29. März 2008 08:05
Der im Irak entführte Oberösterreicher Bert Nussbaumer ist tot. Das gab am
Freitag ein Sprecher der US-Bundespolizei FBI in Washington nach der
Identifizierung von Nussbaumers Leichnam bekannt. Der Mitarbeiter einer
privaten Sicherheitsfirma war im November 2006 gemeinsam mit vier
US-Amerikanern gekidnappt worden.
US-Behörden benachrichtigten Familie
Die Familie
Nussbaumers ist bereits von den US-Behörden von dessen Tod benachrichtigt
worden. Das bestätigte Mark Koscielski, der Sprecher der Angehörigen der im
Irak entführten Sicherheitsleute, der APA in der Nacht auf Samstag
telefonisch. Nach FBI-Angaben wird der Leichnam des jungen Mannes nach
Österreich überführt. Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal war
zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Nussbaumers Mutter Maria und sein Bruder Franz hielten sich am Freitag in
der US-Stadt Minneapolis auf, wo sie am "International Summit on
Kidnapping in Iraq" (Internationaler Gipfel zu Entführungen im Irak),
einem Treffen der Angehörigen der Entführten teilnahmen. Dieses war von
Koscielski organisiert worden, einem Freund von Nussbaumers ebenfalls im
Irak getöteten Kollegen Paul Reuben. Kurz zuvor hatte Maria Nussbaumer
gegenüber Journalisten noch ihre Hoffnung ausgedrückt, dass ihr Sohn noch am
Leben sei. Lesen
Sie hier das Interview mit Nussbaumers Mutter!
Weitere Leichen identifiziert
In den vergangenen Tagen waren
die Leichen von drei im November 2006 gemeinsam mit Nussbaumer entführten
Geiseln im Irak gefunden und identifiziert worden. Dabei handelte es sich um
amerikanische Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Crescent Security Group:
Reuben, Joshua Munns und John Ray Young.
Ein weiterer getöteter Amerikaner, Ronald Withrow, hatte für das
Logistikunternehmen JPI Worldwide gearbeitet und war im Jänner 2007 entführt
worden. Von Nussbaumers vierten Kollegen Jonathon Cote fehlt hingegen
weiterhin keine Spur.
Zuletzt hatte es Mitte März neue Informationen über Nussbaumer gegeben. Das
Wiener Außenministerium bestätigte damals, dass man über die US-Behörden im
Irak Informationen über "Fingerabdrücke beziehungsweise DNA-Spuren"
erhalten habe, die Nussbaumer "positiv zugeordnet" werden konnten.
Medienberichte, wonach die abgeschnittenen Finger der Männer an das
US-Militär gesandt worden waren, wurden nie offiziell bestätigt.
Reihe von Skandalen im Fall Nussbaumer:
Keine Reaktion auf das Video der Entführer: Ali (im Bild) , einer der
Entführer, erhielt von US-Behörden keinerlei Reaktion auf das
Entführungsvideo vom Dezember 2006.
Skandal 2: FBI verweigert Lösegeld von 150.000 Dollar . Das US-amerikanische
FBI lehnte von Anfang an Verhandlungen mit den Kidnappern ab. Sogar ein
Lösegeld von lediglich 150.000 US-Dollar soll brüsk abgelehnt worden sein.
Skandal 3: Sicherheitsfirma ging mit Gewalt gegen Diebe vor . Crescent
Security sei nach dem Diebstahl von Lkws erpresst worden, hätten aber statt
des üblichen Zahlens von Schmiergeld Lkws gewaltsam rückgeholt - mit der
Entführung als Folge.
Skandal 4: Österreich war in keiner Weise eingebunden . Die Vorwürfe der
Angehörigen, wonach die US-Behörden nicht einmal auf eine Minimalforderung
der Entführer eingingen, wollte man im Wiener Außenministerium nicht direkt
kommentieren. Denn: "Es hat nie konkrete Forderungen an Österreich
gegeben. Aus unserer Sicht hat es überhaupt keinen Kontakt gegeben",
so der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, gegenüber
ÖSTERREICH. Österreich hätte sich vermutlicher eher als die USA auf 150.000
Dollar Lösegeld einigen können. Über die Vorwürfe sei man nur aus den Medien
informiert, nie aus erster Hand - so der Sprecher des Ministeriums von
Ursula Plassnik (Foto).