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Top-Cop sprengt Schlepper-Mafia

Mehr als 300 Fälle

Top-Cop sprengt Schlepper-Mafia

Eine in Salzburg lebende Familie wurde als Zentrale der türkisch-rumänischen Schlepper-Mafia überführt. Sie holte Tausende Kurden in die EU.

„Er hat sein Leben lang nichts anderes getan als zu schleppen“, sagt Kripo-Oberstleutnant Christian Voggenberger. Pate Mehmet D. (48) war seit 1994 auf der Flucht. Damals wurde der gebürtige Türke und gelernte Metzger, der seit seinem dritten Lebensjahr in Salzburg gelebt hatte, als Schlepper abgeschoben. Schlepperei war zu dieser Zeit noch ein simples Verwaltungsvergehen. Seit 1995 suchte ihn die Staatsanwaltschaft Eisenstadt per Haftbefehl. Dort sitzt Mehmet D. mittlerweile auch in U-Haft.

Pate
Das Bundeskriminalamt und die Salzburger Kripo gehen davon aus, dass er das Oberhaupt einer türkisch-rumänischen Mafia ist, die auf Schlepperei von Kurden in die EU spezialisiert ist. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Familienclan
Am 29. November hatten Ermittler nach vier Monaten Überwachung in Österreich, Deutschland, Rumänien und Spanien zugeschlagen und alleine in Österreich 16 Mitglieder der „ehrenwerten Familie“ festgenommen: Neben Mehmet D., der in Spanien gelebt hatte, seit er 2005 nach einer vierjährigen Haftstrafe wegen Schlepperei in Frankreich entlassen worden war, wurden kurz auch dessen Eltern, ein in der Türkei lebender Sohn, vier Schwestern und ein Schwager inhaftiert.

Der Mafia-Clan mit dem Rumänen Danut K. (31) als Unterchef hat mehr als 50 Mitglieder. Die Kripo geht von mehreren Tausend geschleppten Kurden aus.
 

Chef-Ermittler Voggenberger: "Boss verdiente pro Fall 400 Euro"

ÖSTERREICH: Wie funktionierte das Schleppen konkret?
Christian Voggenberger: Es gab zwei Routen: Entweder illegal über die Grenze von der Türkei nach Bulgarien und dann weiter über die grüne Grenze nach Rumänien, Ungarn und Österreich. Oder mit dem Flugzeug nach Rumänien. Das war die teurere Variante.

ÖSTERREICH: Wie viel zahlten die Geschleppten?
Voggenberger: Das waren pro Person zwischen 5.000 und 9.000 Euro.

ÖSTERREICH: Ein lukratives Geschäft?
Voggenberger: Auf jeden Fall. Dem Boss in Spanien blieben jeweils 250 bis 400 Euro. Den Rest bekamen die Schlepper an der Strecke und Helfershelfer.

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