28. Juni 2010 10:11
Zu vier Jahren Haft ist am Montag am Landesgericht Salzburg der frühere
Wirtschaftsanwalt Friedrich L. (59) verurteilt worden, der 2,8 Mio. Euro
veruntreut hatte und dann gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Brigitte H.
(40) in der Toskana acht Jahre lang untergetaucht war. Die Freundin kam
wegen Beitragstäterschaft mit einer teilbedingten Haftstrafe von zwei Jahren
- acht Monate davon unbedingt - davon. Die Schuldsprüche sind noch nicht
rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft Strafberufung angemeldet hat.
Setzte sich nach Italien ab
Um 2,8 Millionen Euro hatte der
Anwalt die Konten von 14 Privatpersonen und drei Immobilienfirmen
erleichtert, wie er heute gestand. Mit dem Geld setzte er sich gemeinsam mit
seiner Lebensgefährtin aber nicht am anderen Ende der Welt, sondern im
Nachbarland Italien ab. Zunächst wurden noch falsche Fährten gelegt und hohe
Geldsummen auf verschiedenen Konten in Deutschland, England, Italien und
Liechtenstein gebunkert. Mit rund 1,8 Mio. Euro im Koffer ging es
schließlich in die Toskana, wo das Paar unter falscher Identität ein neues
Leben begann.
Die beiden gründeten eine Kapitalgesellschaft, kauften in den acht Jahren
zwei Häuser, verkauften eines und betrieben dann eine Pension. Sie gaben
sich als "Franz Maringer" beziehungsweise "Barbara Marta" aus und konnten
sich in das gesellschaftliche Leben der Region integrieren. Laut
Staatsanwalt Oliver Schoßwohl lebten sie "von den veruntreuten Geldern, der
Vermietung der Appartements und einer Segeljacht sowie vom Verkauf von
Olivenöl".
Es klickten die Handschellen
Doch am 30. Juli 2009 hatte dieses
neue Leben ein plötzliches Ende: Bei einer Kontrolle der Pension in Reggello
durch die Finanzpolizei wurden sie erkannt, es klickten die Handschellen.
Das Duo wurde inhaftiert und einige Monate später nach Salzburg
ausgeliefert. Brigitte H. kam für eine Kaution von 3.000 Euro frei,
Friedrich H. blieb in U-Haft. Rund 1,2 Mio. Euro wurden sichergestellt.
Beim Prozess, der für zwei Tage anberaumt war, lud der sichtlich abgemagerte
Ex-Anwalt am Montag alle Schuld auf sich und entlastete damit seine
Freundin. Er allein habe die Idee zur Flucht gehabt und Brigitte H. nur
etwas vorgegaukelt: "Wenn sie gewusst hätte, dass es sich um Treuhandgelder
handelt, wäre sie nicht mitgegangen." Selbstkritisch schilderte er auch,
weshalb es mit seiner Kanzlei finanziell stetig bergab gegangen war: "Mein
größter Fehler war, ich konnte nicht wirtschaften. Ich hätte kein Anwalt
werden sollen." Wegen fehlgeschlagener Investments, Fehlüberweisungen und
eines Hausumbaues habe er 15 Mio. Schilling (1,1 Mio. Euro) Schulden
angehäuft. Dann seien noch zwei große Klienten weggebrochen. "Ende 1999 ist
eine Schere aufgegangen, die war nicht mehr zu schließen."
Verwundert über Banken
Von da an erfolgte der Zugriff auf
fremde Konten. Im September 2001, kurz nachdem er seine neue Liebe
kennengelernt hatte, folgte der Entschluss zur Flucht. Verwundert äußerte
sich der Angeklagte in diesem Zusammenhang über das Verhalten der Banken
damals: Trotz seiner hohen Verschuldung hätten ihm diese ohne auch nur
nachzufragen Millionenbeträge in bar ausbezahlt.
Der Liebe hat das jähe Ende des "neuen Lebens" und die inzwischen schon fast
einjährige Untersuchungshaft keinen Abbruch getan: Auf Nachfragen des
Staatsanwaltes, ob sie noch liiert seien, antworteten die beiden Angeklagten
mit "ja". Sie nahmen auch die Urteile an. Brigitte H. hat bereits wieder
eine Arbeitsstelle gefunden. Da die Auslieferungs- und Untersuchungshaft
angerechnet wird, wird sie vermutlich nicht mehr hinter Gitter müssen. Dem
Staatsanwalt waren die Schuldsprüche zu mild, deshalb meldete er
Strafberufung an.