauerte, bis der Akt - noch dazu unvollständig - aus Krems in Korneuburg einlangte: "Das wirkt so, als ob man Akten immer noch mit Ochsenkarren durch die Gegend karren müsste."

Keine gerichtlichen Beweisaufnahmen beantragt
Der Wiener Strafrechtsprofessor Helmut Fuchs wiederum findet es "verwunderlich", dass die Staatsanwaltschaft im gegenständlichen Fall keine gerichtlichen Beweisaufnahmen beantragt hat. Er verweist auf den § 101 Absatz 2 Strafprozessordnung (StPO), demzufolge die Anklagebehörde als Leiterin des Ermittlungsverfahrens Beweisaufnahmen durch das Gericht beantragen kann, "wenn an solchen wegen der Bedeutung der aufzuklärenden Straftat und der Person des Tatverdächtigen ein besonderes öffentliches Interesse besteht".

Ins selbe Horn stieß Richard Soyer, der Sprecher der Vereinigung der Österreichischen StrafverteidigerInnen (VÖS): "Es ist für mich ein Muss, dass sich die Staatsanwaltschaft in Wahrnehmung ihrer Leitungsfunktion aktiv in die Ermittlungen einbringt."

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