Bub (3) starb bei Ärzte-Pfusch

Mutter klagt an

Bub (3) starb bei Ärzte-Pfusch

Im April stirbt Amel (3) in der Innsbrucker Klinik wegen eines falsch gesetzten Einlaufs: Das Spital gibt den Fehler zu – und wird geklagt.

Zwei Stunden ruft die Mutter des kleinen Amel Dedic (3) aus Schwaz in der Kinderklinik nach einem Arzt: Ihr Sohn liegt in Krämpfen und das Fieber steigt unaufhörlich, doch niemand kommt. Zwei Tage später, am 27. April 2010, ist Amel tot. Er musste sterben, weil die Ärzte ihn falsch behandelt haben oder, wie es im Gutachten steht, wegen "grober Sorgfaltspflichtverletzung".

Laut Gutachten haben Ärzte Fehler gemacht
"Ja, wir haben Schuld", erklärt der ärztliche Direktor der Tiroler Landeskrankenanstaltengesellschaft Tilak, Alois Obwegeser, am Mittwoch. Er bittet sogar um ein 5-sekündiges Innehalten: "Wir sind alle sehr, sehr betroffen."

Was war passiert? Amel litt an einer seltenen angeborenen Krankheit, die seine Nieren beeinträchtigte. Im April kam er wegen einer Verstopfung in die Kinderklinik. Dort erhielt er einen phosphathaltigen Einlauf: Es war Amels Todesurteil, denn er war jünger als fünf und hatte eine Niereninsuffizienz: Zwei Risikofaktoren, die die Ärzte einfach ignorierten. Doch dies war nur der erste fatale Fehler.

Mutter flehte zwei Stunden um Hilfe: Kein Arzt kam
Der zweite Fehler war, dass die Ärzte viel zu spät reagierten – erst nachdem die Mutter zwei Stunden um Hilfe gefleht hatte, weil ihr Sohn aufgrund des Einlaufs immer höheres Fieber und Krämpfe bekam. Und auch hier räumt die Tilak heute ein: "Ja, die Chancen wären für den Buben größer gewesen", wenn rascher Hilfe gekommen wäre.

Den Tod des Buben haben zwei Ärzte zu verantworten: Einer davon gilt als sehr erfahren, der zweite Arzt sei noch in Ausbildung, erklärt Obwegeser. Sie würden nach wie vor in der Klinik arbeiten, aber unter Aufsicht von Kollegen. Ob es zu einer Anklage kommt, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch, und zwar wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Umständen.

Man werde versuchen, sich mit der Mutter finanziell zu einigen, erklärt Obwegeser, doch Mutter Zehira Dedic (39) will davon nichts wissen: "Ich will kein Geld, ich verkaufe meinen Sohn nicht!", erklärt sie nach der Spitals-Entschuldigung in einem Innsbrucker Café.

Sie ist blass und starrt vor sich hin. Zu tief sitzt ihr das Gutachten noch in den Knochen, das sie selbst erst am Mittwochvormittag erhalten hat: "Ich will strafrechtliche Konsequenzen, und dass sich in der Tilak endlich etwas ändert!" Man habe ihre Hilferufe damals einfach ignoriert, ist sie immer noch fassungslos.

Sie will, dass die Ärzte suspendiert werden. Rückendeckung erhält sie von der Tiroler Patientenvertretung, die "lückenlose Aufklärung und alle Unterlagen" einfordert.

 

Die Mutter klagt im Interview an: "Feuert bitte diese Ärzte!"

ÖSTERREICH: Das Gutachten ist fertig: Die Ärzte sind schuld an Amels Tod. Hat sich die Tilak schon bei Ihnen entschuldigt?
DEDIC: Nein, ich habe die Entschuldigung nur über die Medien erfahren.

ÖSTERREICH: Was bedeutet Ihnen dieses Schuldeingeständnis?
DEDIC: Es kommt zu spät. Das bringt mir mein Kind auch nicht mehr zurück.

ÖSTERREICH: Die Tilak hat angeboten, sich mit Ihnen finanziell einigen zu wollen. Was sagen Sie dazu?
DEDIC: Ich will kein Geld, ich verkaufe mein Kind nicht.

ÖSTERREICH: Was wollen Sie stattdessen?
DEDIC: Ich will, dass so etwas nie wieder vorkommt, es muss sich in der Tilak etwas ändern. Ein Kind darf nie mehr so qualvoll leiden, nie mehr sollen Eltern so etwas erleben müssen. Was ich auch will, sind strafrechtliche Konsequenzen, die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich schon mit dem Fall.

ÖSTERREICH: Die beiden betroffenen Ärzte sind nach wie vor im Dienst. Was soll mit ihnen passieren?
DEDIC: Ich möchte, dass sie suspendiert werden.

ÖSTERREICH: Sie haben gesagt, man habe Sie in der Klinik nicht ernst genommen. Was raten Sie Eltern, denen es ähnlich ergeht?
DEDIC: Ja, man hat mich nicht ernst genommen. Mein Kind lag zwei Stunden mit Krämpfen vor mir und hatte schon steife Beine. Wenn eine Mutter in der Klinik merkt, mit ihrem Kind stimmt etwas nicht, dann sollte sie alles versuchen, damit ein Arzt kommt. Auch einen Sessel aus dem Fenster werfen, das ist alles besser, als wenn einfach nichts passiert.
 

Autor: Christina Schwienbacher
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